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"Die unfähigste Firma" Wie schlecht darf man über seinen Arbeitgeber reden?

Kim Hammonds arbeitet im Vorstand der Deutschen Bank und soll sich über den Konzern massiv beschwert haben. Muss sie wegen ihrer scharfen Kritik nun mit der Kündigung rechnen?
Kim Hammonds und John Cryan

Kim Hammonds und John Cryan

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Es ist nicht das erste Mal, dass die Führungsetage der Deutschen Bank gegen den eigenen Konzern austeilt. Selbst Chef John Cryan frotzelte kurz nach seinem Amtsantritt, die Bank habe "lausige" Systeme . Auch Vorstandsmitglied Kim Hammonds hatte mehrfach das IT-System der Deutschen Bank als "zu komplex" kritisiert. Nun soll sie bei einer Tagung der obersten Führungskräfte erneut über ihren Arbeitgeber gelästert haben.

Laut der "FAS"  sagte Hammonds bei einer Tagung der obersten Führungskräfte, die Deutsche Bank sei die "unfähigste Firma", in der sie je gearbeitet habe. Bei ihrem vorherigen Arbeitgeber Boeing sei es besser gewesen, zitiert sie die "FAS". Bei Boeing habe sie große Flieger zum Abheben gebracht, die Deutsche Bank habe nur eine Bruchlandung nach der anderen erlebt. Investoren und Kollegen reagierten empört auf die Äußerungen.

"Globale Bank in einer schwierigen Transformation"

Weder Hammonds noch die Deutsche Bank wollten den Vorfall bestätigen, dementierten aber ihn aber auch nicht. In einem Interview mit dem "Handelsblatt"  sagte Hammonds, die Situation bei der Deutschen Bank sei "komplexer" als bei ihren vorherigen Arbeitgebern. Das sei nicht erstaunlich - "schließlich sind wir eine globale Bank in einer schwierigen Transformation".

Trotz der Beschwichtigungsversuche kursieren Gerüchte, Hammonds Äußerungen könnten sie den Job kosten. "Wer in einer solchen Position so schlecht über den eigenen Arbeitgeber spricht, dürfte kaum haltbar sein", hieß es am Montag von einem der größten Aktionäre des Instituts. Ein anderer Großinvestor äußerte sich ähnlich.

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Doch darf jemandem überhaupt gekündigt werden, wenn er oder sie schlecht über den Arbeitgeber spricht? "Die Rechtsprechung ist da vergleichsweise großzügig", sagt Petra Resing, Fachanwältin für Arbeitsrecht von der Wirtschaftskanzlei Kümmerlein, zum SPIEGEL. Solange die Kritik unter die Meinungsfreiheit fällt und nicht die Grenze zur Schmähkritik überschreitet, bei der die Diffamierung des Arbeitgebers im Vordergrund steht, habe ein Arbeitnehmer rechtlich nichts zu befürchten.

Wer mit Kollegen über das Unternehmen oder den Chef herzieht, müsse in der Regel nicht mit Konsequenzen rechnen. "Wenn ich davon ausgehen kann, dass nur ein kleiner, vertraulicher Kreis meine Äußerungen zu hören bekommt, bei dem ich sicher sein kann, dass er meine Äußerungen vertraulich behandelt, muss ich weder mit einer Abmahnung noch mit einer Kündigung rechnen", sagt Resing. Das sei auch der Fall, wenn das Gespräch dann doch ausgerechnet vom Chef belauscht wird.

"Lügen gehören nicht zur Meinungsfreiheit"

"Allerdings gilt das Rücksichtnahmegebot, das Mitarbeiter zur Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber verpflichtet", sagt Resing weiter. Seinem Arbeitgeber absichtlich zu schaden, ist demnach nicht zulässig. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn der Aktienkurs eines Unternehmens wegen der Äußerungen eines Mitarbeiters sinkt.

"Auch Lügen sind durch die Meinungsfreiheit nicht gedeckt", sagt Resing, egal, ob der Vorstand sie erzählt oder ein einfacher Angestellter.

Das sei im Fall Hammonds jedoch nicht der Fall. "Für eine Kündigung, über die Medien berichtet haben, reicht die Kritik meiner Meinung nach nicht aus", sagt die Anwältin. Grund zum Aufatmen gibt es allerdings nicht. Hammonds Vertrag läuft nur noch bis zum kommenden Jahr. Normalerweise beginnen die Gespräche über eine Verlängerung des Engagements von Vorständen etwa ein Jahr im Voraus. "Statt eine Kündigung auszusprechen, könnte die Deutsche Bank Hammonds Vertrag wegen der Äußerungen auslaufen lassen. Das wäre rechtlich unumstritten."

Mit Material von Reuters
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