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Karriere Wie schaffe ich es, den viel jüngeren Chef zu akzeptieren?

Ein Team arbeitet schon ewig zusammen, da kommt ein neuer Chef - und der ist viel jünger als alle anderen in der Firma. Das ist ungerecht, finden viele, die auch gern aufgestiegen wären. Ein Experte hilft.

Stress mit der Chefin, Hänseleien im Team, das anstehende Gehaltsgespräch: In jedem Arbeitsleben gibt es Situationen, die für schlaflose Nächte sorgen können. In der Serie "Sollte ich...?" erklären Experten, wie sich mit konkreten Konflikten im Beruf umgehen lässt. Die Fälle sind konstruiert; sie stehen symbolisch für Schwierigkeiten, die am Arbeitsplatz auftauchen können.

Der Fall:

Ich arbeite seit vielen Jahren in derselben Abteilung. Wir sind eine eingeschworene Truppe. Vor Kurzem haben wir einen neuen Chef bekommen. Der Neue kommt gerade von der Uni. Wir haben große Probleme, den Jungspund zu akzeptieren, seine Autorität anzuerkennen. Und jetzt?

Es antwortet Rainer Müller, Diplompsychologe:

Zur Person
Foto: Privat

Als freiberuflicher Trainer und Berater beschäftigt sich der Hamburger Diplompsychologe Rainer Müller vorrangig mit Konflikt- und Stressmanagement. Zudem moderiert er ein Fachforum für Psychologie und schreibt für den Blog "Psyche und Arbeit".

Besonders in Behörden und Verwaltungen erlebe ich diesen Fall häufig. Und auf den ersten Blick scheint es eindeutig: Da bekommen Mitarbeiter, die seit 20 Jahren in der Firma sind, eine Führungskraft vorgesetzt, die kaum Erfahrung hat - und auch das Unternehmen nicht gut kennt.

Doch es wäre leider zu einfach, es so zu sehen. Denn natürlich kommen irgendwann neue Leute ins Unternehmen, besetzen dort unterschiedliche Positionen, dagegen lässt sich kaum etwas tun. Finden Sie heraus, warum Sie das stört, damit Sie darüber sprechen können, ohne jemanden zu verurteilen, den Sie noch gar nicht kennen:

  • Sind Sie neidisch? Zum Beispiel, weil jemand eine Position besetzt, die Sie selbst gern hätten.
  • Sind Sie überrascht? Zum Beispiel, weil die Führungskräfte Ihres Unternehmens Sie womöglich nicht auf den Chefwechsel vorbereitet haben - und Sie jetzt viele Fragen haben.
  • Sind Sie gekränkt? Zum Beispiel, weil weil Sie nicht mitreden durften, als es um die Entscheidung ging, von wem und wie die Abteilung oder das Unternehmen demnächst geführt werden soll, obwohl Sie viele Ideen gehabt hätten.

Es kann helfen, einen Perspektivwechsel vorzunehmen, um zu verstehen, warum da jemand Neues, Junges kommt. Was glauben Sie, warum hat sich das Unternehmen für diese Person entschieden?

Vielleicht verfügt die neue Person womöglich doch über ein bestimmtes Fachwissen, das das Unternehmen bisher nicht vorweisen konnte. Oder das Unternehmen hatte ein Interesse daran, den Altersdurchschnitt zu senken - könnten Sie das nicht auch verstehen? Und können Sie sich vorstellen, dass es auch für die neue Person schwierig sein kann: allein vor einem Team aus Menschen stehen, das sich gegen diese Veränderung stemmt?

Es ist nicht die alleinige Aufgabe eines einzelnen Kollegen, diese Wogen zu glätten. Falls Sie alle Probleme mit dem Neuen haben, bitten Sie alle gemeinsam um ein Gespräch. Darin lässt sich mit allen überlegen: Wer hat welchen Hintergrund? Wer kann seine Erfahrungen wo einbringen?

Die neue Führungskraft sollte so ein Gespräch nutzen, um ihren Mitarbeitern Fragen zu stellen, um ihnen das Gefühl zu geben, dass ihre Meinungen wertvoll sind und die Aufgaben nur zusammen bewältigt werden können.

Übrigens: Es ist Altersdiskriminierung, jemanden deswegen nicht zu akzeptieren, weil er jünger ist. Sehen Sie die neue Situation lieber als Chance: Erzählen Sie Ihrem neuen Chef, was sie sich von ihm erwarten, was mit dem alten Chef gut funktionierte und wo es Probleme gab.

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