Frauenfeindliche Vorschriften in Japan "Setz doch mal die Brille ab!"

Sie sollen High Heels tragen, aber die Brillen absetzen: Japanische Arbeitnehmerinnen machen ihrer Wut auf frauenfeindliche Vorschriften Luft.

Japanerin mit Brille im Büro: bisher wohl eher eine Ausnahme
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Japanerin mit Brille im Büro: bisher wohl eher eine Ausnahme


"Setz doch mal die Brille ab!" Das sei die häufigste Bemerkung, die sie an ihrem Arbeitsplatz höre, schreibt die Nutzerin @wine_kimono auf Twitter.

Und damit ist die japanische Kellnerin anscheinend nicht allein: Über 13.000-mal wurde ihr Tweet geteilt, sogar einen eigenen Hashtag gibt es inzwischen, übersetzt heißt er "Brillen verboten". Immer mehr Japanerinnen wehren sich auf Twitter gegen das weit verbreitete Brillenverbot am Arbeitsplatz.

Ein Fernsehbericht war Anlass für die Diskussionen in den sozialen Medien gewesen, berichtet die Zeitung "The Independent". Die Sendung zeigte Unternehmen unterschiedlicher Branchen, die ihren Mitarbeiterinnen Brillen verbieten. Verkäuferinnen mit Brille wirkten demnach "kalt", Fluglinien begründeten die Entscheidung mit Sicherheitsvorgaben. Restaurantbetreiber gaben an, Brillen passten nicht zur traditionellen japanischen Kleidung.

Das hat auch die Twitter-Nutzerin schon gehört: "Eine Brille und ein Kimono zusammen sehen komisch aus", habe man ihr gesagt. Solche nervigen Sätze höre sie sogar ständig. Die meisten Läden, ob groß oder klein, würden darauf achten, dass ihre Bediensteten keine Brillen tragen.

Erst vor wenigen Monaten war in Japan ein Streit darüber entbrannt, ob Frauen verpflichtend High Heels am Arbeitsplatz tragen müssten. Die Schauspielerin und Autorin Yumi Ishikawa hatte dagegen eine Initiative gestartet und schnell mehrere Tausend Unterstützer hinter sich versammelt.

Doch Japans Gesundheits- und Arbeitsminister Takumi Nemoto verteidigte das Tragen von hochhackigen Schuhen am Arbeitsplatz. An manchen Arbeitsplätzen seien sie "notwendig und angemessen", sagte der 68-Jährige vor einem Parlamentsausschuss.

Auch in Deutschland darf der Chef einen Dresscode vorgeben. Das ist vor allem für diejenigen wichtig, die viel Kundenkontakt haben. Wer sich nicht daran hält, riskiert eine Abmahnung. Chefs dürfen aber nicht alles verbieten. Es gilt der Grundsatz: Kleidung und Aussehen müssen für die Position geeignet sein. Eine Brille dürfte wohl die wenigsten stören.

lmd/Reuters

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