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14. Mai 2018, 13:59 Uhr

Aktuelle Studie

Sozialarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe sind überlastet

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Fast 13.400 Sozialarbeiter gibt es an deutschen Jugendämtern. Sie haben zu viele Fälle, zu wenig Zeit und sind nur mangelhaft ausgestattet - das zeigt eine neue Studie.

Wer in der Jugendhilfe arbeiten möchte, braucht Leidensfähigkeit - und das nicht nur bei den Fällen von Kindeswohlgefährdung. Auch im Hinblick auf die eigenen Arbeitsbedingungen müssen die Mitarbeiter in Jugendämtern einiges einstecken können. Das zeigt eine neue Studie, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde.

Im Auftrag der Deutschen Kinderhilfe haben drei Wissenschaftlerinnen der Hochschule Koblenz die Arbeitsbedingungen von Fachkräften des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) in Jugendämtern in ganz Deutschland untersucht. Sie stießen dabei auf so viele Mängel, dass sie zu einem fast schon fatalistischen Schluss kommen: "Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die derzeitigen strukturellen Rahmenbedingungen im System der Kinder- und Jugendhilfe eine professionelle sozialpädagogische Arbeit behindern."

Die wichtigsten Ergebnisse:

Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, warnt vor einer strukturellen Überlastung der amtlichen Kinder- und Jugendhilfe. Die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter sei zu hoch, auch fehle es in den Behörden oft an geeigneten Räumlichkeiten etwa für vertrauliche Gespräche, sagte Becker. Finanzielle Engpässe dürften nicht dazu führen, dass Kinderschutz und Jugendhilfe auf Kosten von Spardiktaten vernachlässigt werden.

Andere Sozialarbeiter hatten außerdem über fehlende Diensthandys oder Fahrzeuge geklagt, sodass sie im Falle einer akuten Kindeswohlgefährdung nicht immer sofort reagieren können.

Reportage aus dem Jugendamt Braunschweig: Wenn der Enkel auf die Oma losgeht

Mit Material von AFP

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