Jobprotokoll eines Personenschützers "Richtige Promis wollen keine Gorillas als Bodyguards"

Dicke Oberarme und ein böser Blick reichen nicht. Hier berichtet ein Personenschützer, warum es beim Schutz von Schauspielern und Fußballstars auf ganz andere Qualitäten ankommt.

Am liebsten werde er in der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen, sagt der Personenschützer
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Am liebsten werde er in der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen, sagt der Personenschützer

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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist in vielen Berufen jede Menge Platz. In der Serie "Das anonyme Job-Protokoll" erzählen Menschen ganz subjektiv, was ihren Job prägt - ob Tierärztin, Staatsanwalt oder Betreuer im Jobcenter.

"Das muskulöse Kreuz Tag und Nacht in einen schwarzen Anzug gepresst, die Sonnenbrille im Gesicht, ein Funkgerät am Ohr und mit einem möglichst regungslosen Gesichtsausdruck direkt hinter den Stars - zum Glück entspricht das nicht meinem Alltag als Personenschützer.

Denn nur die wenigsten unserer Aufträge finden auf dem roten Teppich statt. Und das ist auch gut so. Als Bodyguard will ich von der Öffentlichkeit eigentlich so wenig wie möglich wahrgenommen werden. Meist ist das auch im Sinne der Kunden. Die wollen einen schönen Abend haben und nicht ständig daran erinnert werden, dass sie Sicherheitsleute brauchen.

Ich bin jetzt seit knapp 30 Jahren Personenschützer und leite einen Sicherheitsdienst in München. Wir beschützen Fußballspieler des FC Bayern, Fernsehmoderatoren oder Schauspieler. Leute also, die schon von Berufs wegen viel in der Öffentlichkeit stehen und sich mit ihren Aussagen nicht nur Freunde machen. Einmal haben wir beispielsweise Orlando Bloom und Milla Jovovich bei den Dreharbeiten für 'Die drei Musketiere' geschützt.

Es geht um die gefühlte Bedrohung

So hoch wie jetzt war die Nachfrage nach Sicherheitsdienstleistungen noch nie. Große Konzerne haben mittlerweile ihre eigenen Sicherheitsabteilungen. Ich glaube, das hängt auch mit dem Internet zusammen.

Ich werde immer häufiger von Leuten angefragt, die sich unsicher fühlen, weil ihnen irgendwelche Leute über die sozialen Medien drohen. Oder weil sie gestalkt werden. Die posten ein Foto von sich bei einem Theaterbesuch und eine halbe Stunde später stehen die Stalker dann vor dem Eingang. Meistens werden solche Leute unseren Klienten nicht gefährlich - aber es geht ja um eine gefühlte Bedrohung. Den Prominenten hilft es meistens schon, wenn wir sie beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit begleiten oder ihre Kinder zur Schule bringen.

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Das anonyme Job-Protokoll: So sieht der Alltag wirklich aus

Meine Erfahrung ist: Richtige Promis wollen keine Gorillas als Bodyguards. Die wollen vor allem ihre Ruhe und so wenig auffallen wie möglich. Andere wollen sich aber durch uns Schützer profilieren, weil das zu ihrem Image beiträgt. Rapper oder Kampfsportler zum Beispiel. Solche Aufträge lehnen wir meistens ab - mit Personenschutz hat das nämlich nichts mehr zu tun.

In den vergangenen Jahren haben auch immer mehr Frauen als Personenschützer angefangen - zum Teil sehr erfolgreich. Insbesondere wenn es um den Schutz von Kindern geht, sind Frauen sehr gefragt. Die haben es manchmal leichter, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Für Kinder ist so eine Situation ja völlig ungewohnt.

Dass bei meiner Arbeit etwas passiert, ist zum Glück sehr selten. Körperliche Fitness ist wichtig. Wenn bei einer Autogrammstunde ein Fan über eine Absperrung springt, sollte man dazwischengehen können. Aber eine Vergangenheit als Bodybuilder braucht man nicht. Ich trage auf manchen Einstätzen eine Schusswaffe und habe dafür eine spezielle Schulung gemacht. Eingesetzt habe ich sie noch nie. Ich weiß auch nicht, ob eine Waffe überhaupt hilfreich sein kann. Denn wenn es soweit kommt, dass ich schießen muss, habe ich als Personenschützer bereits versagt.

Wichtiger ist, dass man sich gut vorbereitet. Bei öffentlichen Veranstaltungen heißt das etwa: Vorab recherchieren, wo für den Notfall mögliche Fluchtwege sind. Oder ob es Ecken oder Eingänge gibt, die man nicht einsehen kann. Wir stehen immer auch mit der Polizei in engem Kontakt. Bei akuten Gefährdungen sind das die einzigen, die wirklich helfen können.

Auch mit den Geschützten müssen wir uns genau absprechen: Wie nah dürfen die Fans herankommen? Sind Selfies erlaubt? Für eine stinknormale zweistündige Autogrammstunde in einem Kaufhaus können so durchaus zwei Tage Arbeit im Voraus zustande kommen.

Oft ein langweiliger Job

Am gefährlichsten wird es für uns, wenn unsere Klienten völlig überraschend Alleingänge starten. Dann muss man schnell reagieren können und auch Prominente manchmal zurückpfeifen.

