Junge Erwachsene Am finanziellen Tropf der Eltern

Jugendliche haben gute Jobaussichten - aber langfristige Festanstellungen sind Glückssache. Darauf weist ein Bericht für die Regierung hin: Immer länger leben junge Menschen in Unsicherheit.

Pharmazie-Praktikanten (Archivbild)
DPA

Pharmazie-Praktikanten (Archivbild)


Wie geht es jungen Menschen in Deutschland, wie steht es um ihre Zukunftsaussichten? Darüber gibt der 15. Kinder- und Jugendbericht des Deutschen Jugendinstituts Aufschluss. Und kommt bei den Perspektiven zu einem beunruhigenden Schluss: Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland müssen mit immer längeren Phasen finanzieller Unsicherheit klarkommen. Betrachtet wurde die Lage von 12- bis 27-Jährigen.

Zwar ist die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland relativ gering: "Im europäischen Vergleich bestehen für junge Menschen auf dem hiesigen Arbeitsmarkt sehr gute Bedingungen", heißt es in dem Bericht. Aber das hat auch damit zu tun, dass die Vergleichszahlen vieler europäischer Länder seit der Finanzkrise sehr hoch sind.

Immer häufiger, auch das hält der Bericht fest, sind deutsche Jugendliche prekär beschäftigt: mit Befristung, in Teilzeit, als feste Freie oder in Praktika. Mit solchen Jobs lässt sich nicht langfristig planen.

"Häufiger befristet und mit geringem Lohn"

Mit dem Ergebnis, dass der Übergang in die finanzielle Selbstständigkeit sich für viele Menschen zeitlich immer weiter ausdehne. Häufig reiche er "teilweise bis weit in das Erwachsenenalter hinein", so die Autoren des Jugendinstituts: Jugendliche und junge Erwachsene seien "häufiger befristet und mit niedriger Entlohnung beschäftigt".

Der Report hat das Ziel, auf mehr als 500 Seiten ein aktuelles, realistisches Bild der Lebenslagen und des Alltags junger Menschen zu zeichnen. Dazu wird eine Vielzahl anderer Untersuchungen ausgewertet. Erstmals sind auch Sichtweisen junger Menschen unmittelbar in den Bericht eingeflossen.

Rund fünf Prozent der Erwachsenen zwischen 20 und 25 Jahren sind demnach "weder in Bildungs- oder Ausbildungsverhältnissen noch erwerbstätig", heißt es in dem Bericht. "Dabei zeigt sich, dass junge Frauen sowie junge Menschen mit Migrationshintergrund häufiger davon betroffen sind."

Armut unter Jugendlichen

Der Vorsitzende der zwölfköpfigen Sachverständigenkommission, Thomas Rauschenbach vom Deutschen Jugendinstitut, verwies auf Studien, wonach rund ein Fünftel der 14- bis 19-Jährigen und etwa ein Viertel der 20- bis 24-Jährigen von Armut betroffen sind.

Rauschenbach sieht die Verantwortung hier vor allem bei Gesellschaft und Politik. Es gebe "einen gesellschaftlichen Rahmen, innerhalb dessen Jugendliche aufwachsen. Den sollten wir genauer betrachten und möglicherweise auch verändern. Das ist eine Aufgabe für die Politik, für die Kinder- und Jugendhilfe, für Bildungseinrichtungen und viele andere Akteure."

mamk/dpa



insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
hakim 02.02.2017
1. Ja, kein Arbeitgebet legt sich mehr fest
Mit Bestabi, Hochschulaschluss, 15 Jahren Berufserfahrung mit jetzt 40 immer noch befristete Stelle. Alles ist völlig gesetzeskonform. Bald bin ich alt oder krank oder beides. Die Kinder konnte ich von dem Konzept"Leistung lohnt sich" nicht überzeugen. Mit Fakes kommt man weit, mit schöner Fassade, übertrieben dargestellten Kompetenzen , großer Klappe aber nicht mit wasserdichter Kompetenz.
unzensierbar 02.02.2017
2.
Wieso Aufgabe der Gesellschaft? Es sollte doch viel mehr Aufgabe der Wirtschaft sein. Höhere Löhne und Festanstellungen. Die Politik könnte da mal mit dem Mindestlohn für Azubis sorgen. Selbe Arbeitszeit und oft auch Leistung für Hungerlöhne.
sammilch 02.02.2017
3.
Zitat von unzensierbarWieso Aufgabe der Gesellschaft? Es sollte doch viel mehr Aufgabe der Wirtschaft sein. Höhere Löhne und Festanstellungen. Die Politik könnte da mal mit dem Mindestlohn für Azubis sorgen. Selbe Arbeitszeit und oft auch Leistung für Hungerlöhne.
Ich vermute mal, damit ist auch gemeint, dass die Leute aufhören mit so einem Schmarrn wie "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" (also dass sich der Lehrling alles gefallen lassen muss) oder, dass man als Berufsanfänger eben wenig verdient und das es normal ist befristet eingestellt zu werden - dieses Einreden auf junge Leute bewirkt, dass die das glauben und es hinnehmen. Auch sollten Streiks wieder positiver aufgefasst werden. Es ist ein Kampf für die Mitarbeiter.
Plasmabruzzler 02.02.2017
4. Arbeit soll dem Menschen nutzen, nicht umgekehrt
Da sieht man wieder einmal, dass der Fachkräftemangel nicht existent ist und das Turbo-Abi zusammen mit der Bologna-Reform einzig dazu diente, möglichst schnell Humankapital zu erzeugen und den Firmen zu Wohlstand zu verhelfen. Zum Glück hat die heutige Elterngeneration auch die finanziellen Mittel, um ihren Sprössling (oder mehrere) monetär zu unterstützen, bis sie/er mitten im Leben steht und eine Festanstellung hat und damit längerfristig planen kann - auch was Familie und eigenen Nachwuchs anbelangt. Die nächste Generation wird diesen Luxus wohl nicht mehr haben; auch was die evtl. finanzielle Unterstützung durch die Großeltern anbelangt, wenn das Rentenniveau weiter sinkt.
Crom 02.02.2017
5.
Zitat von hakimMit Bestabi, Hochschulaschluss, 15 Jahren Berufserfahrung mit jetzt 40 immer noch befristete Stelle. Alles ist völlig gesetzeskonform. Bald bin ich alt oder krank oder beides. Die Kinder konnte ich von dem Konzept"Leistung lohnt sich" nicht überzeugen. Mit Fakes kommt man weit, mit schöner Fassade, übertrieben dargestellten Kompetenzen , großer Klappe aber nicht mit wasserdichter Kompetenz.
Wen interessiert denn bitte bei einem 40jährigen noch das Abi (egal ob "Best" oder nicht). Eigentlich ist da der Hochschulabschluss auch schon mit mehr aussagekräftig sondern nur was man in den 15 Jahre, die Sie angeben, eben geleistet hat.
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