Studie zu Führungspositionen Keine Lust auf Karriere

Ein Posten im Management scheint derzeit für wenige Arbeitnehmer attraktiv zu sein. Laut einer Umfrage würden fast 30 Prozent der befragten Führungskräfte in Deutschland am liebsten gar nicht mehr arbeiten.

Viele Manager fühlen sich gestresst
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Viele Manager fühlen sich gestresst


Manager haben es schwer: Gerade in der mittleren Führungsebene fühlen sie sich oft aufgerieben. Viele Befragte aus dem mittleren Management glauben laut einer Studie, dass diese Führungsebene auf längere Sicht verschwinden wird. Das geht aus einer Online-Umfrage der Boston Consulting Group (BCG) hervor.

Viele Befragte aus dem mittleren Management fühlen sich in ihrer Position insgesamt nicht wohl. "Das ist nichts Neues - sie sind etwas verloren zwischen den Rollen als Fach- und Führungskraft", sagte BCG-Berater und Studienautor Nicolas Hunke.

Neu und überraschend sei jedoch das hohe Bewusstsein, dass diese Führungsebene womöglich nicht zukunftsfähig ist. So seien viele Befragte aus dem mittleren Management überzeugt, dass ihre Rolle verschwinden werde.

Am liebsten würden 28 Prozent der befragten Vorgesetzten in Deutschland gar nicht mehr arbeiten. Das ist der höchste Wert unter den analysierten Ländern. In China sind es dagegen nur 13 Prozent. Von den befragten Mitarbeitern ohne Führungsfunktion würden in Deutschland 37 Prozent am liebsten nicht mehr arbeiten, in China sind es nur vier Prozent.

Nur sieben Prozent der Mitarbeiter strebt Führungsposition an

Für die Studie befragten die Autoren rund 5000 Personen, darunter 30 Prozent Führungskräfte, in fünf Ländern. Neben Deutschland wurden auch Menschen in China, Frankreich, Großbritannien und den USA über ihre Karrierepläne befragt. Durchgeführt wurde die Umfrage vom Institut Ipsos.

Die Lust auf Führungsverantwortung ist unter den Arbeitnehmern in Deutschland demzufolge besonders gering: Nur sieben Prozent der Mitarbeiter möchten in den kommenden fünf bis zehn Jahren eine Führungsposition übernehmen. "Eine Rolle im Management scheint hierzulande unattraktiv zu sein", sagte Hunke. Im krassen Gegensatz dazu steht China: Dort sind es immerhin noch 47 Prozent, die gerne ein Team leiten würden.

Auch die Selbstständigkeit ist für viele Mitarbeiter unattraktiv. In Deutschland würden nur sechs Prozent der Mitarbeiter künftig selbstständig arbeiten wollen. In den USA sind es 29 Prozent.

In Deutschland finden 82 Prozent der Manager ihren Job heute schwerer als früher. In Frankreich schätzen das laut der Umfrage 85 Prozent ebenso ein, und auch in Großbritannien stimmen 83 Prozent dem zu. Trotzdem scheinen die Manager in Deutschland im Vergleich mit den Kollegen aus den vier weiteren berücksichtigten Ländern besser mit ihrer Rolle klarzukommen.

"Die Ergebnisse aus Deutschland zeigen, dass sich Führungskräfte in Deutschland im Vergleich zu ihren Kollegen aus westlichen Ländern insgesamt leicht besser fühlen", sagte BCG-Experte Hunke.

So sind Manager in Frankreich und Großbritannien öfter gestresst (74 Prozent) als in Deutschland (64 Prozent). Auch beklagten gerade einmal 34 Prozent der Führungspersonen hierzulande, überfordert zu sein. In Frankreich (51 Prozent) und dem Vereinten Königreich (60 Prozent) hingegen sind es mehr als die Hälfte.

Auf der anderen Seite herrsche in Deutschland immer noch ein überholtes Bild einer Führungskraft vor, die vor allem koordiniert und Entscheidungen trifft "oder schlimmer noch durchreicht, die aber weniger inhaltliche Arbeit macht", sagte Hunke. Dieses Bild scheine für Befragte außerhalb des Managements kein attraktives Zukunftsmodell für ihre eigene Karriere zu sein.

Den Firmen empfiehlt Hunke dringend, das Thema anzugehen. Unternehmen müssten handeln, um langfristig attraktiv für Mitarbeiter zu bleiben. "Wir sehen in Zukunft einen starken Wandel in der Rolle des Managements und des Managers. Die rein koordinative Tätigkeit nimmt mit modernen Arbeitsmethoden ab, stattdessen ergeben sich neue, stärker inhaltlich geprägte Führungsaufgaben", sagte der BCG-Berater.

Ma nagement-Position in China attraktiver

Die Führungskraft von morgen bestimme nicht mehr alleine. Neue Modelle wie agile Arbeitsmethoden und auch alternative Karrieremodelle, beispielsweise Expertenkarrieren, könnten ein Teil der Lösung sein.

