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Strategien gegen die Unsicherheit Neujahrsvorsätze – jetzt erst recht

Eines haben wir 2020 gelernt: dass nichts sicher ist. Warum also für 2021 planen? Weil uns erreichte Ziele glücklich machen. Eine schnelle Anleitung zum Tricksen.
Von Dorie Clark und Patricia Carl
Foto: Kan Taengnuanjan / EyeEm / Getty Images

Dieselbe Zeit vor einem Jahr – wie anders war sie. Junge Menschen freuten sich auf ein neues Jahr, in dem sie vielleicht ihren Abschluss machen würden. Freuten sich auf Abschlussbälle. Auf Feiern mit Familie und Freunden, Reisen, den Beginn einer Ausbildung, einen Umzug. Andere, die gerade ins Berufsleben eingetreten waren, planten vielleicht ihren nächsten Karriereschritt, strebten eine Beförderung an. Andere hatten Projekte geplant, sich auf Messen vorbereitet, Einkäufe getätigt. Was alle gemeinsam hatten: Sie konnten weder die durch die Pandemie entstandene Unsicherheit vorhersehen, noch konnten sie ahnen, dass diese auch in absehbarer Zukunft anhalten würde.

Jetzt ist wieder die Zeit, in der man nachdenkt, sich Ziele setzt für das kommende Jahr. Doch wie soll das gelingen in Anbetracht der Unsicherheit, die uns alle derzeit ergreift? Wie soll man energiegeladen und hoffnungsfroh in ein neues Jahr starten, wenn es mit einem Lockdown beginnt?

Eine der größten Herausforderungen dabei ist das Gefühl, dass das Leben auf Eis liegt. Doch sich jetzt gar nichts vorzunehmen für 2021 ist falsch: Sich Ziele zu setzen und die Zukunft zu planen ist ein wesentlicher Aspekt unseres Wohlbefindens. Beides kann helfen, das Gefühl der Hilflosigkeit und des Kontrollverlusts zu bekämpfen, das viele Menschen in der aktuellen Umgebung empfinden. Setzen Sie sich Ziele, machen Sie Vorsätze – aber passen Sie sie an die aktuelle Situation an. Klingt verrückt?

Hier sind vier Fragen, die Sie sich stellen können, um Ihre Ziele pandemiegerecht zu formulieren.

1) Was ist für mich in der nächsten Zeit wichtig? Langfristige Planung kann schon unter stabilen Umständen schwierig sein. Derzeit ist sie besonders herausfordernd, da die Tiefe des wirtschaftlichen Abschwungs und der Zeitpunkt der anschließenden Erholung noch unklar sind. Legen Sie Ihre langfristigen Ziele fest (»Ich möchte innerhalb der nächsten drei Jahre ein Team leiten«), aber gehen Sie davon aus, dass Sie diese verfeinern müssen, sobald die Zukunft klarer wird. Verbringen Sie mehr Zeit mit kurzfristigen Zielen (»Ich werde meine Sprachkenntnisse ausbauen, indem ich einen Onlinekurs besuche«). So haben Sie bei aller Unsicherheit einen Überblick darüber, was in den nächsten ein oder zwei Monaten realistisch ist. Und Sie sehen schneller Erfolge, sodass Sie bei Bedarf nachjustieren können.

2) Was kann ich kontrollieren? Kürzere, prozessorientierte Ziele wie »Ich werde diese Woche drei offene Stellen recherchieren« oder »Ich werde diese Woche vier neue Kontakte knüpfen« sind entscheidend, wenn die Dinge im Fluss sind, wenn Sie also die genauen Ergebnisse nicht bis ins Letzte kontrollieren können. Die Psychologie kennt das Konzept des »locus of control«: Ihre Überzeugung darüber, wie viel Einfluss Sie selbst auf Ihre Umstände ausüben. Erkennen Sie, welche Hebel Sie innerhalb Ihres Kontrollbereichs in Bewegung setzen können, um Ihre Ziele zu erreichen, und setzen Sie Ihre Energie und Ihren Einsatz für diese ein.

3) Welche Maßnahmen kann ich jetzt sofort ergreifen? Wenn alles überwältigend erscheint, müssen Sie einfach den nächstmöglichen Schritt tun. Fragen Sie sich selbst: Was ist die allererste Sache, die ich tun kann, um mich meinem Ziel näherzubringen? Vielleicht gibt es Fähigkeiten, die Sie in Ihrer jetzigen Position ausbauen können, Fortbildungen, die Ihnen weiterhelfen, vielleicht auch kleine finanzielle Schritte, die es anzustoßen gilt.

4) Wie werde ich zur Rechenschaft gezogen? Eine der effektivsten Methoden der Selbstmotivation ist, sich in Gemeinschaften und Gruppen zu unterstützen und für ein Gefühl der Verantwortlichkeit zu sorgen. Erzählen Sie nahen Freunden oder Kollegen von Ihren Plänen und bitten Sie sie, sich regelmäßig nach Ihrem Fortschritt zu erkundigen. Das wird Sie dazu zwingen, auch tatsächlich Fortschritte zu machen, sonst haben Sie ja nichts zu berichten. Vielleicht möchten Sie auch einen »Mentoren-Vorstand« gründen: Sie können zum Beispiel vertrauenswürdige Ratgeber und Mentoren um sich versammeln, die Sie zum Beispiel während einer Jobsuche immer wieder konsultieren. So erhalten Sie eine solide Anleitung und verstärken gleichzeitig das Gefühl der eigenen Verantwortung.

HBP 2020