Kanzleigründung Erste Hilfe für Junganwälte

Höhenflug oder Bruchlandung: Kanzleigründer kämpfen beim Start in die Selbständigkeit mit viel Gegenwind. Wer unterstützt sie, wer warnt vor Fallen im Anwaltsalltag? KarriereSPIEGEL gibt einen Überblick.

Wie kommt man ins Geschäft? Angehende Anwälte brauchen Beratung, wenn sie sich selbständig machen
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Wie kommt man ins Geschäft? Angehende Anwälte brauchen Beratung, wenn sie sich selbständig machen


Unterstützung, Informationen und Kontakte bekommen junge Juristen beim "Forum Junge Anwaltschaft" des Deutschen Anwaltvereins (DAV). In fast jedem Landgerichtsbezirk gibt es "Regionalbeauftragte", die den Forumsmitgliedern "mit Rat und Tat zur Seite" stehen. Zudem gibt es zweimal im Jahr das Existenzgründerforum "Start in den Anwaltsberuf", eine zweitägige Tagung für Junganwälte, Assessoren, Referendare und Studenten: praktisches Rüstzeug sowohl für alle, die eine Festanstellung suchen, als auch für jene, die sich selbständig machen wollen - oder müssen. In einem Crashkurs bekommen die Teilnehmer Anleitung in dem, was für den Berufseinstieg entscheidend ist, etwae Kanzleimanagement, Berufsrecht, Haftung, Marketing und Gründungsstrategien.

In der vierteljährlich erscheinenden Mitgliederzeitschrift "Advoice" finden Berufsanfänger viel Hintergründiges, darunter Erfahrungsberichte wie "Kanzleigründung - Auf internationaler Schiene zum Erfolg" oder "Zwischen Dojo und Gerichtssaal - Von den Lehren der fernöstlichen Kampfkünste zur anwaltlichen Verhandlung" sowie Praxistipps à la "Typische Fallen im Anwaltsalltag - und wie man sie umgehen kann".

Auch das halbjährlich auf Hochglanzpapier gedruckte "Anwaltsblatt Karriere", herausgegeben vom DAV selbst, bietet nützliche Informationen für Studenten, Referendare und Berufseinsteiger - von einem regelmäßigen, sparten-bezogenen "Gehälter- und Einstellungsreport" über zahlreiche Service-Berichte zu Bewerbung, Existenzgründung und Marketing bis hin zum Stellenmarkt für Praktika, Referendariats-Stationen und Festanstellung.

Die Mitgliedschaft im Forum Junge Anwaltschaft kostet 50 Euro im Jahr, darin ist auch das "Advoice"-Abo enthalten; ältere "Advoice"-Ausgaben gibt es auch gratis zum Download im Internet. Das Existenzgründerforum schlägt mit 50 Euro Tagungsgebühr zu Buche. Das "Anwaltsblatt Karriere" bekommt man ebenfalls kostenlos auf einer eigenen Internet-Seite oder als gedrucktes Exemplar für fünf Euro plus Versand.

Beratung, persönlich, per Telefon oder Mail

Ebenfalls beim DAV erhalten Junganwälte umfangreiche Ratgeber zur Kanzleigründung, darunter "Die Gründungsplanung" von Professor Christoph Hommerich zum Gratisdownload. Auch die Bundesrechtsanwaltskammer stellt Kanzleigründern in ihrer Initiative "Anwälte - Mit Recht im Markt" profunde Anleitungen zur Verfügung: Für den ersten Überblick gibt es im Internet einen " Fitmacher".

Umfangreiches Gründungswissen vermitteln vier detaillierte Leitfäden, die den Junganwalt Schritt für Schritt, am Beispiel der fiktiven Kanzlei "Bröner & Beilich", in die Selbständigkeit begleiten - von "Kanzleistrategie" über "PR & Werbung", "Mandantenbindung & Akquise" bis hin zu "Kanzleiführung & Qualitätssicherung". Erhältlich sind die Leitfäden gegen eine Schutzgebühr von je 6,50 Euro zuzüglich Versand. Vielfältige, meist aber eher knapp gehaltene Informationen zum kostenlosen Download wie Checklisten, Adressen und Leitfäden gibt es auch bei Soldan.de, unter "Beratung und Weiterbildung". Beim gleichnamigen Institut findet sich auch ein Businessplan mit Anleitung.

Zur besseren Vorbereitung auf die Anwaltstätigkeit kann man einen der einschlägigen Aufbaustudiengänge anbieten, die die Fernuniversität Hagen in Kooperation mit dem DAV anbietet, zum Beispiel den Masterstudiengang "Anwaltsrecht und Anwaltspraxis". Daneben gibt es das Programm "Einführung in den Anwaltsberuf" mit Grundlagentexten zu "Berufswahl / Praxisgründung / Kanzleiorganisation" und zum "Marketing für Rechtsanwälte", mit sehr anschaulich aufbereitetem Zahlenmaterial.

Persönliche Gründungsberatung bekommt man beim unter anderem beim Institut für Freie Berufe (IFB) in Nürnberg. Schon im Internet lassen sich wichtige Hilfestellungen finden, etwa eine Anleitung zum Erstellen eines Businessplans oder Informationen zum Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit. Die Beratung am Telefon oder per Mail ist kostenlos. Ausführliche Beratungstage in der Gruppe kosten pro Tag 35 Euro, in Bayern und Baden-Württemberg gibt es eine persönliche Beratungsstunde sogar umsonst.

Den fertigen Businessplan kann man von den Experten prüfen lassen, für eine Pauschale von 95 Euro - das gilt auch als "fachkundige Stellungnahme", wenn man beim Arbeitsamt einen Gründungszuschuss beantragen will. Obendrein bietet das IFB individuelle Coaching-Programme, die zwar einige Tausend Euro kosten können, aber vom Bund je nach Konstellation mit mindestens 50 Prozent, bei Arbeitslosen sogar mit 90 Prozent bezuschusst werden; für Gründer in Bayern gibt es ein zusätzliches Förderprogramm.

  • Dietmar Hipp ist SPIEGEL-Redakteur in Karlsruhe.

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