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Heul-Workshops Japanische Firmen mieten weinende Jungs

Kollegen sollen zusammen weinen und sich von einem hübschen Kerl trösten lassen. Dazu vermietet eine Firma in Japan weinende Jungs an Unternehmen. Warum?

Losheulen, bis andere mitflennen, dann Taschentücher bereithalten, Tränen trocknen, trösten - das ist die Aufgabe der Ikemeso Danshi in Japan. Das sind gut aussehende, weinende Jungs, die anderen die verheulten Gesichter abtupfen. Firmen können diese Männer in der Hauptstadt Tokio für Mitarbeiter-Workshops buchen, berichtet der Sender BBC. 

Einer von ihnen ist Ryusei, um die 40 Jahre alt, Model-Typ. Er sorgt in den Workshops zunächst einmal dafür, dass bei den Mitarbeitern die Tränen fließen, zum Beispiel mit rührseligen Filmen. Gern genommen: Vater-Kind-Dramen, Geschichten über kranke Tiere und ähnliche Themen, die auf die Tränendrüse drücken.

Sobald das Schluchzen beginnt, zückt Ryusei die Taschentücher, tappt durchs Dunkle und trocknet den Menschen behutsam die Tränen. Die Idee dahinter: Das gemeinsame Weinen soll Kollegen einer Belegschaft einander näherbringen, damit sie besser als Team zusammenarbeiten.

Weinen fürs Betriebsklima

"Wenn du weinst und zeigst, dass du verletzlich bist, kommst du besser mit anderen Menschen klar, und das ist auch gut fürs Unternehmen", sagt Geschäftsmann Hiroki Terai, der die Idee zu den Workshops hatte. "Es schafft eine bessere Arbeitsatmosphäre."

Bei Terais Firma kann man verschiedene Ikemeso Danshi mieten - und er verdient daran. Seiner Homepage  zufolge kostet ein Tränenseminar umgerechnet rund 70 Euro.

Japaner seien nicht daran gewöhnt, ihren Tränen vor anderen freien Lauf zu lassen, sagt Terai. 2013 bot der Geschäftsmann die tränenreichen Workshops zunächst für alle Menschen an, nicht nur für Angestellte in Unternehmen. "Die Leute konnten kommen und gemeinsam weinen. Sie sagten, dass sie sich danach richtig gut fühlten", erzählte er.

Das einzige Problem: Wenn Männer in den Workshops weinten, hielten die anderen Teilnehmer sie für Waschlappen und Heulsusen. Hiroki stellte deshalb bewusst Seminarleiter wie Ryusei ein, die erstens mitweinen und zweitens sehr gut aussehen - um Menschen an den Anblick heulender Männer zu gewöhnen und deren Image aufzupolieren.

Die Arbeit als hübscher, weinender Junge fiel Ryusei anfangs allerdings gar nicht so leicht. Vorbildlich losheulen will gekonnt sein. "Als ich mit den Workshops angefangen habe, gab es merkwürdige Momente. Ich war nicht sehr geübt und konnte nicht so einfach weinen, und dann konnte auch das Publikum nicht weinen", erzählte Ryusei der BBC. "Aber jetzt ist es viel besser. Ich kann weinen - und die anderen weinen mit."

fok
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