Management trifft Mensch Was man bei der Karriereplanung von der CDU lernen kann

Der richtige Zeitpunkt, dem Ehrgeiz im Job freien Lauf zu lassen, ist knifflig. Auch Armin Laschet, Jens Spahn und Friedrich Merz haben ihn bisher nicht gefunden. Die Karrierestrategien der Unionspolitiker sind dennoch interessant.

Timing und Sichtbarkeit - darauf kommt es an, wenn man Aufstiegsambitionen hat. Das gilt in der Wirtschaft genauso wie in der Politik.
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Timing und Sichtbarkeit - darauf kommt es an, wenn man Aufstiegsambitionen hat. Das gilt in der Wirtschaft genauso wie in der Politik.

Eine Karriere-Kolumne von


Der Blick auf die CDU ist in diesen Wochen nicht nur für Politologen und Connaisseure gepflegter Seifenopern spannend. Sondern auch für alle, die vorhaben, beruflich weiter aufzusteigen - aber nicht so recht wissen, wie (und vor allem: wann) sie das anstellen sollen.

Nachdem sich Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) bei der Wahl zur CDU-Vorsitzenden durchgesetzt hatte, schien klar, dass sie auch Kanzlerin werden würde, einen Wahlsieg der CDU vorausgesetzt. Eigentlich. Denn inzwischen ist die Situation wieder völlig offen - und ihre unterlegenen Widersacher Friedrich Merz und Jens Spahn dürfen von einem Rückspiel träumen. Nicht zu vergessen Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Dauerrivale im Hintergrund.

Das Problem, vor dem Laschet, Merz und Spahn stehen, ist ein klassisches Karriere-Problem: Wie treibe ich meinen eigenen Aufstieg voran, ohne dabei als finsterer Ehrgeizling dazustehen? Und: Wann ist der richtige Zeitpunkt, meine Ambitionen anzumelden? Wann muss ich aus der Deckung kommen?

Die wichtigste Regel haben die Drei bereits schulbuchmäßig befolgt: sichtbar werden. Das heißt: die Begrenzungen der eigenen Tätigkeit sprengen. Wenn jemand seinen Job als Sachbearbeiter super macht - welchen Grund sollte es geben, ihn zum Abteilungsleiter zu machen? Wer aufsteigen will, muss mehr machen als einen guten Job. Zum Beispiel schon in der Fachaufgabe wie eine Führungskraft denken und handeln: Neue Projekte anstoßen und dafür die Verantwortung übernehmen, Routinetätigkeiten delegieren, für das Team eintreten.

Laschet, Merz und Spahn machen das seit Jahren - sie sprechen nicht nur zu ihren eigenen Themen, sondern nehmen eine übergeordnete gedankliche Position ein: die Chef-Perspektive. Und zeigen damit: Sie haben den Blick fürs große Ganze.

Der zweite entscheidende Punkt ist das Timing. Dass sich seine Bedeutung gar nicht hoch genug einschätzen lässt, demonstriert dieser Tage eindrucksvoll das fröhlich-hinterlistige Jungs-Trio aus der Union: Ja, AKK hat viele Fehler gemacht. Ja, große Teile der Partei wollen sie loswerden. Aber: Hat sie bereits genug Fehler gemacht, um den Angriff zu wagen? Wollen genug Leute sie loswerden, oder bietet das Gegrummel über AKK noch nicht ausreichend Schub für ihre möglichen Gegner?

Glücklicherweise ist die Timing-Frage für Menschen, die nicht Kanzlerkandidat werden, sondern einfach eine höhere Gehaltsklasse und einen besser motorisierten Dienstwagen wollen, deutlich einfacher zu lösen. Sinnvoll ist ein Moment, in dem Sie gerade glänzend dastehen: ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt, ein neu gewonnener Großkunde, solche Dinge.

