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Gerichtsprozess in Japan Bahnbetreiber kürzt Zugführer den Lohn wegen einminütiger Verspätung

Ein japanischer Lokführer fuhr seinen Zug 60 Sekunden zu spät ins Depot – und bekam deshalb den Lohn gekürzt. Dagegen zog er vor Gericht und fordert nun fast 17.000 Euro.
Foto: Tomohiro Ohsumi / Bloomberg / Getty Images

Japanische Züge werden gemeinhin für ihre Pünktlichkeit gelobt, aber die minutengenaue Zeitmessung führt mitunter auch zu kuriosen Streitigkeiten: Vor dem Bezirksgericht Okayama im Westen Japans wird ein Fall verhandelt, bei dem es um eine Verspätung von einer Minute geht. Wegen dieser Minute wurde einem japanischen Lokführer der Lohn um umgerechnet 33 Cent gekürzt.

Wie die Zeitung »Yomiuri Shimbun« berichtet, sollte der Zugführer im Juni 2020 einen Zug in ein Depot im Bahnhof von Okayama bringen, wartete aber am falschen Bahngleis auf dessen Ankunft. Sein Versehen bemerkte er erst, als ein anderer Zug einfuhr. Er eilte zum richtigen Bahnsteig, kam dort aber zwei Minuten zu spät an, was schließlich zu einer einminütigen Verspätung bei der Abfahrt und einer einminütigen Verspätung beim Abstellen des Zuges im Depot führte.

Daraufhin zog ihm sein Arbeitgeber West Japan Railway 85 Yen (rund 65 Cent) vom Juli-Gehalt ab. Die Begründung: Er habe in den zwei Minuten, in denen sich der Umstieg verzögerte, keine Arbeit geleistet. Nachdem der Fahrer die Angelegenheit an eine Arbeitnehmer-Meldestelle herangetragen hatte, reduzierte der Bahnbetreiber den Lohnabzug auf 43 Yen für eine Minute Verspätung.

Da der Fahrer dies immer noch für unangemessen hielt, zog er vor Gericht – und verlangt nun fast 17.000 Euro Schadensersatz, unter anderem für »seelische Qualen«. Er habe nur einen kleinen Fehler gemacht und sei nicht seiner Arbeit ferngeblieben. Der Arbeitgeber hält dagegen, es gelte das Prinzip »keine Arbeit, kein Lohn«.

In japanischen Medien wird der Fall kontrovers diskutiert.

vet/AFP
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