In Kooperation mit

Job & Karriere

Stephanie Huber

Tipps von der Karriereberaterin EINMAL mit Profis arbeiten!

Stephanie Huber
Ein Gastbeitrag von Stephanie Huber
Marius hat die Nase voll: Sein Team muss mit einer anderen Firma zusammenarbeiten, aber dort sitzen nur Nieten, die nichts Konstruktives beitragen. Die Stimmung ist geladen. Wie bekommt er die Lage in den Griff?
Foto: Niels Blaesi / DER SPIEGEL

Marius, 39 Jahre alt, Abteilungsleiter, fragt: »Wir müssen mit einem Unternehmen zusammenarbeiten und seit Jahren gibt es permanente Missverständnisse und enorme Kommunikationsprobleme. Das sind echt Deppen! Jede Anweisung oder Frage wird mit Gegenfragen statt mit zielführenden Antworten beantwortet oder negiert. Das ständige Hin und Her ohne Lösungen und Kompromissbereitschaft ist unerträglich. Zwischenzeitlich weigern sich die Mitarbeiter meiner Abteilung sogar, ans Telefon zu gehen oder Mails von denen zu beantworten. Wie können wir die Kommunikation verbessern?«

Zur Autorin

Stephanie Huber arbeitet als Mediatorin mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsmediation  und Konfliktmanagement, seit sie 2013 ihr Unternehmen verkauft hat – und dabei die Erfahrung machte, dass es Situationen gibt, in denen Worte nicht reichen, um vom Gegenüber verstanden zu werden. Dadurch angespornt fand sie ihre Berufung, Menschen aus Konflikten und Krisen zu führen.

Lieber Marius,

die Kollegen oder Unternehmen, mit denen man zusammen arbeiten muss, kann man sich nicht immer aussuchen. Wie Sie selbst feststellen, gibt es im Leben Situationen, in denen man nicht umhinkommt, es trotzdem tun zu müssen. Aus Ihrer Frage wird deutlich, dass Sie an einem Punkt angekommen sind, an dem es Veränderung bedarf.

Wie ich meine, ganz zu Recht.

Fakt ist: Der Streitgrund liegt in der Vergangenheit – die Klärung hingegen wartet in der Zukunft. Sie treffen die Entscheidung, was konkret Sie möchten. Sie haben mehrere Möglichkeiten:

  • Sie arbeiten wie gehabt miteinander und ärgern sich übereinander

  • Sie ändern das Miteinander und arbeiten in Zukunft konstruktiv zusammen

Es ist wichtig, dass Sie erkennen, dass Sie die Wahl haben. Zuallererst ist eine klare Entscheidung zu treffen. Darauf folgt dann die Aktion anstatt wie bisher nur die Reaktion auf das Gegenüber.

ANZEIGE
Wachstumsmotor Workflow
Foto:

Luis Alvarez

Workflows zu optimieren ist eine der Top-Prioritäten im Unternehmensalltag. Gerade in Zeiten des rasanten Wandels unserer Arbeitswelt müssen Mitarbeitende flexibler und effizienter zusammenarbeiten können als zuvor. Gleichzeitig nutzen moderne Unternehmen neue technische Möglichkeiten, um Kund:innen die bestmögliche Customer Experience zu bieten. Die richtigen Werkzeuge können diese Trends verstärken und die Leistungsfähigkeit und Digitalisierung von Unternehmen voranbringen – nachhaltig, skalierbar und effizient.

Zur Sponsored Site "Wachstumsmotor Workflow"

Also Schluss mit sinnlosen Reaktionen und stattdessen souverän und konstruktiv agieren. Warten Sie bitte nicht darauf, dass die Gegenseite aktiv wird, weil diese die Situation vielleicht anders bewerten als Sie und Ihre Abteilung.

Sprechen Sie über Lösungen statt über Probleme

Sie können im Hier und im Jetzt nur die Zukunft beeinflussen. Die Vergangenheit ist vorbei, die kann niemand ändern. Deshalb sollten Sie versuchen, so souverän wie möglich den ersten Schritt machen. Ziehen Sie unter die Vergangenheit einen Schlussstrich und konzentrieren Sie sich auf das, was vor Ihnen liegt.

