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Tipps von Führungskräften Was ich zu Beginn meiner Karriere gern schon gewusst hätte

Befördert wird nur, wer auf sich aufmerksam macht: Vier Chefinnen und ein Chef aus verschiedenen Branchen verraten, wie sie Karriere gemacht haben - und was sie rückblickend anders angehen würden.

Fleiß hin, Talent her - wer Karriere machen will, braucht oft noch ein bisschen mehr. Und zwar vor allem Kontakte und gute Tipps. Förderprogramme für Nachwuchskräfte versprechen genau das.

Das Prinzip ist denkbar simpel: Frauen, die eine Karriere im Top-Management anstreben, und Führungskräfte werden zu Tandems zusammengewürfelt - im Managersprech "Mentor und Mentee". Der Mentee berichtet, was ihn bewegt, der Mentor gibt ehrliches Feedback.

Bei der gemeinnützigen Initiative "Women into Leadership"  engagieren sich mehr als drei Dutzend Männer und Frauen, die es in ihrer Branche an die Spitze geschafft haben, als Mentoren. Wir haben fünf von ihnen gefragt, welche Tipps sie sich am Anfang ihrer Karriere gewünscht hätten:

Sabine Dietrich, Mitglied des Aufsichtsrats der Commerzbank AG: "Fragen Sie auch Fremde um Rat"

Sabine Dietrich

Sabine Dietrich

Foto: Women into Leadership

"Als ich beim Ölkonzern BP anfing, habe ich in meinen Entwicklungsplan den Wunsch nach globalen Einsätzen und einer Stelle in Asien reingeschrieben. Das wurde zwar von der Personalabteilung und meinen Vorgesetzten zur Kenntnis genommen - aber passiert ist wenig.

Schwung kam erst in die Sache, als ich in Brüssel zufällig den Leiter des BP-Asiengeschäfts kennenlernte. Er fragte, weshalb ich ihn nicht direkt angeschrieben und mich nach Möglichkeiten erkundigt hätte. Mein Argument, dass ich ihn ja gar nicht kannte, hat er nicht gelten lassen. 'Wenn man ein berechtigtes Anliegen hat und eine gut fundierte Anfrage formuliert, dann bekommt man auch eine Rückmeldung', sagte er. Heute weiß ich: Das stimmt!

Mein Tipp an alle, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen: Sprechen Sie Menschen mit spannendem Lebenslauf und für Sie interessantem Werdegang an. Beschreiben Sie Ihre Motivation und bitten Sie um Rat oder Hinweise, wie Sie zum Ziel kommen. Ich habe in allen Fällen positive Rückmeldung und Tipps erhalten, die ich im weiteren Verlauf meiner Karriere umsetzen konnte. Und die Stelle in Asien habe ich auch noch bekommen: 1997 wurde ich Business Development Manager für BP in Vietnam."

Harald Selzner, Partner der Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins: "Signalisieren Sie Ihrem Chef: Ich mache einen tollen Job"

Harald Selzner

Harald Selzner

Foto: Women into Leadership

"Ein Mann als Mentor in einem Frauennetzwerk - macht das überhaupt Sinn? Da hatte ich am Anfang selbst Zweifel, aber dann bin ich zu dem Schluss gekommen: Frauenförderung ist auch Männersache. Und tatsächlich habe ich als Mentor bisher mindestens genauso viel von meiner Mentee gelernt wie sie von mir.

Wir sprechen selten über frauenspezifische Themen, sondern eher über Situationen, die für Männer und Frauen gleichermaßen herausfordernd sind, zum Beispiel wie man die Balance zwischen angemessenem Eigenlob und Selbstbeweihräucherung hält. Das ist ein zentraler Punkt, denn mit Bescheidenheit kommt man im Job nicht weiter.

Wer immer nur still und leise seine Arbeit erledigt, wird leicht zur Abarbeitungsmaschine erklärt. Befördert werden dann andere - nämlich die, die ihren Chefs signalisiert haben: Ich bin hier, ich mache einen tollen Job, und ich bin bereit, den nächsten Schritt zu gehen.

Mein Rat ist deshalb: Überlegen Sie sich, wie Sie ihr Projekt unternehmensintern und -extern präsentieren können. Wie können möglichst viele Führungskräfte davon erfahren, an welchem Projekt Sie gerade arbeiten? Und zwar nicht nur beim Plausch vor der Kaffeemaschine.

Welche Plattformen können genutzt werden, um Ihr Projekt Kollegen aus anderen Abteilungen vorzustellen? Eignet es sich zur Präsentation auf Konferenzen? Nutzen Sie jede Chance, anderen zu erzählen, mit welcher Begeisterung Sie Ihr Projekt vorantreiben.

Sachbezogene Begeisterung ist etwas anderes als plumpes Eigenlob. Das Ziel sollte sein, dass andere denken: Oh, da steht ja einer mit Herzblut dahinter und bringt das Projekt richtig voran - und zwar egal, um welches Projekt es gerade geht. So hinterlassen Sie einen positiven Eindruck und arbeiten an der eigenen Reputation.

Natürlich erfordert dies alles zusätzliches Engagement, das sich aber langfristig auszahlt - im Gegensatz zu den Überstunden, die Sie unbemerkt von anderen machen."

