Vorstand vs. Freiberuflerin Einer für alle, alles für eine

Beide arbeiten in der Werbebranche, doch ihre Arbeit könnte kaum unterschiedlicher sein: Vincent Schmidlin führt als Vorstand einer Werbeagentur Hunderte Mitarbeiter. Inga Feisthamel ist als freie Designerin nur für sich selbst verantwortlich.


Tagsüber ist Inga Feisthamel ziemlich selbstbezogen. Ihr bleibt gar nichts anderes übrig, schließlich arbeitet die Designerin von Werbevideos und Anzeigen für sich allein. Vincent Schmidlin dagegen ist Vorstand bei Scholz & Friends und hat noch nie selbständig gearbeitet. Hier erzählen die beiden, welche Vorteile die Arbeit allein oder im großen Team mit sich bringt - und was ihnen fehlt.

  • Freie Designerin Inga Feisthamel, 31 : "Manchmal vermisse ich Teamarbeit"

Inga Feisthamel hat 80-Stunden-Wochen - und manchmal kaum Arbeit
ingafeisthamel.com

Inga Feisthamel hat 80-Stunden-Wochen - und manchmal kaum Arbeit

"Als Designer fängt man entweder in einer Werbeagentur an oder man macht sich selbständig. In Agenturen gibt es in der Regel bei Projekten viele Abstimmungen, Meetings, Überstunden und einen stressigen Zeitplan. Als freischaffende Designerin bin ich für mich selbst verantwortlich - ich kümmere mich um meine eigenen Kunden und helfe in Agenturen aus, wenn der Abgabetermin eines Projekts drückt. Mein einziger konstanter Job ist die Arbeit beim Bayerischen Rundfunk, wo ich beispielsweise Ölpreis-Statistiken animiere.

Mein Arbeitstag ist daher alles andere als geregelt. Es gibt bei mir Wochen, in denen ich bis zu 80 Stunden arbeite - nämlich dann, wenn ich ein eigenes Projekt mit einem meiner Kunden angestoßen habe, das dringend fertig werden muss. In anderen Wochen gibt es dafür kaum Arbeit. Dann schreibe ich Rechnungen, rufe bei Bekannten in den Agenturen an, frage nach Aufträgen oder gehe zum Yoga.

Mein Kritiker: Mein Mann

Nur manchmal vermisse ich die Teamarbeit: Wenn ich allein nachts an einem Werbefilmchen sitze, kann mir niemand Ideen geben. Und mein Mann muss als Kritiker herhalten. Er arbeitet in der gleichen Branche, versteht meine Arbeitsprozesse und kann mich immer wieder mit Ideen unterstützen.

Mein Mann hat nach jahrelanger Selbständigkeit inzwischen eine Festanstellung in einer Designagentur angenommen. Zwei Freiberufler in einem Berufsumfeld, in dem Kunden schnell den Designer oder die Agentur wechseln, sind für die Familienplanung zu gefährlich. Ich bin gerade Mutter geworden und will nicht in vollkommener Unsicherheit leben.

Ansonsten ist das Freiberuflerdasein für mich jedoch perfekt. Nach meinem Mutterschutz kann ich mir die besten und weniger stressigen Aufträge herauspicken - und mich erst mal um unser Kind kümmern."

  • Scholz & Friends-Vorstand Vincent Schmidlin, 42 : "Individuelle Genialität ist nicht zuverlässig genug"

Vincent Schmidlin ist Chef von mehr als 500 Mitarbeitern
Scholz & Friends

Vincent Schmidlin ist Chef von mehr als 500 Mitarbeitern

"Selbständig gearbeitet habe ich nie. Vielleicht, weil ich die Arbeit in Teams so sehr schätze: Sie inspiriert, gibt Energie und macht Spaß. Außerdem ist mir individuelle Genialität nicht zuverlässig genug: Im Team werden die Fähigkeiten der Einzelnen verknüpft, was höhere und stabilere Qualität garantiert. Als Chef ist es meine Aufgabe, die richtigen Menschen in der richtigen Kombination zum passenden Projekt zu bringen.

