Saxofonbauer "Meine Eltern haben mir das nie verziehen"

Eigentlich sollte Max Frei, 54, den Laden seiner Eltern übernehmen. Aber er folgte lieber seiner Leidenschaft für ein Musikinstrument. Sein Beruf in Bildern.

Janina Laszlo

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Wenn Max Frei arbeitet, muss es still sein. Musik hört er nicht, da könne er sich nicht konzentrieren, sagt er, und das obwohl er tagtäglich mit Instrumenten zu tun hat. Der 54-Jährige ist Saxofonbauer. Bis er zu diesem Beruf gefunden hat, ging er manchen Umweg.

Als Frei 16 Jahre alt war und die Realschule abgeschlossen hatte, entschieden seine Eltern, dass er eine Ausbildung zum Metallblasinstrumentenbauer machen solle. Ihnen gehörte ein Musikhaus im Allgäu und es war damals klar, dass der einzige Sohn das einmal übernehmen sollte.

Nach bestandener Gesellen- und Meisterprüfung fing Frei erst einmal an, im Laden der Eltern zu arbeiten. Doch das Verkaufen von Geigen, Klavieren und Noten machte ihm keinen Spaß. Er wollte mehr mit den Instrumenten zu tun haben, handwerklich tätig sein - und kündigte. "Meine Eltern haben mir das nie verziehen", erzählt Frei dem SPIEGEL.

Trotzdem bezog der Mann aus Bayern seine erste Werkstatt, machte eine Zusatzausbildung im Bereich Holzbläser und ging mehrere Monate auf die Walz in Deutschland und den USA, um verschiedene Werkstätten und sein favorisiertes Instrument - das Saxofon - besser kennenzulernen. Die Feinmechanik und das Filigrane hätten ihn daran interessiert, sagt er.

Mittlerweile hat Frei eine eigene Werkstatt in München. Die Fotografin Janina Laszlo gibt mit einer Fotoserie einen Einblick in seine Arbeit. Auch wenn seine Berufsbezeichnung Saxofonbauer suggeriert, dass er selbst Instrumente baut, repariert er sie nur und baut die Ersatzteile. "Es wäre viel zu aufwendig und teuer, sie komplett selbst herzustellen, heute wird das größtenteils maschinell gemacht", sagt Frei.

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13  Bilder
Ausbeulen, löten und polieren: In der Saxofonwerkstatt

Bis er ein Instrument komplett überholt hat, dauert es mehrere Tage. Der 54-Jährige muss es komplett zerlegen und alle Einzelteile demontieren. Er reinigt alle Tonlöcher, Klappen oder Federn, tauscht sie nach Bedarf aus, entfernt Kork und Filz, bessert verbeulte Stellen aus. Jedes Saxofon müsse nach sechs bis acht Jahren bearbeitet werden, sagt der Instrumentenbauer. Die Fotografin Janina Laszlo gibt mit einer Fotoserie einen Einblick in seine Arbeit.

Die Drehbank an der er Messingplatten in runde Formen dreht, Lötbrenner, Schraubenzieher, Utensilien zum Bearbeiten von Beulen wie Stahlkugeln oder kleine Hämmer, Feilen und Schleifpapier gehören zu seinen Arbeitsgeräten. "Das wichtigste Werkzeug sind aber meine Hände", sagt Frei, der seit Jahren auch selbst Saxofon spielt - und zwar nicht nur zum Spaß: "Ich muss das Instrument, wenn ich fertig bin, auch selbst ausprobieren."

Profimusiker aus aller Welt kommen zu Frei. Die größte Herausforderung sei es, die Instrumente den Musikern entsprechend zu bearbeiten. "Jeder hat seine eigene Spielweise und andere Bedürfnisse, das will ich mit einfließen lassen und ihn klanglich unterstützen", sagt Frei. Kenne er einen Musiker noch nicht, höre er sich zunächst Aufnahmen von ihm an, um das Instrument später darauf abzustimmen.

In seinem Beruf gebe es nur wenig Veränderungen im Laufe der Jahrzehnte, sagt der Saxofonbauer: "Es ist ein sehr klassisches Instrument und die meisten wollen, dass es genauso erhalten bleibt." Neue Techniken oder Materialien verwende er deshalb nicht. Immer öfter würden Leute aber auch mit billig hergestellten und im Internet bestellten Instrumenten zu ihm kommen. Aber die, sagt frei, fasse er gar nicht erst an.



insgesamt 2 Beiträge
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ms_kat 07.10.2019
1. Reisserische Überschrift!
Erstens meine ich, dass es nicht Rolle der Eltern ist, ihren Kindern etwas zu verzeihen oder nicht, und noch weniger, wenn es um Berufswahl oder Lebensentwürfe geht. Und dann scheint mir die Überschrift willkürlich ausgewählt, im Artikel geht es doch um einen tollen beruflichen Werdegang.
janamull321 14.10.2019
2.
Die Eltern sollten stolz auf ihn sein und nicht so egoistisch. Es ist das leben des Sohnes und wenn er den Laden nicht übernehmen will dann müssen sie das akzeptieren.
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