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Erste Hilfe Karriere So gelingt der Berufswechsel - in zehn Schritten

Jeder findet seinen Beruf manchmal zu öde, zu stressig, zu sonstwas. Wann es Zeit ist, etwas zu ändern und wie es gelingt, in jedem Alter noch einmal neu zu starten, erklärt Karriereexpertin Uta Glaubitz.
Wo könnte es mit einem beruflichen Neuanfang hingehen? Da hilft ein Plan!

Wo könnte es mit einem beruflichen Neuanfang hingehen? Da hilft ein Plan!

Foto: Corbis
KarriereSPIEGEL-Klassiker

Manche Dinge ändern sich (fast) nie: Wie man eine interessante Bewerbung schreibt. Wie man im Vorstellungsgespräch einen guten Eindruck hinterlässt. Die besten zeitlosen Artikel aus dem KarriereSPIEGEL präsentieren wir Ihnen in loser Folge.

Mal angenommen, man hat Betriebswirtschaft studiert und eine ganz ordentliche Karriere in einem Unternehmen, einer Bank oder Beratungsfirma hingelegt. Weiter angenommen, das reicht einem irgendwann nicht mehr. Man fragt sich mit Mitte 30 (oder wann auch immer): Soll das alles gewesen sein? Geht das jetzt ewig so weiter? Was ist mit meinen Träumen passiert?

Für solche Fälle gibt es die Berufswechselanleitung in zehn Schritten:

1. Das Frust-Gefühl richtig bewerten:

Ist es ernst? Geht die Unzufriedenheit über das übliche Maß hinaus, das ein Deutscher mit seinem Beruf hat? Der Zahnarzt jammert über eine Gesundheitsreform, der Architekt über die langen Arbeitstage und der Grundschullehrer über den ungezogenen Nachwuchs. Wenn es nur das ist, bleiben Sie, wo Sie sind. Im nächsten Beruf wird es auch stressig. Wenn Sie aber das Gefühl haben, Sie sind im aktuellen Beruf grundsätzlich falsch, gehen Sie zu Schritt zwei.

2. Bloß nicht planlos Fortbildungen buchen:

Machen Sie auf keinen Fall eine Weiterbildung, zum Beispiel im Projektmanagement, um dann hoffentlich irgendwie weiter zu kommen. Sie müssen vorher wissen, wohin Sie überhaupt wollen. Sie brauchen ein Ziel. Dieses Ziel ist nicht "eine neue Herausforderung" oder "irgendwas mit Menschen". Das Ziel ist auch nicht "Ich will etwas Sinnvolles machen" oder "die Welt verbessern". Das sind nur Floskeln, denen man hinterherläuft, um die eigene Entscheidungsschwäche zu kaschieren. Ein neues Ziel ist ein konkreter Beruf. Wenn Sie herausfinden wollen, welcher der Richtige ist, gehen Sie zu Schritt drei.

3. Der wichtigste Schritt von allen:

Wer kein Ziel vor Augen hat, kann gar nicht festlegen, welche Schritte dazu führen könnten. Statt Weiterbildungshektik zu verbreiten, überlegen Sie lieber, was Ihnen wichtig ist, was Ihnen Spaß macht und wofür Sie freiwillig frühmorgens aufstehen. Das ist der Anfang. Sammeln Sie auch alte Berufswünsche, Berufsideen, die Ihnen schon mal in der Kneipe gekommen sind, und Berufe von Leuten, die Sie um ihren Beruf beneiden.

4. Die Ideensammlung in Ruhe begutachten:

Welche Berufe könnten Ihre Wünsche in irgendeiner Form reflektieren? Wer gerne segelt, muss nicht unbedingt Segellehrer werden. Vielleicht passt auch Sport- und Englischlehrer, Sportmediziner oder Bootsbauer? Wer gern liest, muss nicht Buchhändler werden. Vielleicht kommen auch Deutschlehrer, Verlagslektor oder Bibliothekar in Frage. Berufsfindung ist keine mechanische Angelegenheit, bei der aus dem Hobby ein Beruf werden muss. Dennoch sind Hobbys schon mal gute Ausgangspunkte.

5. Klarheit schaffen:

Bevor Sie weitermachen, muss das neue Ziel klar sein: "Ich werde Parfumeur", "Ich werde DJ", "Ich werde Kinderärztin". Das ist Punkt B, den Sie auf ein großes Blatt Papier schreiben. Mit viel Platz darunter kommt Punkt A. Das ist der Status quo, der Punkt, an dem Sie derzeit beruflich stehen.

6. Jeden Schritt planen:

Nun schreiben Sie die Schritte auf, die von A nach B führen. Brauchen Sie dafür ein Studium, eine Ausbildung, einen Kurs? Ist das Ganze nur auf einem Weg zu erreichen oder auf mehreren? Welcher dieser Wege ist der richtige für Sie?

7. Ängste sind okay - solange Sie sie für sich behalten:

Sie haben jetzt ihren beruflichen Plan: ein konkretes Ziel und die Schritte dorthin. Am besten, Sie erzählen zunächst niemandem davon. Damit appellieren Sie nur an die Veränderungsängste der anderen. Apropos Angst: Wer Neues wagt, hat Angst zu versagen. Zudem muss man sich von etwas verabschieden, was den meisten schwerfällt, und zwar unabhängig davon, wie sehr Sie Ihren alten Job hassen. Diese Angstschübe sind völlig normal und kein Grund, das Vorhaben abzubrechen.

8. Sind Sie bereit? Wirklich?

Denken Sie noch einmal in Ruhe über den ersten Punkt nach. Ist der Wechselwunsch ernst? Sind Sie bereit, etwas zu verändern, etwas hinter sich zu lassen und etwas Neues zu wagen? Und mehr noch: Sind Sie bereit, sich der neuen Sache mit Haut und Haaren zu verschreiben? Denn das neue Ziel wird Ihnen einiges abverlangen: Zeit, Nerven und Geld. Sie müssen Widerstände überwinden (auch innere), Konflikte austragen (zum Beispiel mit der Familie) und Entscheidungen durchziehen (auch durch Tränentäler). Wenn Sie nicht wirklich bereit dazu sind, lassen Sie halbherzige Versuche. Das kostet nur und bringt nichts. Sie sind bereit? Weiter zu Schritt neun.

9. Die Kündigung:

Irgendwann werden Sie Ihren jetzigen Job kündigen müssen. Manchmal kann man kurzzeitig zweigleisig fahren. Aber meistens führt das dazu, dass man nichts richtig macht und der neue Plan keinen Schwung aufnimmt. Sie sollten also einen Zeitpunkt festlegen, an dem Sie kündigen.

10. Ja, es lohnt sich!

Es ist Quatsch zu glauben, alles ginge, wenn man nur will. Aber es geht eine Menge - meistens mehr, als man denkt. Wenn Sie mit 35 kündigen, etwas Neues machen und mit 40 im neuen Beruf sind, dann haben Sie noch Pi mal Daumen 30 Berufsjahre vor sich. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich immer. Ein Beruf ist keine Gefängnisstrafe, die man absitzen muss.