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27. August 2018, 15:25 Uhr

Sicherheitstraining

Bahn lässt Shinkansen im Tunnel an Mitarbeitern vorbeirasen

Mitarbeiter eines japanischen Bahnbetreibers beschweren sich über ein Sicherheitstraining in Tunneln für Hochgeschwindigkeitszüge. Es sei wie "öffentliches Auspeitschen".

Bis zu 300 Kilometer pro Stunde erreicht der japanische Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen. Damit die Mitarbeiter, die für die Wartung der Züge zuständig sind, ein Gefühl für die Geschwindigkeit und die damit verbundenen hohen Sicherheitsanforderungen bekommen, mussten Dutzende von ihnen an einer umstrittenen Übung teilnehmen.

Etwa 200 Mechaniker des Bahnbetreibers JR West (West Japan Railway Company) mussten in einen Tunnel gehen und Shinkansen-Züge dort an sich vorbeirasen lassen, berichtete unter anderem die japanische Zeitung "Mainichi".

"Das Training soll unseren Wartungsangestellten vor Augen führen, wie wichtig ihr Job ist", sagte ein Sprecher des Unternehmens der Nachrichtenagentur AFP. Er räumte ein, dass sich Mitarbeiter beschwert hätten. Trotzdem wolle man das Training fortsetzen. "Wir werden dabei sicherstellen, dass es einen Zweck verfolgt und sicher abläuft."

"Eine schreckliche Erfahrung"

In japanischen Medien äußerten einige Teilnehmer ihren Unmut. "Es war eine schreckliche Erfahrung", sagte ein Bahnmitarbeiter der Zeitung "Tokyo Shimbun". Ein anderer sagte der Zeitung "Mainichi", die Übung sei "wie öffentliches Auspeitschen" gewesen.

Das japanische Netz aus Hochgeschwindigkeitszügen verbindet die großen Städte des Landes miteinander. Trotz eines sehr hohen Passagieraufkommens sind die Shinkansen-Züge für ihre Pünktlichkeit bekannt. Außerdem gelten sie als äußerst sicher.

Das ungewöhnlich harte Sicherheitstraining für Mechaniker gibt es laut "Mainichi" seit mehr als zwei Jahren. Es sei nach einem Vorfall im August 2015 eingeführt worden, sagte der Sprecher von JR West. Damals war ein Teil der Außenverkleidung eines Shinkansen abgefallen.

kha/AFP

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