In Kooperation mit

Job & Karriere

Erste Hilfe Karriere Bewerbungsfoto nur mit Schokoladenseite

Reicht ein Passfoto für die Bewerbung? Nein, findet Gerhard Winkler. Denn es geht nicht darum, das eigene Normgesicht zu dokumentieren, sondern sich von der besten Seite zu zeigen. Deswegen schadet es nicht, wenn das Foto hübscher gerät als der Bewerber selbst.
Markengesicht: Über die Jahre wurde das Kinderschokolade-Foto dem Zeitgeist angepasst

Markengesicht: Über die Jahre wurde das Kinderschokolade-Foto dem Zeitgeist angepasst

Foto: Rolf Vennenbernd/ picture-alliance/ dpa

"Bei der Munich Business School verwirren mich die Angaben zu den erforderlichen Bewerbungsunterlagen. In der Broschüre fordern diese ein 'Bewerberfoto' und auf der Homepage ist von einem 'Passfoto' die Rede. Was für ein Foto sollte ich verwenden?" (T. R.)

Sie wollen, wie jeder Bewerber, an die Tür klopfen oder sogar einen Fuß in die Tür setzen. Dazu können Sie immer auf zwei Beinen aufkreuzen, Ihr ehrliches Gesicht vor sich hertragen und es als Eintrittskarte zeigen.

Sobald Sie sich um eine Ausbildung, einen Studienplatz, ein Stipendium oder einen Job bewerben, trägt das passende Bewerbungsfoto dazu bei, dass jene notorisch kritischen Personen, denen man die Auswahl überlässt, anfangen, Ihnen zu vertrauen. Bewerben heißt, Vertrauen einwerben. Wer Ihnen vertrauen möchte, schaut Ihnen dazu ins Gesicht. Sie geben ein Bewerbungsbild ab, damit andere, die Ihren Anspruch und Ihre Glaubwürdigkeit prüfen, sich ein besseres Bild von Ihnen machen.

Ein Passfoto ist dagegen Bestandteil einer Plastikkarte, die zur Feststellung Ihrer Identität dient. Ob da Ihr Look vertrauenswürdig ist oder befremdlich, ob Sie bunt wie ein Papagei oder verdächtig wie ein Pirat daherkommen, das ist den Türstehern und Kontrolleuren ziemlich egal. Solange nur das Dokument selbst in Ordnung ist und man Bild und Träger gleichsetzen kann, lässt man Sie passieren.

Fotostrecke

Bewerbungsfotos: Bitte recht männlich

Für die einzelnen Parameter eines Passfotos hat unser Regelapparat eine nicht zu hinterfragende Liste an Vorschriften erlassen. Alle Qualitätsmerkmale eines passtauglichen Fotos zeigt unsere Bundesdruckerei zudem auf einer Serie von Mustertafeln. Die Regeln gehen in ihrer Gründlichkeit auf wirklich alle von unseren unterschiedlichen Spitz-, Flach- oder Hohlköpfen bedingten Eventualitäten ein: "Wegen des häufig nicht eindeutig zu bestimmenden oberen Kopfendes sind Passfotos erst dann abzulehnen, wenn die Gesichtshöhe 27 Millimeter unterschreitet oder 40 Millimeter überschreitet."

Einfach hinreißend - oder nur ein Passfoto

Kopfende hin, Ausrichtung her, wer einen beliebigen Ausweis als den eigenen vorzeigt, ist immer gut beraten, wenn Nase und Gesichtsausdruck zum Abbild passen. Auch aus diesem Grund schaut man als Deutscher beim Passfotografen lieber nicht zu freundlich.

Wer dagegen ein Bewerbungsfoto vorlegt, möchte darauf möglichst noch einen Tick strahlender, blendender, gelöster, freundlicher, gewinnender - einfach: hinreißender als im Alltag aussehen. Von Passfotos kann man so was meist nicht behaupten.

Ja, und wenn so ein Bewerbungsbild zu schön ist, um wahr zu sein? Werden einem die Personaler daraus einen Strick drehen? Kaum.

Die Aura der glanzvollen Aufnahme wirkt in der Wirklichkeit noch lange nach und der erste Eindruck festigt sich weiter, wenn Sie sich im Telefonat, in der persönlichen Begegnung von Ihren guten Seiten zeigen. Ein Gesprächspartner verliert diese erste, günstige Einschätzung nur dann, wenn man sie mutwillig und absichtsvoll konterkariert.

Ein Bewerbungsfoto drückt aus, dass Sie sich auf eine Begegnung freuen, dass Sie guten Willen und Gesprächsbereitschaft zeigen, dass Sie Ihr Outfit und Ihre Haarpracht an die Erfordernisse der beruflichen Stellung anpassen, dass Ihre Augen nicht erloschen sind und dass Sie weder von Ranküne noch von Selbstzweifeln gequält werden. Alles in allem ist ein Porträt ein verblüffend wirksamer Indikator, ob man mit Ihnen reden kann und ob man mit Ihnen rechnen darf.

Die Kosten für ein Bewerbungsbild sind Teil des Selbstmarketing-Budgets. Das Foto selbst strahlt auf einen zurück. Es hilft enorm bei der Ausbildung eines positiven Selbstbilds. Man kann nur versprechen, was man auch einlösen wird, doch man kann, wenn man mit Ausbildern und Jobanbietern dealt, gar nicht zu sehr von sich selbst überzeugt sein.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.