Karriere im Mittelstand Per Express in die Chefetage

Von Michael Gatermann

2. Teil: Frühe Verantwortung - "wir waren gerade mal 50 Leute, da musste ich alles machen"


"Wir suchen Typen, die mutig sind und sich etwas trauen", beschreibt Wika-Personalchef Peter Ballweg das Suchraster, "Einsteiger stehen bei uns sehr schnell im Blickpunkt und müssen frühzeitig Projekte vor dem Inhaber präsentieren." Mit Blick auf die aufziehende demografische Krise hat sich Ballweg einiges vorgenommen: "Wir müssen noch mehr in unser Personalmarketing investieren und unsere Arbeitgebermarke draußen positionieren."

Im Wettbewerb mit den Konzernen hält er sein Unternehmen für gut gerüstet: "Wir bieten den Mitarbeitern das befriedigende Gefühl, dass ihre Ideen aufgegriffen und umgesetzt werden." Was die Karriereaussichten angeht, sieht er Wika auf Augenhöhe: "Wir bieten ebenso international ausgerichtete Laufbahnen wie die Großunternehmen", verspricht Ballweg, "und natürlich gibt es auch persönliche Entwicklungspläne sowie Mentoren aus der Führungsebene für den Managementnachwuchs."

Die internationale Perspektive hat Sandra Ferreira Antunes besonders gereizt. Die 30-Jährige hat schon während der Schulzeit ein Praktikum in der Vertriebsabteilung "Overseas" von Wika gemacht: "Da hatte ich mit Ländern zu tun, von denen ich nicht mal wusste, wo die lagen." Nach dem Abitur absolvierte sie ein Studium bei Wika und an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach, Fachrichtung International Business und Marketing. Nach dem Bachelor ging's gleich hinaus, als Assistentin der Wika-Geschäftsleitung in Wien. "Wir waren gerade mal 50 Leute, da musste ich alles machen", sagt Antunes.

"Wer hier Initiative zeigt, kommt weit"

Im nächsten Job optimierte sie als In-House-Consultant Vertriebsprozesse in den Niederlassungen in Brasilien, Südafrika, China, Argentinien und in fast ganz Europa. Seit 2010 leitet sie ein Team von sieben Mitarbeitern in der Zentrale in Klingenberg und verantwortet dort den Vertriebssupport der elektrischen Temperaturmesstechnik. Erste Erfahrung: "Führung macht Spaß, obwohl es nicht so einfach ist, wie es oft aussieht." Und: "Die Herausforderungen wachsen stetig."

An ihrer Entscheidung für den Mittelständler hat sie keinen Zweifel: "Hier kann ich entweder selbst entscheiden oder bekomme eine sehr schnelle Entscheidung." Von ihren Karrierechancen ist Sandra Ferreira Antunes überzeugt: "Wer hier Initiative zeigt, kommt weit - so viel wird einem nicht oft geboten."

Marie-Luise Pörtner hat schon Karriere gemacht. Bei Juwi, einem stürmisch wachsenden Unternehmen, das Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energie plant, finanziert, baut und betreibt, verantwortet die 44-Jährige seit Ende 2008 als Geschäftsführerin den Wind-Sektor. Bevor Pörtner 2007 zu dem Unternehmen in der rheinland-pfälzischen Provinz wechselte, hatte sie sechs Jahre lang als Projektmanagerin und Teamleiterin in einem Großkonzern gearbeitet. "Dort hatten wir uns während der letzten Jahre nur noch mit uns selbst beschäftigt und über den Umstrukturierungen völlig den Bezug zum Markt und zum Kunden verloren", erinnert sie sich, "ich wollte nur noch weg."

Weg von den Hierachien

Nach einer Initiativbewerbung startete Marie-Luise Pörtner Anfang 2007 als Einkaufsleiterin Windenergieanlagen: "Nach einer Woche verabschiedete sich mein Chef in ein Sabbatical, und ich musste allein den Einkauf für ein Großprojekt in Costa Rica verhandeln" - Verantwortung gibt's schnell im Mittelstand. Pörtner findet das gut: "Ich wollte ja weg von den Hierarchien, hin zu mehr Entscheidungsspielraum."

Branchenerfahrung und Spezialwissen stehen im Juwi-Anforderungsprofil nicht an erster Stelle. "Ich hatte gehofft: Wenn ich wachen Auges durch den Betrieb gehe, sehe ich, was man verbessern kann - und das hat sich bewahrheitet", sagt Pörtner, "deshalb habe ich als Allrounderin hier bessere Chancen als in einem Konzern, wo Spezialistentum zählt." Sie glaubt, dass der Mittelstand generell ein besseres Karriereumfeld für Frauen bietet als Großunternehmen: "Hier kommt das Multidimensionale, das man Frauen nachsagt, besser zur Geltung."

insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jan2118 05.01.2012
1.
Zitat von sysopDas Gros der jungen Akademiker zieht es zu Großunternehmen. Muss es denn unbedingt ein Konzern sein? Wer rasant Karriere machen will, ist oft im Mittelstand besser aufgehoben. Dort wird schnell entschieden. Und rasant befördert. Ab durch die Mitte - auch die Provinz hat ihren Charme. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,806773,00.html
Auch ich bin von einigen Jahren in die Großindustrie gegangen. War eine gute Erfahrung. Aber irgendwann hab ich es nicht mehr ausgehalten und bin in den großen Mittelstand gewechselt. Aufgabengebiet ist größer, Job ist vielseitiger und Chancen auf einen aufstieg sind tatsächlich größer! Ich bereue es auf keinen Fall, auch wenn die Sozialleistungen in der Großindustrie besser sind!
marypastor 07.01.2012
2. Per Express stimmt nicht ganz.
Zitat von sysopDas Gros der jungen Akademiker zieht es zu Großunternehmen. Muss es denn unbedingt ein Konzern sein? Wer rasant Karriere machen will, ist oft im Mittelstand besser aufgehoben. Dort wird schnell entschieden. Und rasant befördert. Ab durch die Mitte - auch die Provinz hat ihren Charme. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,806773,00.html
Wer gut ist, kommt sowohl im Mittelstand als auch im Konzern schnell weiter. Konzern koennte evtl. noch besser sein. denn im Mittelstand haben wir meistens Famlienunternehmen, und da werden oft sehr seltsame Eintschedungen bezueglich der Unterbringung von Familienmitgliedern in Top-Jobs getroffen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.