Dafür braucht man Erfahrung. Und die sammelt man meist nach einer dreijährigen Ausbildung zur 'Fachkraft Schutz und Sicherheit': An Empfangstresen sitzen, an den Türen von Kaufhäusern stehen, Einlasskontrollen machen. Das klingt total langweilig - ehrlich gesagt ist unser Job das oft auch. Aber da lernt man, wie man ein Gebäude im Notfall schnellstmöglich evakuiert und wie man in einer großen Menschenmenge Störer früh erkennt. Wenn man dann noch Einfühlungsvermögen hat, kann man auch Personenschützer werden.

Manche Klienten betreue ich schon jahrelang. Da sind zum Teil richtige Freundschaften geworden, wo man auch mal privat etwas gemeinsam macht. Als Personenschützer muss ich sowieso alles über meine Klienten wissen, auch ganz Privates. Es ist ja so: Wenn die sich abends noch auf eigene Faust ins Auto setzen und zu einer Affäre fahren, kann ich mir die Arbeit auch sparen. Dazu gehört auf der anderen Seite, dass ich mich zu absoluter Geheimhaltung verpflichte. Kollegen, die mit Klatschblättern über die Allüren der Stars reden, kann ich nicht ernst nehmen. Das ist Teil der Abmachung: Die stehen in der Öffentlichkeit und ich passe auf, dass ihnen nichts passiert."

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
dangerman 29.04.2019
1. Selber schuld
"Ich werde immer häufiger von Leuten angefragt, die sich unsicher fühlen, weil ihnen irgendwelche Leute über die sozialen Medien drohen. Oder weil sie gestalkt werden. Die posten ein Foto von sich bei einem Theaterbesuch und eine halbe Stunde später stehen die Stalker dann vor dem Eingang." Seine privaten Termine in Echtzeit online stellen und sich dann wundern ..... Im Promi ABC vermutlich eher weiter hinten angesiedelt.
virginia 29.04.2019
2. das ist so ein artikel
der nun rein gar nichts aussagt. was hat der mann vorher gemacht. wie ist er leibwaechter geworden, was verdient er, wieviele kollegen_innen arbeiten in seinem unternehmen.............fragt man als journalist_in sowas nicht nach? lernt man doch auf der nannenschule, oder der dt. journalistenschule in muenchen....
p-touch 29.04.2019
3. Darun geht
Zitat von virginiader nun rein gar nichts aussagt. was hat der mann vorher gemacht. wie ist er leibwaechter geworden, was verdient er, wieviele kollegen_innen arbeiten in seinem unternehmen.............fragt man als journalist_in sowas nicht nach? lernt man doch auf der nannenschule, oder der dt. journalistenschule in muenchen....
es in diesem Artikel überhaupt nicht. die Fragestellung lautet wie sieht der Alltag eines Leibwächters aus und nicht wie werde ich zum LW.
Mach999 29.04.2019
4.
Zitat von dangerman"Ich werde immer häufiger von Leuten angefragt, die sich unsicher fühlen, weil ihnen irgendwelche Leute über die sozialen Medien drohen. Oder weil sie gestalkt werden. Die posten ein Foto von sich bei einem Theaterbesuch und eine halbe Stunde später stehen die Stalker dann vor dem Eingang." Seine privaten Termine in Echtzeit online stellen und sich dann wundern ..... Im Promi ABC vermutlich eher weiter hinten angesiedelt.
Die Nutzung von Twitter und Instagram gehört heute zum Jobprofil eines Promis. Dazu gehört auch, dass er schreibt, wenn er auf einer Veranstaltung X in Stadt Y ist. Erstens ist das Werbung für die Veranstaltung und zweitens für den Promi selbst, denn wenn ein Promi nicht an seinem Außenbild arbeitet, ist er möglicherweise bald kein Promi mehr. Das gilt sowohl für die Entertainment-Branche, als auch für die Politik. Beide leben von der Öffentlichkeit, und deswegen muss die Öffentlichkeit auch bedient werden. Das mögen Sie doof finden, aber so funktioniert Öffentlichkeitsarbeit heute nunmal. Das gibt anderen Leuten nicht das Recht, einen Menschen zu bedrohen.
stelzerdd 30.04.2019
5. Berufsrisiko
Zitat von dangerman"Ich werde immer häufiger von Leuten angefragt, die sich unsicher fühlen, weil ihnen irgendwelche Leute über die sozialen Medien drohen. Oder weil sie gestalkt werden. Die posten ein Foto von sich bei einem Theaterbesuch und eine halbe Stunde später stehen die Stalker dann vor dem Eingang." Seine privaten Termine in Echtzeit online stellen und sich dann wundern ..... Im Promi ABC vermutlich eher weiter hinten angesiedelt.
Wer meint, so wichtig zu sein, daß er aller Welt andauernd mitteilen müsse, wo er gerade ist und was er da Tolles macht - der muß sich nicht wundern, wenn Leute, die auf andere Weise krank sind, dort erscheinen. Und dann braucht's halt Bodygards. Was die Wichtigkeit wiederum enorm steigert. Eigentlich doch der erwünschte Effekt. Oder?
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