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11. September 2019, 13:13 Uhr

Management trifft Mensch

Wie Sie schlechte Ergebnisse zu guten Nachrichten machen

Eine Karriere-Kolumne von

Umsatz gesunken, Ziele verfehlt? Kopf hoch: Alles eine Frage der Perspektive. Im richtigen Licht betrachtet, sind die Verlierer die wahren Sieger. Wie das geht, zeigen CDU und SPD.

Es kann ja nicht immer die große, glamouröse Welt sein, die im Lichtkegel steht. Auch das Unscheinbare hält manchen Erkenntnisschatz bereit. Wenden wir uns deshalb diesmal der Tristesse des Alltags zu. Genauer gesagt: dem Abschneiden von CDU und SPD in Sachsen und Brandenburg.

An Ratschlägen, wie mit den Wahlergebnissen umzugehen sei, mangelte es eigentlich nicht. Und doch fehlte in der Berichterstattung irgendwie der positive Spin, der Lichtblick, der uns sagt, was wir daraus lernen können.

Nun - hier ist er. Der Umgang der einst großen Volksparteien mit den jüngsten Wahlen ist ein schönes Beispiel für eine Fähigkeit, die vor allem im Job mit zu den wichtigsten zählt: aus schlechten Nachrichten gute machen.

Nur eine Frage der Perspektive

Die Frage, wie das geht, stellt sich besonders in Unternehmen. Häufiger, als viele denken, kommt es in der Wirtschaft nicht auf die Zahlen an - sondern darauf, wie man diese Zahlen präsentiert.

Ihr Quartalsergebnis liegt deutlich unter dem vorhergehenden? Mag sein, es ist aber immer noch besser als das Vergleichsquartal des Vorjahres - und das ist schließlich, was zählt. Ihr Produktlaunch fällt dramatisch unter die schönen Prognosen, die Sie auf Ihre Powerpoint-Charts gemalt hatten? Kein Grund zum Verzweifeln: Entscheidend ist doch, dass Sie in einem extrem schwierigen Marktumfeld überhaupt etwas Neues verkauft haben. Und CDU/SPD: massiv verloren, Koalitionen abgewählt? Papperlapapp - die Ministerpräsidenten bleiben, alles andere ist unwichtig.

Wir lernen: Wer trotz schlechter Ergebnisse mit guten Nachrichten glänzen will, braucht zwei Dinge - die richtige Bezugsgröße und ein effektives Erwartungsmanagement.

CDU und SPD haben das vor den Landtagswahlen schulbuchmäßig vorgemacht - mit kräftiger Schützenhilfe durch die Meinungsforscher. Was wurde da nicht alles herbeidemoskopiert: Zerfall der Demokratie, Auflösung aller Werte, AfD-Ministerpräsidenten.

Nun, da die Ministerpräsidenten voraussichtlich weiter amtieren können, wird all dies zur Nebensache: die massiven Verluste, die miese Grundstimmung, das verlorene Vertrauen. Was zählt: Das Schlimmste wurde verhindert. Und was das Schlimmste ist, das wurde vorher eifrig und penibel durchbuchstabiert.

Nehmen Sie sich also ein Beispiel an den Volksparteien: Verloren hat nur, wer es auch zugibt. Alles andere ist Interpretationssache. Nur eins ist sicher: Wenn Sie die Apokalypse an die Wand malen, es aber nur eine handelsübliche Katastrophe wird - dann stehen Sie als strahlender Sieger da.

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