Köln Gericht entscheidet über die Dauer der Karnevalszeit

Wie lange dauert Karneval? Die Justiz in Deutschland beschäftigt sich auch mit solchen Fragen. Zumindest für Köln hat ein Gericht nun über die Dauer der bunten Zeit entschieden.

Eine Jeckin in Köln (Archiv)
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Eine Jeckin in Köln (Archiv)


Kamelle fangen, Alaaf rufen, Bützchen geben: Im Rheinland gehört all das zur Karnevalszeit - und jetzt ist amtlich, wie lange die dauert. Zumindest in Köln gehen die Jecken-Tage von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch. Das hat jetzt das Arbeitsgericht der Frohsinnsmetropole Köln festgestellt.

Nach Angaben des Gerichts geht die Entscheidung auf die Klage einer Kellnerin zurück (Az. 19 Ca 3743/18). Sie hatte am Freitag und am Samstag nach Weiberfastnacht gearbeitet. Die Feiernden in diesen Tagen mit Getränken zu versorgen, kann eine schweißtreibende Angelegenheit sein - deutlich anstrengender als an den meisten anderen Tagen des Jahres.

Arbeitgeber war anderer Ansicht

In ihrem Arbeitszeugnis wollte besagte Kellnerin nach Ende ihrer Beschäftigung explizit vermerkt haben, dass sie gerade in dieser Zeit gekellnert hatte. "In der Karnevalszeit", genau diese Worte sollten im Zeugnis stehen. Der Arbeitgeber der Kellnerin wollte das aber nicht - er vertrat die Ansicht, der Freitag und der Samstag gehörten nicht zur Karnevalszeit.

Dem widersprach nun das Gericht - und gab der Klägerin recht. Zwar sei die Karnevalszeit nicht genau definiert, befanden die Richter. Im Rheinland und insbesondere im Kölner Raum bestehe aber kein Zweifel an der Auslegung des Begriffs.

Während mit dem Wort "Karnevalstage" vielleicht nur Weiberfastnacht, Rosenmontag und Aschermittwoch gemeint sein könnten, beziehe sich "Karnevalszeit" eindeutig auf die gesamte Zeitspanne von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch.

Die Arbeitsbelastung in der Gastronomie sei in dieser Zeit besonders hoch, und deshalb könne eine Tätigkeit in dieser Periode auch im Zeugnis vermerkt werden. Das Interesse an einem solchen Vermerk sei berechtigt.

nil/AFP/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
patrick.ruediger 25.02.2019
1. Was für ein komischer Chef
Welcher Arbeitgeber verweigert denn einen solchen Hinweis im Arbeitszeugnis, wenn er nicht offensichtlich falsch ist? Selbst wenn die Beendigung des Arbeitsverhältnis streitig ablief, ist es normal nicht im Interesse des Arbeitgebers so "nachzutreten". Insbesondere da der Arbeitgeber das auch nicht zur Abschreckung anderer Arbeitnehmer verwenden kann/darf (wenn er seinen anderen Mitarbeitern den Inhalt des Arbeitszeugnis mitteilt hat er schnell ein schwerwiegendes Problem hinsichtlich Datenschutzvorgaben). So hat er also höchstens jemanden gewonnen, der sich mit einem entsprechend liebenswürdigen Eintrag auf Kununu und co revangiert.
der_dr_Nickel 25.02.2019
2. Krass...
...was so alles vor Gericht landet. Vor allem völlig sinnlos (zumindest beim Arbeitsgericht) in Bezug auf Zeugnisse. Wenn jemand bescheinigt haben möchte, dass er/sie/es auch Mittwochs seine Schuhe korrekt binden konnte wird das gemacht. Lohnt doch den Aufwand nicht was Gegenteiliges reinzuschreiben. Außerdem innerhalb der Probezeit gibts ne telefonische Anfrage beim Vorabeitgeber und gut ist (also dann, wenn man/frau merkt, dass es noch nicht einmal am Mittwoch klappt). Und ja, auch in Zeiten der DSGVO;-))
Referendumm 25.02.2019
3.
Zitat von patrick.ruedigerWelcher Arbeitgeber verweigert denn einen solchen Hinweis im Arbeitszeugnis, wenn er nicht offensichtlich falsch ist? Selbst wenn die Beendigung des Arbeitsverhältnis streitig ablief, ist es normal nicht im Interesse des Arbeitgebers so "nachzutreten". Insbesondere da der Arbeitgeber das auch nicht zur Abschreckung anderer Arbeitnehmer verwenden kann/darf (wenn er seinen anderen Mitarbeitern den Inhalt des Arbeitszeugnis mitteilt hat er schnell ein schwerwiegendes Problem hinsichtlich Datenschutzvorgaben). So hat er also höchstens jemanden gewonnen, der sich mit einem entsprechend liebenswürdigen Eintrag auf Kununu und co revangiert.
Es gibt auch im Rheinland völlig spaßbefreite Zeitgenossen, die zum Lachen wohl in den Keller gehen, falls die überhaupt noch Lachen können. Und solche Typen sind leider (auch zur Karnevalszeit) in der Gastronomie tätig.
otto_lustig 25.02.2019
4. Ich muss nicht in den Keller gehen,
um über so etwas zu lachen, nämlich den Blödsinn Karneval. Fakt ist doch, dass sich nur wenige für die wirkliche Bedeutung des Wortes Karneval und das Fasten interessiert, sondern eher für das Besäufnis. Den einzigen positiven Aspekt sehe ich in gut gemachten Wagen, wobei die Betonung auf gut liegt. Das sind auch nicht mehr so viele.
dirkcologne 25.02.2019
5. @otto_lustig
Scheinbar kennen Sie sich aber auch nicht aus,denn mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Der Karneval ist nur dafür da vorher nochmal die "Sau"rauszulassen. Im übrigen ist der Alkohol nur Mittel zu Zweck,dann wenn die Verkleidung nicht reicht um den Mann zu stehen
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