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Job & Karriere

Katrin Wilkens

Tipps von der Karriereberaterin Frustriert vom eigenen Frust – wie komme ich da raus?

Katrin Wilkens
Ein Gastbeitrag von Katrin Wilkens
Die Architektin Klara hetzt zwischen Job und Kinderbetreuung hin und her, dazu die Pandemie. Ihr Beruf füllt sie nicht aus. Sie hätte gern interessantere Aufgaben – aber wie soll sie das auch noch schaffen?
Nur noch funktionieren: Das geht besser

Nur noch funktionieren: Das geht besser

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VectorMine / iStock / Getty Images

Klara, 37 Jahre, fragt: »Ich arbeite seit sieben Jahren in derselben Firma als Architektin. Früher habe ich die Ausschreibungen betreut, ich war die vorderste Front im Pitch. Heute, mit zwei Kindern, bin ich eine bessere Bauzeichnerin. 25 Stunden, Teilzeit, Langeweile. Ich hätte Lust auf einen neuen Job. Aber ich laufe nach zwei Jahren Corona derart auf der Felge, dass ich mich frage, wie ich das schaffen soll. Ich hetze zur Arbeit, schrubbe meine Stunden runter, renne zur Kita und kaufe danach noch ein. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wo ich da noch eine berufliche Veränderung unterbringen soll. Ich würde aber so gern. Haben Sie einen Tipp?«

Liebe Klara,

mein ultimativer Karrieretipp umfasst ein kurzes Wort: nö!

Wenn ich jetzt ausholen soll, dann würde ich noch »zumindest derzeit nicht« anfügen. Man kann nicht gut wachsen, wenn man erschöpft ist. Wir sind es in unserer überoptimierten Welt nur nicht mehr gewohnt, auszuharren. Und nach einer schweren Krankheit ist man doch auch noch eine Weile rekonvaleszent, warum nicht auch nach einer Pandemie?

Einen Zeitplan machen, um weniger nachzudenken

Ich verstehe aber, dass Sie mit der Aufforderung zu warten, nicht gern vom Hof reiten. Deshalb gebe ich Ihnen einen Trick an die Hand, um die Wartezeit sinnvoll zu nutzen: Machen Sie sich einen dezidierten Zeitplan. Ich bin sicher, als Pitch-Beauftragte können Sie genau das ziemlich präzise. Schreiben Sie auf, in welchem Monat Sie etwa welche Recherchearbeit zu einer Weiterbildung abgeschlossen haben werden. Nehmen Sie sich nicht mehr als fünf Stunden in der Woche vor – den Rest der Zeit wird das Grübel-Karussell abgestellt.

Ich ahne, dass nicht nur Corona Sie verlangsamt hat, sondern auch die zwei Kinder. Wenn man nachmittags noch auf Spielplätzen sitzt, hat man erstens keine zeitliche Kapazität, Pitches zu kuratieren, und zweitens verliert sich der Sinn für diese sehr schnelllebige und termingebundene Arbeit. Vielleicht können Sie eher in etwas Langsameres wechseln?

Den Blick auf Felder weiten, die passen könnten

Und wenn Ihnen das ruhigere Tempo mehr liegt, dann können Sie es sogar professionalisieren. Es gibt inzwischen, wie beim Essen, einen Trend, der sich slow architecture  nennt und sich auf eine nachhaltige, der Umgebung angepasste und organisch mitwachsende Bauweise spezialisiert. Ich weiß nicht, ob es in Ihrer Stadt ein Büro gibt, das sich diesem Trend verschrieben hat, aber vielleicht finden Sie in den nächsten Monaten einen Verbündeten, der mit Ihnen ein kleines Tiny-Projekt daraus entwickelt? Dazu lesen Sie sich erst einmal in Fachbücher oder Aufsätze ein, kontaktieren mindestens fünf bis zehn verschiedene Experten, gern auch zu einem Info-Lunch, und formulieren dann ein Paper, auf dem sie beide die wichtigsten Rechercheergebnisse zusammentragen. Danach kann man sehen:

  • ob einen das Thema anspringt?

  • ob es Verbündete / Netzwerkkollegen gibt, die mitmachen würden?

  • ob es Möglichkeiten gibt, diesen Zweig zu integrieren?

  • ob es Weiterbildungsmöglichkeiten / Kongresse / Fachtagungen zu diesem Thema gibt?

  • ob es möglich ist, den Papst of slow architecture zu treffen? Ihn anzuschreiben?

Das Ganze geht aber nur, wenn Sie einigermaßen in Ihrer Kraft stehen, denn sonst werden Sie alle neuen Ideen mit einem »Ach, nee, das geht auch nicht, weil…« abtun – aus Schutz vor einer Überforderung. Und irgendwann werden Sie frustriert von Ihrem eigenen Frust sein. Die Reihenfolge lautet daher: abwarten, Plan machen, ausruhen, mit einem Zeitplan beginnen, nicht übertreiben.

In der Ruhe liegt die Kraft. Ich wünsche Ihnen beides.

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