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Frag die Karriereberaterin Bin ich zu alt für den Job?

Sie ist seit 20 Jahren in der Firma, nun droht die Kündigung. Doch hat eine 48 Jahre alte Teamleiterin noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Ja - wenn sie sich nicht gerade bei einem Konzern bewirbt, sagt Karriereexpertin Svenja Hofert.
Die Uhr tickt: Die Jobsuche im Alter kann länger dauern.

Die Uhr tickt: Die Jobsuche im Alter kann länger dauern.

Foto: Corbis

Susanne, 48 Jahre, arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Teamleiterin in einer Kommunikationsagentur in Berlin. Das Durchschnittsalter in der Firma liegt bei 31 Jahren. Nun hat der Arbeitgeber ihr nahegelegt zu gehen - die Auftragslage würde schlechter. Als Quereinsteigerin mit abgebrochenem Studium sieht sie sich gegenüber jungen Absolventen im Nachteil. Sie fragt: "Kann ich es in meinem Alter noch in ein anderes Unternehmen schaffen, am besten in einen Konzern?"

Karriereberaterin Svenja Hofert antwortet:
Wenn in der Mail nicht "Konzern" stünde, würde ich sagen: Aber klar, Susanne! Im Laufe der letzten Jahre hat sich eine Menge getan. Während vor zehn Jahren Bewerber jenseits der 45 kaum Chancen hatten, sind mittlerweile auch 55-Jährige aus Arbeitgebersicht wieder gefragt, manche zumindest.

Zur Autorin

Svenja Hofert ist Karriere- und Managementcoach  und hat mehr als 35 Bücher geschrieben, unter anderem "Agiler Führen" und "Karriere mit System".

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Es gibt Faktoren, die eine Jobsuche 45+ erheblich erleichtern: Am fruchtbarsten sind Netzwerke. Wenn ältere Mitarbeiter Kontakte mitbringen, die den Firmen etwas wert sind, haben sie weit bessere Chancen. Sie kennen die Entscheider in den Unternehmen und in der Politik, haben Verbindungen ins Ausland. Das wirkt sich auch auf die Bewerbungsstrategie aus: Telefonieren ist wichtiger als schreiben. Es gilt, eine möglichst einflussreiche Person dazu zu bringen, den Personaler anzustupsen und auf die kürzlich hochgeladene VIP-Bewerbung hinzuweisen. Das wirkt.

Etwas weniger schwergewichtig, aber immer noch wichtig, sind Erfahrungen und Kenntnisse, die andere Bewerber aufgrund ihres jungen Alters gar nicht haben können. So werden zum Beispiel immer noch Experten gesucht, die Computersprachen wie COBOL beherrschen.

Ein 50-Jähriger wird nicht zum Digital Native

Soft Skills sind erfolgsentscheidend im Berufsleben, aber bei der beruflichen Veränderung in fortgeschrittenen Altersstufen nur teilweise bedeutsam. Sie wirken vor allem bei höheren Assistenzen und im vertriebsnahen Umfeld. Spätestens wenn die dritte 27-Jährige aufgrund zu hoher Belastung das Handtuch schmeißt, überlegt sich manch Entscheider, ob jung und dynamisch dauerhaft eine gute Lösung ist - oder eine ältere, gelassene Person die Probleme nicht weit besser lösen würde. Und ein gestandener Manager oder Klinikchef will sich ungern von 25-jährigen Bachelorabsolventen die Welt erklären lassen.

Schwieriger ist die Lage in chronisch jugendlichen Bereichen. Die Marketingverantwortung wird beispielsweise weit lieber einem jungen Spund zugesprochen als einem alten Hasen. Marketing ist per Definition ideengetrieben und immer vorn dabei. Diesen Drive traut man gerade in Internetzeiten eher den jüngeren Kandidaten zu. Ein 50-Jähriger wird auch nicht durch Transformation zum Digital Native. Mit Erfahrungen aus der New Economy sollte man da lieber nicht kommen.

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Bewerbungen: Wo geht's denn hier zum Job?

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Auch die Branche spielt eine große Rolle. Öffentliche Institutionen und die Verwaltung laden öfter ältere Bewerber ein. Das kann eine Chance sein, auch für Menschen, die zuvor in der sogenannten freien Wirtschaft tätig waren. Allerdings herrschen hier andere Gesetze. Ohne Studienabschluss wird es schwer sein.

Konzerne, das ist jetzt meine höchst individuelle, aber vielfach überprüfte These, laden Über-50-Jährige so gut wie gar nicht mehr ein. Über Gegenbeispiele und das Widerlegen dieser These freue ich mich. Schreiben Sie mir, falls Sie als Konzern offen sind für ältere Bewerber!

Liebe Susanne, zu jung für die Rente, zu alt für den Arbeitsmarkt: Viele Menschen jenseits der 45 stecken wie Sie in einem Dilemma. Sie haben noch viele Jahre Berufsleben vor sich, sehen aber in ihrem Bereich keine rechte Perspektive für diese lange Lebensstrecke.

Es kann deshalb auch sein, dass Sie sich noch einmal neu orientieren müssen, geleitet von der Frage, wohin die Reise in den nächsten 20 Jahren geht. Vielleicht bedeutet es, noch einmal etwas zu lernen und einen Abschluss nachzuholen oder ein Zertifikat zu erwerben. Vielleicht haben Sie auch Glück, und jemand braucht gerade Ihre in der jahrelangen Tätigkeit erworbenen Kenntnisse oder einen Teil davon.

Welche das sind, sehen Sie vielleicht selbst nicht immer. Reflektieren Sie deshalb Ihre Kompetenzen auch mit anderen zusammen. Ich sage nicht, dass es einfach wird. Die Suche nach so langer Zeit kann länger dauern. Es ist aber auch eine Chance, noch einmal grundsätzlicher auf die eigene Berufslebensplanung zu schauen.

Wie hoch ist Ihr Scheiter-Risiko?
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