Alltag eines Pannenhelfers "Dem Wagen fehlte gar nichts"

Er wird nicht nur gerufen, um Autos flottzumachen. Manchmal brauchen auch deren Fahrer Hilfe. Ein Pannenhelfer erzählt von harten Schichten im Winter, nervigen Radfahrern - und von einer einsamen Dame.

Pannenhelfer im Einsatz (Archivbild)
DPA

Pannenhelfer im Einsatz (Archivbild)

Aufgezeichnet von


Zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist in vielen Berufen jede Menge Platz. In der Serie "Das anonyme Jobprotokoll" erzählen Menschen ganz subjektiv, was ihren Job prägt - ob Tierärztin, Staatsanwalt oder Betreuer im Jobcenter.

"In den Wintermonaten ist bei uns Hochbetrieb. Kaputte Batterien, eingefrorenes Kühlwasser: Jeden Tag fahren meine Kollegen und ich zu 8 bis 14 Einsätzen, mit dem Ziel, Mensch und Auto wieder mobil zu machen.

Die Kälte stört mich bei der Arbeit weniger als Wind und Regen. Wenn ich auf dem Boden hocke oder Daten in unseren Computer eintrage, der hinten im Kofferraum eingebaut ist, kann ich mich kaum davor schützen. Doch die Menschen in ihren Autos frieren im Winter mitunter sehr. Für diesen Fall habe ich Handwärmer dabei, die ich dann verteile.

Zur Pannenhilfe kam ich durch einen Zufall: An einem Sommertag vor etwa sechs Jahren stand ich, bepackt mit mehreren Taschen, vor meinem Auto. Ich stellte die Einkäufe ins Auto, schlug den Kofferraum zu und ließ den Schlüssel mit den Taschen im Wagen liegen. Als dann ein Pannenhelfer kam, fand ich ihn direkt sympathisch und wir unterhielten uns lange über seinen Job. Ich bin gelernter Automechaniker und war begeistert: Unterwegs sein, mit unterschiedlichen Menschen sprechen und ihnen helfen - das wollte ich auch.

Das Auswahlverfahren dauerte über vier Stunden. Auf ein langes persönliches Gespräch folgten mehrere praktische Tests. Glücklicherweise bestand ich alle Aufgaben und passte auch gut ins Team. Denn der Zusammenhalt ist bei uns sehr wichtig. Wir sind zwar allein auf den Straßen unterwegs. Bei Problemen helfen wir uns aber immer gegenseitig.

Seit fünfeinhalb Jahren arbeite ich nun schon als Pannenhelfer bei einem großen deutschen Verkehrsklub. Mein Dienst beginnt und endet bei mir zu Hause. Mein Dienstwagen steht einsatzbereit in meiner Garage. Eine Zentrale nimmt die eingehenden Anrufe an und leitet sie an uns Pannenhelfer weiter. Wir fahren immer mit GPS, damit wir auf dem schnellsten Weg zu den Menschen kommen.

Dem Wagen fehlte nichts

Ich bin der Seelsorger der Straßen. Denn nicht nur die Autos brauchen Hilfe, sondern oft auch ihre Fahrer.

Neulich rief zum Beispiel eine ältere Dame an. Sie gab vor, ihr Ford würde nicht mehr anspringen. Als ich eintraf, stellte ich jedoch schnell fest, dass dem Wagen gar nichts fehlte. Ich sprach die Frau freundlich darauf an und sie gab zu, eigentlich nur jemanden zum Reden gesucht zu haben. Schließlich zahle sie seit über fünfzig Jahren Mitgliedsbeiträge. Wir tranken einen Kaffee und unterhielten uns, ihr Mann war gestorben, sie war sehr einsam. Das tat mir natürlich leid. Trotzdem musste ich gehen, als die nächste Pannenmeldung eintraf.