Dilek Gürsoy, Herzchirurgie-Oberärztin am Klinikum Links der Weser: "Lassen Sie sich von Kritik nicht verunsichern"

Dilek Gürsoy

Dilek Gürsoy

Foto: Women into Leadership

"Mein Geschichtslehrer hat mich damals ausgelacht, als er hörte, dass ich Medizin studieren wollte. Das hat mich sehr verunsichert - obwohl ich schon immer zielstrebig war und wusste, wo ich hin will.

Auch später, als ich schon Assistenzärztin war, hat Kritik bei mir immer einen stärkeren Eindruck hinterlassen als Lob. Ich glaube, das ist ein typisches Frauenproblem. Männer sind meistens sehr von sich überzeugt, Frauen fällt es schwer zu sagen: Ich bin gut.

Dabei hat es nichts mit Überheblichkeit zu tun, wenn man anderen sagt: 'Das kann ich, und das mache ich gut.' Wenn man nicht selbst erzählt, wer man ist und wohin man will, werden die anderen es nie erfahren. So kommt man nicht weiter.

Mein Tipp an alle Frauen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, lautet deshalb: Seid selbstbewusst! Legt nicht jedes negative Wort auf die Goldwaage und lasst euch nicht einschüchtern. Und wenn ihr einen Fehler macht: Hakt ihn ab und probiert es noch mal. Nur durch Wiederholungen wird man besser."

Hiltrud Werner, Vorstandsmitglied der Volkswagen AG, Geschäftsbereich "Integrität und Recht": "Von der ersten Minute an die Nachfolge planen"

Hiltrud Werner

Hiltrud Werner

Foto: Women into Leadership

"Ich habe oft die Funktion gewechselt und neue Leitungspositionen übernommen, aber nie aus Karrierekalkül. Es ging mir immer darum, dass ich gefordert sein und Gestaltungsspielraum haben wollte. Rückblickend denke ich, dass die Wechsel auch deshalb so gut geklappt haben, weil ich mich an einen wichtigen Grundsatz gehalten habe: Wer eine neue Position übernimmt, sollte von der ersten Minute an mit der Nachfolgeplanung für die eigene Funktion beginnen.

Man will jede Aufgabe irgendwann für eine neue Herausforderung abgeben. Aber dann stellt sich die Frage: Wer soll den alten Job übernehmen? Wer in so einer Situation niemanden benennen kann, auch weil er sich selbst die ganze Zeit für unersetzlich hielt, dem werden bestimmte Karrieretüren verschlossen bleiben. Ich konnte oft schnell und unproblematisch wechseln, weil andere meine bisherige Arbeit gut übernehmen konnten.

Ich hatte meist zwei oder drei Kollegen um mich, die ich als mögliche Nachfolger betrachtet und in viele Abläufe eng eingebunden habe. Die Kollegen haben das als Vertrauensbeweis gesehen, und das hat sich auch positiv auf ihre Motivation ausgewirkt. Natürlich kann es vorkommen, dass dann auch mal einer zum Konkurrenten wird und versucht, am Stuhl der Vorgesetzten zu "sägen", aber dieses Risiko sollte man eingehen.

Wenn da jemand sehr mit den Hufen scharrt, kann man das auch als Push verstehen, um sich aus der eigenen Komfortzone zu bewegen und zu überlegen: Bin ich noch die Richtige für diese Aufgabe? Bin ich da noch adäquat unterwegs? Das frage ich mich bis heute immer wieder, und das spornt mich an, einen guten Job zu machen. Ein Kardinalfehler wäre, sich für zu wichtig und unfehlbar zu halten."

Daniela Mündler, Mitglied im Management Board bei der Bahlsen Gruppe: "Man muss die Welt nicht allein retten!"

Daniela Mündler

Daniela Mündler

Foto: Women into Leadership

"Ich hätte zu Beginn meiner Karriere gern den Tipp bekommen, mir ohne Scheu öfter mal Rat und Hilfe zu suchen. Anfangs dachte ich, meine "Hausaufgaben" müsse ich selbst machen und grundsätzlich auch mit sehr schwierigen Situationen allein klarkommen. Alles andere könne als Schwäche ausgelegt werden. Erst später habe ich erkannt, dass ich damit falsch lag.

Ich habe bis zu einem gewissen Punkt eine sogenannte Kaminkarriere absolviert: Der nächste Schritt war immer klar. Aber dann kamen neue Herausforderungen. Da habe ich mich überwunden und angefangen, bei Problemen andere Menschen anzusprechen und sie um ihre Meinung zu bitten. Das tue ich bis heute und empfinde diese Art von 'Netzwerken' als äußerst hilfreich.

Ich meine damit nicht, dass man Freundinnen oder den Partner fragen sollte. Die sind meist unkritisch, was die eigene Person betrifft. Mein Mann findet im Zweifel ohnehin, ich sei die Tollste. Es geht um Ansprechpartner aus beruflichen Kontexten, vielleicht auch Führungskräfte, die neutral sind. Es sollten auf jeden Fall Menschen sein, die uneigennützig ihre Meinung sagen.

Diese Menschen können aufgrund ihrer Distanz und eigener Erfahrungen meist sehr sachlich Probleme einschätzen. Gerade wenn man mehrere solcher Menschen um ihre Meinung bietet, ergibt sich ein buntes Bild.

Natürlich muss man am Ende trotzdem selbst entscheiden. Aber dieser Austausch hat mir oft einen neuen Blick ermöglicht, und ich habe gemerkt: Man muss die Welt nicht allein retten. Andere haben ähnliche Probleme, gemeinsam kommt man weiter. Umgekehrt biete ich deshalb auch gern Rat an."