Die Hälfte meiner Zeit verbringe ich in der Agentur, in Meetings, bespreche Projekte, briefe Kollegen. Ich muss meine Angestellten motivieren, inspirieren und ihnen zuhören. Ich versuche darauf zu achten, dass mich meine Führungsaufgabe, das Planen und Organisieren, nicht komplett vereinnahmt. Denn mir macht es viel Spaß, an den Inhalten zu arbeiten. Deshalb picke ich mir mindestens einmal im Quartal ein Projekt heraus, das ich inhaltlich ausgestalte.

Einmal Chef, immer Chef

Den restlichen Teil meiner Arbeitszeit bin ich unterwegs beim Kunden, bei Akquise-Terminen oder halte Vorträge. Gerade als Chef ist es wichtig, Kontakte zu pflegen, um im Kopf potentieller Neukunden zu sein.

Gerade weil ich strategisch als auch inhaltlich viel gestalten kann, macht es mir Spaß, in einer Führungsposition zu arbeiten. Eins sollte man wissen: Als Chef kann man sich nie hinter anderen verstecken. Ich kann nicht sagen: Heute ist nicht mein Tag. Einmal Chef, immer Chef. Unter der Woche bleibt deshalb wenig Zeit für die Familie: Vor 20 Uhr bin ich selten zu Hause. Die Wochenenden dagegen halte ich mir frei. Klingt anstrengend, aber etwas anderes kann ich mir gar nicht vorstellen."



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Der_Franke 14.10.2013
1. Die Freiberuflerin macht grundlegend was falsch
"Je nach Auftragslage zwischen 1000 und 3000€". Ich gehe jetzt davon aus, daß es sich um den Monatsverdienst handelt. Bei diesen Werten ergibt sich ein Jahresdurchschnittseinkommen von 24.000 Euro Brutto, wobei Sozialversicherungskosten komplett selbst zu tragen sind. Das verfügbare Gehalt bewegt sich dann faktisch auf Hartz IV Niveau. Unglaublich, wie manche sich selbst ausbeuten und das nicht mal erkennen.
mm71 14.10.2013
2.
Zitat von Der_Franke"Je nach Auftragslage zwischen 1000 und 3000€". Ich gehe jetzt davon aus, daß es sich um den Monatsverdienst handelt. Bei diesen Werten ergibt sich ein Jahresdurchschnittseinkommen von 24.000 Euro Brutto, wobei Sozialversicherungskosten komplett selbst zu tragen sind. Das verfügbare Gehalt bewegt sich dann faktisch auf Hartz IV Niveau. Unglaublich, wie manche sich selbst ausbeuten und das nicht mal erkennen.
Steht ja leider nicht dabei, kommt mir auch sehr wenig vor. 800-1000€ ist ein üblicher Tagessatz für einen IT-Freelancer. Wohlgemerkt Tagessatz. Gut, man ist als Freelancer nicht im Durchschnitt 100% ausgelastet. Aber ein Designauftrag wird ja auch nicht im Schnitt 1 bis 3 Tage dauern, oder doch?
Designer aus Berlin 14.10.2013
3. Dumpingpreise
Leider arbeiten viele Kreative für zu wenig Geld und machen sich selbst und vor allem auch anderen die Zukunft damit kaputt. Absprachen und Verbindlichkeiten, wie z.B. im Film bei den Beleuchtern gibt es leider nicht. 250,- für einen Juniordesigner am Tag sollte das Minimum sein.
cosy-ch 14.10.2013
4. Wahlspruch
liebe Frau Hertlein, Herr Klein. Sie verwenden in Ihr Titel den Wahlspruch der Willensnation Schweiz. Wollen Sie damit andeuten, dass Sie als Deutsche zu Föderalismus-Werten (zurück-) finden, oder gar dass die Erträge Ihrer Zunft in Euroresistente Schweizer Immobilienwerte gestecktceerden ? Der Wahlspruch begleitet uns seit 1849 (Wie auch den CHF), das dürfte reichen, dass von Ihnen dessen Verwendung als Zitat gekennzeichnet werden muss. Sonst kommen womõglich über Nacht die bõsen Plagiatsjäger dahergeritten..
Ferris 14.10.2013
5. Auftrag
Ich denke, dass die Freiberuflerin eher Honorar EINES Auftrags meinte. Ansonsten wäre es bei dem GF/Vorstand auch nennbar... 80.000 bis 150.000 Euro (oder darüber hinaus).
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