Gehen Sie offen und ehrlich auf Ihr Gegenüber zu und bauen Sie Brücken, über die man gehen kann, ohne dass jemand sein Gesicht verliert. Das könnte folgendermaßen klingen:

»Meine subjektive Wahrnehmung: Wir haben in der Vergangenheit nicht konstruktiv zusammen gearbeitet. Ich möchte das nicht bewerten. Doch ich möchte mich ausdrücklich für unsere Fehler, unseren Anteil an der Situation, entschuldigen. Ich bitte Sie, dass wir die Vergangenheit Vergangenheit sein lassen und neu beginnen. Vielleicht schaffen wir es, uns darüber zu unterhalten, wie uns das gemeinsam gelingen kann?«

Wichtig ist, dass Sie einander möglichst unvoreingenommen und mit der Bereitschaft einer Klärung begegnen. Sprechen Sie von ihrer eigenen, subjektiven Wahrnehmung – ohne Angriffe, Beschuldigungen oder Interpretationen mit einfließen zu lassen. Sondern konstruktiv und zielorientiert.

Kennen Sie einander überhaupt persönlich?

Lernen Sie die Menschen, mit denen Sie zusammenarbeiten müssen, persönlich kennen – diejenigen, die hinter der Arbeit, den Problemen und den Konflikten stecken. Möglichst in einer neutralen Umgebung. Mein Vorschlag: Ein gemeinsames Abendessen in einer Pizzeria? Vielleicht schaffen Sie es sogar, auf das bereits vorgefallene anzustoßen und es runterzuspülen, um dann neu zu starten?

Oder Sie melden sich zu einer gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung an? Schaffen Sie eine Verbindung, eine Gemeinsamkeit. Zeigen Sie Interesse für die Menschen. Lernen Sie einander kennen. Dann sind die "Deppen" wahrscheinlich gar nicht mehr so schlimm, weil sie ein Gesicht bekommen haben. Weil sie lebendig sind. An jedem Menschen gibt es etwas Liebenswertes!

Regeln und Strukturen

Und dann sprechen Sie über Regeln und Strukturen. Einigen Sie sich, wie der Umgang miteinander für beide Unternehmen gelingen kann. Zum Beispiel: Auf eine Frage erfolgt eine Antwort. Danach ist eine Gegenfrage erlaubt.

Und dann gibt es noch einen ganz einfachen, aber sehr effektiven Trick. Der stärkt auch noch den Teamgeist und führt häufig zu heiteren Situationen:

Ändern Sie gemeinsam als Team-Aufgabe den Fokus. Wenn von den Mitarbeitern der anderen Firma eine Mail oder ein Anruf bei Ihnen ankommt, was erwarten Sie? Etwas Positives oder eher etwas Negatives? Haben Sie schon einmal etwas von selbsterfüllenden Prophezeiungen oder vom Pygmalion-Effekt gehört? Ein Phänomen, bei dem eine vorweggenommene Einschätzung sich bestätigt.

Dabei meine ich nicht per se positives Denken. Ändern Sie den Fokus und Sie ändern die Situation! Wenn Sie sich im Team zukünftig über die »anderen« unterhalten und jemand schimpft oder kommentiert etwas, das schief gelaufen ist - dann, vereinbaren Sie, dass derjenige doppelt so viele Gutes aussprechen muss.

Das könnte so klingen: »Wie ärgerlich. Hab ich's doch gewusst, dass die wieder mit einer sinnlosen Gegenfrage antworten …« Dann könnte es vielleicht lauten: »Ja, wenn ich genauer darüber nachdenke, dann merke ich, dass die Gegenfrage ganz schlau ist« oder »Respekt, wie weit die vorausdenken«. Ändern Sie den Fokus, der wahrscheinlich »nur« auf dem negativen liegt, auf das, was positiv ist, egal wie klein oder unbedeutend es erscheint.

Im Team entstehen dadurch lustige Situationen, wenn man den Kollegen erwischt und er dann spontan etwas positives sagen soll. Da können dann durchaus Verlegenheitssätze kommen wie: »Ich fand es positiv, dass ›mit freundlichen Grüßen‹ drunter stand« oder »… ich bin dankbar, dass ich gelernt habe, so geduldig zu sein.«

Lieber Marius, es gibt Situationen im Leben, deren Umstände nicht änderbar sind. Dann bringt es nichts, im Widerstand zu verharren. Wir müssen annehmen, was ist. Wir können andere Menschen in aller Regel nicht ändern, wir können jedoch lernen, das Beste aus jeder Situation zu machen. Dafür wünsche ich Ihnen und Ihrem Team viel Erfolg und glaube daran, dass Sie es mit viel Aufmerksamkeit und Achtsamkeit schaffen werden. Auf eine gute Zusammenarbeit!

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.