Ebenso sinnvoll ist es, das persönliche Zeitempfinden des Menschen im Blick zu haben, der über Ihre Beförderung entscheidet: Ist er vor dem achten Espresso schlicht unerträglich? Oder macht er gern früh Feierabend und hasst nichts mehr als langwierige Personalgespräche am späten Nachmittag?

Preisabfragezeitpunkt:
19.06.2019, 16:49 Uhr
Ohne Gewähr

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Ist der richtige Zeitpunkt gefunden, braucht es nur noch eins: Fingerspitzengefühl. "Ich will Abteilungsleiter werden" - falsch! "Ich möchte heute darüber sprechen, wie wir meine Talente für das Unternehmen noch besser nutzen können" - richtig! Oberste Regel ist auch hier wieder: Chef-Perspektive. Reden Sie nicht davon, warum Sie Abteilungsleiter werden wollen. Niemand interessiert, dass die Studiengebühren Ihrer Kinder so hoch sind, dass sie mehr Geld brauchen oder dass sich die Leasing-Raten für den Q5 ja nicht von allein bezahlen.

Nein, reden Sie davon, wie glänzend die Firma mit Ihnen als Abteilungsleiter dastehen würde. Welche Ideen Sie haben und was sie dem Unternehmen bringen würden. Die Beförderung, die Sie brauchen, um diese Ideen auch umsetzen zu können, ist dann nur noch Formsache.

Im Übrigen ist das ein Punkt, an dem es für die Unions-Jungs noch viel Potenzial gibt. Warum das Land mit Laschet/ Merz/Spahn besser dran wäre, hat sich bislang erst Eingeweihten erschlossen. Das Trio auf der Kanzler-Reservebank ist zu sehr mit dem Timing beschäftigt, Inhalte müssen warten.

Aber Vorsicht, probieren Sie das nicht im Büro! Diese Einstellung kann man sich nur in der Politik leisten.



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
marcd92 20.06.2019
1. Satire?
Soll der Artikel Satire sein? Wenn nicht, absolut ekelhaft. Fordern Sie die Leute dazu auf, verantwortungsvoll ihre Arbeit gut zu machen und nicht, mit irgendwelchen Tricks den Hintern auf einem bequemeren Sessel zu betten. Davon gibt es genug schon Widerlinge in Politik und (Finanz-)Wirtschaft. Vor allem die besagten drei Herren.
marthaimschnee 20.06.2019
2. und noch eins
Als Experte hat man kaum Chancen auf eine Karriere. Wenn man nämlich irgendwas richtig gut kann, wird jeder Chef einen möglichst genau dort haben wollen. Insofern tritt hier mal wieder das Peter-Prinzip ein, es wird befördert, wer verzichtbar ist. Je verzichtbarer, desto weiter oben landet man. Natürlich muß man so tun, als könnte man was, sich also selber verkaufen. Das ist bei Experten die nicht gerade Experte in Selbstvermarktung sind, aber sowieso eher selten.
Traumfrau 20.06.2019
3. was soll diese Wahlwerbung?
was soll diese Wahlwerbung? Ein Merz hat also den "Blick fürs Ganze"? Echt? Woran hat sich das in den letzten Jahren gezeigt? Ich dachte, er hätte sich in den letzten Jahren komplett aus der Politik zurückgezogen und hätte nur noch Neokapitalistischen Ideen nachgehangen und zwar gerade nicht zum Wohle der ganze Gesellschaft. Da scheint mir die Sicht des Autors doch ziemlich einseitig. Schon peinlich, oder?
ramuz 20.06.2019
4. Jaaa....
"Warum das Land mit Laschet/ Merz/Spahn besser dran wäre, hat sich bislang erst Eingeweihten erschlossen. " So ist es, es sind drei exakt eingeweiht: Laschet glaubt zu wissen, warum mit Spahn. Spahn weiss absolut sicher, warum mit Merz. Merz weiss .. naja, vielleicht sind es doch nur 2 .
Anandamid 20.06.2019
5. Keiner der Kandidaten ist geeignet
Ein Trauerspiel ;-)
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