Teilzeit und Prekariat Immer weniger Vollzeitjobs für junge Menschen

Drei von vier Deutschen unter 30 Jahren haben keine volle unbefristete Stelle mehr. Bei Geringqualifizierten ist der Anteil laut einer Studie noch geringer. Dafür gehen immer mehr Frauen arbeiten - und auch Ältere finden wieder einen Job.

Stechuhr: Immer weniger Arbeit nach klassischem Muster
DPA

Stechuhr: Immer weniger Arbeit nach klassischem Muster


Die einen arbeiten "flexibel", weil sie es wollen - und die anderen, weil sie es müssen. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt es einen wachsenden Anteil von "atypischen" Beschäftigungsverhältnissen, so eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung mit Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung.

Atypisch bedeutet, dass die Jobs in Teilzeit oder Gleitzeit ausgeübt werden, dass sie meist befristet sind und dass sie manchmal nicht ausreichen, um eine Existenz damit abzusichern. Die Jobs mit Stechuhr werden nach und nach seltener - das hat gute und schlechte Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Seit Mitte der Neunziger Jahre ist laut Studie die Chance auf eine Vollzeitstelle vor allem für Menschen unter 30 deutlich gesunken: 1996 hatte noch mehr als jeder dritte unter 30-Jährige eine solche Stelle. 2009 war es nur jeder vierte. Teilzeit und Befristungen nahmen seitdem in allen Altersgruppen zu - 1996 arbeiteten noch 19 Prozent in "atypischen" Arbeitsverhältnissen, 2009 waren es bereits 28 Prozent.

Mehr Frauen, mehr Alte finden eine Beschäftigung

Zugleich ist im Vergleich zu 1996 die Erwerbsbeteiligung von Frauen deutlich gestiegen, von 55 auf 66 Prozent, von ihnen arbeiten 30 Prozent in Teilzeit. Auch fanden im gleichen Zeitraum mehr Frauen und Männer ab 50 Jahren einen Arbeitsplatz: Nur noch jeder dritte von ihnen ist nicht erwerbstätig - 1996 war es noch jeder zweite. Bei den Geringqualifizierten sieht es ähnlich aus wie bei den Menschen unter 30, so die Studie: Nur noch ein Arbeitnehmer von sechs hatte 2009 eine volle, unbefristete Stelle.

Der europäische Vergleich zeichnet ein uneinheitliches Bild: "Es gibt keinen allgemeinen Trend hin zu einer generellen Flexibilisierung", so die Studie. In den nordischen Ländern, den Niederlanden, Deutschland und Großbritannien ist der Anteil "atypischer Arbeit" mit Werten zwischen 26 und 44 Prozent am höchsten. In den Niederlanden gibt es heute sogar deutlich mehr "atypische Arbeit" (44 Prozent) als "Normalarbeit" (30 Prozent) - seit 1996 ist der Anteil hier um die Hälfte gewachsen.

Teilzeit im Norden, Vollzeit im Osten

In Ost- und Südeuropa gibt es dagegen weniger "atypische" Beschäftigung: in Tschechien waren es 14 Prozent, in Rumänien zwölf und in Ungarn nur zehn Prozent. Diese Werte haben sich im Vergleich zu 1996 kaum verändert.

Für die Studie wurden zwischen 1996 und 2009 in ganz Europa Arbeitsmarktzahlen gesammelt und miteinander verglichen. 2009 waren die deutsche und die europäische Wirtschaft in Folge der Finanzkrise stark geschrumpft. Die Tendenzen, die die Studie zeichnet, haben sich in den vergangenen drei Jahren aber nicht umgekehrt, sondern eher verstärkt.

dpa/maf

insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
atech 07.08.2012
1.
Zitat von sysopDPADrei von vier Deutschen unter 30 Jahren haben keine volle unbefristete Stelle mehr. Bei Geringqualifizierten ist der Anteil laut einer Studie noch geringer. Dafür gehen immer mehr Frauen arbeiten - und auch Ältere finden wieder einen Job. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,848743,00.html
die Berichterstattung des SPON nähert sich so lagsam dem an, was jeder Deutsche, der mit offenen Augen durch's Leben geht, schon lange weiss. Mit unserer Wirtschaft stimmt etwas nicht: es gibt zu wenig Vollzeitstellen, zu wenig unbefristete Stellen. Trotzdem ruft die Wirtschaft permanent nach ausländischen Arbeitskräften, speziell nach Fachkräften. Als ob es nicht genug hochqualifizierte und gut qualifizierte Deutsche gäbe, die eine Vollzeit- und/oder Dauerstelle händeringend suchen! Für die Politiker - und leider auch für viele ältere Mitbürger - liegt das Problem allerdings nicht bei den deutschen Firmen, Betrieben, Krankenhäusern, Universitäten u.a. Arbeitgebern. Für die sind nach wie vor die deutschen Arbeitnehmer selbst schuld daran, wenn sie keine Vollzeit- oder Dauerstelle haben wie der Arbeitnehmer Anno dazumal. Mit den Arbeitnehmern stimmt wohl etwas nicht, wenn sie keine solche Stelle haben...
markh 08.08.2012
2. hört sich sehr
Zitat von sysopDPADrei von vier Deutschen unter 30 Jahren haben keine volle unbefristete Stelle mehr. Bei Geringqualifizierten ist der Anteil laut einer Studie noch geringer. Dafür gehen immer mehr Frauen arbeiten - und auch Ältere finden wieder einen Job. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,848743,00.html
nach banking und Medienjobs an
nixkapital 08.08.2012
3. Frauen und Alte
Zitat von sysopDPADrei von vier Deutschen unter 30 Jahren haben keine volle unbefristete Stelle mehr. Bei Geringqualifizierten ist der Anteil laut einer Studie noch geringer. Dafür gehen immer mehr Frauen arbeiten - und auch Ältere finden wieder einen Job. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,848743,00.html
...SPON schreibt, gleichzeitig wären mehr Frauen und Alte beschäftigt. Ich hätte das gerne etwas genauer. Was für Jobs sind das? Kann man sich oder sogar eine Familie damit ernähren? Wie hoch ist der Aufstockeranteil?
E.Cartman 08.08.2012
4.
Zitat von markhnach banking und Medienjobs an
Und dort arbeiten dann über 70% eines Jahrgangs? Naja, selbst für Spanien finden sich ja noch ein paar Leute, die ernsthaft meinen die jungen Leute dort sollten doch einfach mal die Ärmel hochkrempeln.
gestandeneFrau 08.08.2012
5. ...
Zitat von sysopDPADrei von vier Deutschen unter 30 Jahren haben keine volle unbefristete Stelle mehr. Bei Geringqualifizierten ist der Anteil laut einer Studie noch geringer. Dafür gehen immer mehr Frauen arbeiten - und auch Ältere finden wieder einen Job. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,848743,00.html
Ist doch gewollt. So läßt sich der Lohn gut niedrig halten.
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