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Job & Karriere

Katrin Wilkens

Tipps von der Karriereberaterin Ich will mehr Sinn, aber nicht weniger Geld

Katrin Wilkens
Ein Gastbeitrag von Katrin Wilkens
Ein Gastbeitrag von Katrin Wilkens
Nach der Elternzeit will Marion nicht zurück in ihren oberflächlichen und stressigen Job. Sie wünscht sich eine Tätigkeit mit mehr Sinn – aber das Gehalt soll auch stimmen. Geht das überhaupt?
Es geht im Leben um mehr als um Arbeit. Wie kann man alles, was einem wichtig ist, miteinander vereinbaren?

Es geht im Leben um mehr als um Arbeit. Wie kann man alles, was einem wichtig ist, miteinander vereinbaren?

Foto: Tang Ming Tung / Digital Vision / Getty Images

Marion, 31 Jahre, fragt: »Ich arbeite seit drei Jahren als Key Account Managerin in einem großen Konzern, eine 60-Stunden-Woche war nicht selten. Das ist aber mit einem kleinen Kind nicht mehr machbar. Meine Tochter ist jetzt zwei Jahre alt. Mein Mann ist Pilot, sodass wir eine kindgerechte Betreuung gar nicht hinbekämen. Ich möchte mein berufliches Leben neu sortieren und meinem Beruf mehr Sinn verleihen. Mit Kind denkt man anders als ohne. Ein gutes Gehalt ist mir nach wie vor wichtig, aber nicht mehr ausschließlich. Ich will der Welt etwas Nachhaltiges hinterlassen. Was raten Sie mir?«

Liebe Marion,

Sinn und Geld sind wie Babypause und Karriere: einzeln okay, zusammen für eine berufliche Neuausrichtung eher schwierig zu vereinbaren. In Großkonzernen wird Teilhabe oft monetär vergoldet, sprich saugut bezahlt. Das werden Sie an Ihrem monatlichen Gehaltsscheck gemerkt haben. Dafür bezahlt man als Arbeitnehmer mit der Währung Loyalität, Konformität und in Folge mitunter auch Sinnleere, weil die Arbeit so zersplittert ist, dass sie entfremdet erscheint. Aus diesem System auszubrechen, ist für viele eine echte, Achtung Business-Jargon, Challenge, auch weil der Geld-Sicherheitsaspekt eben so schwer wiegt.

Wer einen sinnvollen Job anstrebt, landet oft in den sozialen Berufen. Diese Branchen entlohnt anders als mit Geld. Oder haben Sie schon mal eine Kindergärtnerin oder Street Workerin getroffen, die gesagt hätte: »Also, ich verdiene echt richtig gut«? Natürlich gibt es auch Key-Account-Stellen im NGO-Bereich, aber ich fürchte, Sie schockgefrieren, wenn Sie sich die dortigen Gehaltstabellen ansehen.

Sollten Sie das dennoch wagen, dann schauen Sie sich das Gehalt bitte ganzheitlich an: Herrscht in einem Sozial-Unternehmen ein Chanel-Zwang? Werden die Mitarbeiter komisch angeschaut, wenn sie nicht dreimal pro Woche zum Kosmetiker, zur Friseurin und zur Zahnreinigung gehen und nicht ständig neue Outfits tragen? Oder ist die ganze Firmenkultur geerdeter, sodass man gar nicht so mehr so viel Geld braucht wie vorher?

Eine zweite Möglichkeit wäre, sich einen anspruchslosen Job (im sozialen Sinne) zu suchen und die Sinnfrage mit einem Ehrenamt zu lösen. Wenn Sie einmal in der Woche eine Nachhilfestunde für ein Mädchen in der Nachbarschaft geben, tun Sie eventuell viel mehr Gutes, als Sie es in einer PR-Abteilung einer Non-Profit-Organisation könnten.

Wenn Sie noch Lust haben, etwas dazuzulernen, dann schauen Sie sich doch mal die Weiterbildungsmöglichkeiten zur Stiftungsmanagerin an. Hamburg ist Stiftungshochburg in Deutschland. 1300 Stiftungen gibt es hier, mehr als in jedem anderen Bundesland (auf die Einwohnerzahl bezogen). Und die Weiterbildung ist klein, machbar (Fernstudium) und eine seltene Kombination aus Sinn und Geld.

Die dritte Möglichkeit besteht darin, genau zu schauen, was Sie am Key Account früher so gereizt hat, und dieses Element herauszulösen und in Zukunft solitär zu betonen. Haben Sie z.B. immer besonders schwierige Kunden gehabt, könnten Sie eventuell im Bereich Lob- und Beschwerdemanagement ein eigenes Segment leiten, das aber in einem passablen Zeitkontingent machbar ist. Auch die Lehre später, speziell in diesem Segment, wäre andenkbar. Warum nicht Jüngeren beibringen, was Sie schon können? Und eines zum Schluss: Der schönste Sinn sitzt bei Ihnen zu Hause und lernt gerade laufen. Verzweifeln Sie nicht, wenn es auf absehbare Zeit kein Job der Welt schafft, mit ihm gleichzuziehen.

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