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Bernd Slaghuis

Tipps vom Karrierecoach Wie finde ich endlich meine Berufung?

Bernd Slaghuis
Ein Gastbeitrag von Bernd Slaghuis
Robert verdient gutes Geld, aber zufrieden ist er trotzdem nicht: Mit über 40 Jahren fragt er sich, ob sein Job wirklich der richtige ist – und wie er eine erfüllendere Aufgabe finden kann.
Was mache ich eigentlich hier – und wo will ich hin? (Symbolbild)

Was mache ich eigentlich hier – und wo will ich hin? (Symbolbild)

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andresr / Getty Images

Robert, 43, fragt: »Ich habe seit meinem Studium schon in vielen unterschiedlichen Positionen gearbeitet und war auch erfolgreich. Ich verdiene gutes Geld, doch trotzdem habe ich das Gefühl, noch nicht richtig angekommen zu sein. Ich möchte endlich meine Berufung finden und im Job glücklich werden, doch ich weiß nicht, wonach ich überhaupt suchen soll. Wie finde ich heraus, was wirklich meine Berufung ist?«

Zum Autor

Bernd Slaghuis ist Karrierecoach und hat seit 2011 in seinem Kölner Büro  mehr als tausend Angestellte und Führungskräfte bei ihren nächsten Schritten im Beruf begleitet. Er betreibt den Karriere-Blog »Perspektivwechsel«  und ist Autor des Buchs »Besser arbeiten«. Haben Sie eine Frage an den Coach? Dann schreiben Sie eine E-Mail an karriere.leserpost@spiegel.de – Stichwort Bernd Slaghuis 

Lieber Robert,

mal angenommen, Sie haben Ihre Berufung gefunden, was wäre dann anders? Was verbinden Sie mit dem Gefühl, im Beruf angekommen zu sein und warum genau ist dies für Sie so attraktiv?

Drei Fragen, für die Sie sich Zeit nehmen sollten. Denn ich erlebe in der Karriereberatung viele Menschen auf der Suche nach ihrer Berufung und ihnen allen fällt es schwer zu beschreiben, was genau sie mit diesem Ziel verbinden. Suchen Sie nicht weiter nach irgendeiner Berufung, sondern schaffen Sie zuerst für sich selbst Klarheit darüber, was es konkret bedeutet und warum es Ihnen so wichtig ist, Ihre Berufung zu finden.

Die echte Motivation hinter der Berufung

Wenn ich mit Menschen auf der Suche nach ihrem ultimativen Traumjob spreche, dann geht es vielen darum, selbstbestimmter ihren Träumen und Zielen folgen zu können. Sie möchten stärker das tun, was ihren Stärken entspricht und wofür sie von ganzem Herzen brennen. Es geht ihnen um Leidenschaft, Selbstverwirklichung, die Identifikation mit einem Arbeitgeber oder Produkten sowie Persönlichen-Sinn-Erleben.

Bei uns allen sind es jeweils andere Werte, die uns im Beruf wichtig sind. Woran würden Sie bemerken und was sollte erfüllt sein, um in einem Job anzukommen? Schreiben Sie es auf – so konkret wie möglich.

»Tschakka, du hast die Wahl«

Sie kennen sicher auch die Berichte über den Ex-Controller, der jetzt Surflehrer in der Südsee ist. Wir bekommen häufig suggeriert, dass es heute eigentlich ganz leicht ist, seine buntesten Träume zu realisieren. »Du musst es nur wollen, dann schaffst du es auch – Tschakka!« Die Sprüche solcher Selbstoptimierungs-Gurus mögen kurzfristig als Motivationsschub taugen, doch wieder angekommen in der Realität aus abzubezahlendem Häuschen, der Jüngsten gerade in der Schule sowie tief sitzenden Glaubenssätzen und Veränderungsängsten führen sie keinen normalen Angestellten einen Schritt weiter – geschweige denn zur Berufung.

»Tschakka, du hast die Wahl« ist aus meiner Sicht die wirksamere, wenn auch weniger sexy klingende Botschaft. Es geht um die bewusste Übernahme von Selbstverantwortung. Wer darauf hofft, dass ihm irgendwann die Berufung vor die Füße fallen und ihn retten wird, gibt Verantwortung ab und rutscht umso tiefer in die Frustration oder sogar Opferhaltung hinein.

Vom Berufungssucher zum Lebensgestalter

Ich erlebe im Coaching, wie sehr Menschen auf verbissener Berufungssuche über die Jahre ihre eigenen Erfolge und schönen Momente im Hier und Jetzt verpassen. Sie übersehen, was sie Großartiges im Beruf erfahren und erreicht haben. Es scheint, als sei dies alles nichts wert, solange es nicht die Berufung gewesen ist.

Die eigene Wertschätzung Ihres vorhandenen Erfahrungswissens sowie Ihrer Stärken ist die wichtigste Voraussetzung zur Veränderung. Denn nur dann können Sie gezielt nach attraktiven Positionen Ausschau halten und Chancen bewerten. Was fällt Ihnen leicht und macht Freude? Gibt es Branchen oder Produkte, für die Ihr Herz schlägt? Wie sieht Ihr optimaler Tag im Job aus? Sind Sie mehr Denker, Kommunikator, Steuerer oder kreativer Künstler? Schreiben Sie es auf. Denn nur wer sich selbst kennt, kann sein Leben gestalten.

Neugier auf Veränderung statt Endstation Berufung

Robert, Sie schreiben, dass Sie bereits in verschiedenen Berufen gearbeitet haben und dort erfolgreich waren. Ist es für Sie wirklich attraktiv, diese eine finale Berufung als Endstation im Berufsleben zu finden? Ich frage mich, was sein wird, wenn Sie Ihre Berufung mit 45 tatsächlich gefunden haben sollten. Glauben Sie, dass Sie diesen Beruf dann erfüllt bis zum Ruhestand ausüben werden?

Meine Erfahrung ist, dass es vielmehr darum geht, ja nach Lebensphase jene Position zu entdecken, die für diese Zeit passt. Statt der großen, unbekannten Berufung sind es die vielen kleinen Stellschrauben, für die wir uns als Chef unseres Lebens jeden Tag entscheiden können, um etwas positiv zu verändern. Ich bin mir sicher, dass Sie wissen, was Sie benötigen, um im Beruf motiviert, glücklich und gesund zu sein. Was hält Sie davon ab, neugierig den nächsten Schritt zu gehen?

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