Das internationale Ergebnis: 81 Prozent der Manager finden ihren Job härter als in den vergangenen Jahren. 37 Prozent von ihnen sind sich sicher, dass ihr Job wegen technologischer oder struktureller Entwicklungen in den nächsten Jahren in der jetzigen Form so nicht mehr existieren wird. Die Konsequenz: Gerade mal neun Prozent der Arbeitnehmer streben in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine Führungsposition an.

In der Studie bleibt allerdings offen, in welchen Branchen es Arbeitnehmern und Führungskräften besonders schwerfällt, sich als Manager zu sehen. Immerhin: Knapp 40 Prozent der Manager hierzulande möchten künftig in einer Führungsrolle bleiben. In Frankreich, Großbritannien und USA sind es weniger. Nur China sticht hervor: Hier können sich 70 Prozent vorstellen, weiterhin Manager zu bleiben.

brt/dpa

insgesamt 29 Beiträge
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freigeistiger 21.09.2019
1. Mehr Frauen zwingen
Über Quoten müssen dann Frauen dazu gezwungen werden, mehr Führungspositionen anzunehmen. Sich davor drücken, und Feminismusaktivistinnen beschimpfen dafür Männer. Feminismus und Realität stimmen offenbar oft nicht überein.
silikonfuge 21.09.2019
2. Tote Pferde reiten
Das ist es, was die meisten Führungskräfte frustriert. Tote Pferde reiten. Mit Stuhlkreis und Workshops und diesem ganzen Kilmbim. Alle wissen, dass es Schwachsinn ist. Aber es wird durchgezogen.
mali123 21.09.2019
3. Warum sollte man sich aufreiben
bei den Löhnen, die zur Zeit gezahlt werden. Es stellt sich überhaupt die Frage, warum man überhaupt noch arbeiten sollte, wenn man nichtmal mehr für Kinder aufkommen und für das eigene Alter vorsorgen kann?
Koana 21.09.2019
4. Sie möchten, sie tun es aber meist nicht.....
... da sie zwar den Irrsinn begreifen, doch der Freizeitspaß ist meist ebenso mit Kaufkraftzwang verbunden. Jene die es wirklich realisieren, haben ab dem Moment Ihre Leben zurück und dürften eher zu den glücklicheren Menschen zählen. Diese Chance hätten alle, auch die "kleinen Angestellten"! Das System hätte dann keine Chance mehr, wir könnten ein neues aufbauen, eines dass auf soziale, ökologische und kreative Kooperation der Millionen Mikrozentren baut, die allesamt zwar vernetzt sind, aber keine dogmatischen Zwänge aufeinander ausüben, sondern einzig die Angebote zur utilitaristischen Problemlösung machen und nachfragen. Leider Utopie, die Realität sieht anders aus, so bleiben ja auch jene meist im Job, die längst verstanden haben, dass sie einer destruktiven Kraft ihre Leben vermieten.
MikeRubato 21.09.2019
5. Das sind doch völlig erwartbare Ergebnisse !
Aus meiner Sicht (mittleres Management, Technologiesektor, ca. 150 Mitarbeiter in 6 Abteilungen) ist das doch ein ganz erwartbares Ergebnis: ca. 7% aller Mitarbeiter wollen Manager werden, das heißt, 93% wollen das nicht, und so passt das ja auch genau: Einer von 13 wollen eine Führungsposition erlangen, d.h. 1 Manager führt dann im Mittel etwa 13 Mitarbeiter, das entspricht grob etwa dem Ist-Zustand. Schlimm wäre, wenn z.B. jeder zweite eine Führungsposition wollte, denn dan würden ja viele frustriert zurück bleiben, weil eben nicht jeder zweite ein Manager sein kann, sonst hätte er ja nur einen einzigen Mitarbeiter zu führen. Schlimm wäre auch, wenn z.B. nur jeder 100ste eine Führungsposition wollte, denn dann müsste man entweder Leute dazu "zwingen", oder man hätte 100 Mitarbeiter als kleinste Führungsspanne im unternehmen, was i.d.R. nicht funktioniert.Und im Vergleich wollen weniger (28%) der Führungskräfte gar nicht mehr arbeiten, bei den Nicht-Führungskräften sind das über 30%. Also, alles in Ordnung. Dass die mittleren Führungsebenen ausgedünnt werden mag sein, das Thema "Agiles Arbeiten" ist allerdings ein momentaner Hype, der öfter diskutiert als erfolgreich umgesetzt wird. Wo es funktioniert, entstehen in der agilen Welt neue Positionen, die mit übergreifender Verantwortung ausgestattet sind, dort finden dann die Willigen wiederum ihr Betätigungsfeld. Und wie eine Führungskraft die Balance zwischen Führung und fachlicher Tätigkeit legt, ist hochgradig individuell und kann ständig neu justiert werden - das ist ja gerade das Schöne an Führungspositionen. Gut, dass die wenigsten wissen, welche Feiheiten in solchen Positionen möglich sind, wenn man die Klaviatur gut zu spielen weiß, sonst gäbe es wahrscheinlich mehr als 7% Aspiranten ...
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