Fotostrecke

28  Bilder
Das anonyme Job-Protokoll: So sieht der Alltag wirklich aus

Am schnellsten reagieren wir, wenn Gefahr im Verzug ist, also wenn Tiere oder Menschen, oft bei großer Hitze, im Auto eingesperrt sind. Im vergangenen Sommer wurde ich zu einer schwedischen Familie auf einen Rastplatz gerufen. Auf mich wartete ein schwarzer Pkw mit dunklen Fenstern. Die Mutter war zum Klo gegangen und hatte der etwa dreijährigen Tochter, die angeschnallt im Kindersitz saß, den Autoschlüssel zum Spielen gegeben. Das Kind drückte versehentlich einen Knopf und verriegelte den Wagen, ließ dann auch noch vor Schreck den Schlüssel unter den Sitz fallen.

Als ich eintraf, wurde ich direkt von der völlig aufgelösten Mutter angebrüllt. Verständigen konnten wir uns nicht, sie sprach weder Englisch noch Deutsch. Auch das kleine Mädchen weinte bitterlich. Das Auto stand in der Sonne, die Temperatur stieg. In solchen Momenten rede ich nicht viel, sondern fange sofort an zu arbeiten.

Mit einem Plastikkeil öffnete ich die Fahrertür einen Spalt breit und konnte so einen Notfallknopf drücken, der die Motorhaube aufspringen ließ. Dort konnte ich dann Strom auf den Computer im Auto geben, und die Fenster öffneten sich. Ich griff hinein, löste den Gurt und hob das kleine Mädchen in den Arm der Mutter. Die Situation entspannte sich sofort.

Brüllende Radfahrer, hupende Autos

Wir arbeiten im Schichtdienst. Das heißt, dass ich mitunter auch am Wochenende und an Feiertagen eingesetzt werde. Meine Frau ist Erzieherin. Sie arbeitet in Teilzeit und ist um 14 Uhr zu Hause. Wenn ich die Spätschicht mache, fange ich um 14.30 Uhr an. Da kann es schon passieren, dass wir uns die Klinke in die Hand geben. Ich habe auch eine Tochter, die ich an Spätdiensttagen nur schlafend sehe. Das ist natürlich schade.

Wir freuen uns umso mehr auf meine Frühdiensttage. Da fange ich um 5.30 Uhr an zu arbeiten und habe so früh Feierabend, dass ich sie aus der Kita abholen und dann den ganzen Nachmittag mit ihr verbringen kann. Auch sie ist schon infiziert: Meinen Job als Pannenhelfer spielen wir oft mit Playmobil nach.

Ich liebe meinen Job. Ich mag das Unvorhergesehene. Ich muss immer improvisieren, und kein Tag ist wie der andere. Nur das Unverständnis der Menschen nervt ein wenig. Wenn ich auf dem Gehweg anhalte, um einem Fahrer mit seinem liegen gebliebenen Auto zu helfen, kommt es vor, dass mich Radfahrer anbrüllen, weil ich ihnen den Weg versperre. Auch angehupt werde ich häufig. Dass die Menschen mehr aufeinander achten und Rücksicht nehmen, das wünsche ich mir."

insgesamt 144 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Chris9976 31.01.2019
1.
Die Leute, die Pannenhelfer anhupen sind die gleichen, die Rettungswagen umparken. Unverständlich. Kennzeichen aufschreiben und auf die schwarze Liste setzen. Panne? Pech.
henrykmbroder 31.01.2019
2. Nun...
warum halten Sie auf dem Geh- oder Radweg, wenn Sie ein kaputtes Auto reparieren sollen?
spon-facebook-10000142866 31.01.2019
3. Er hat auch auf dem Radweg nichts zu suchen
kwt
guillermo_emmark 31.01.2019
4. Dämlich deutsch
Als im Ausland lebender Deutscher kann ich über die Beiträge zwei und drei nur den Kopf schütteln. Genau diese arrogante Pingeligkeit wird uns háufig vorgehalten. Offenbar zu Recht.
hexagon7467 31.01.2019
5.
Warum meinen Autofahrer (einschließlich Pannenhelfer) sie könnten auf dem Radweg oder dem Fußweg parken? Sofort abschleppen und extrem hohe Bussgelder verhängen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.