Berufstätige Eltern Was tun, wenn das Kind krank ist?

Eigentlich müssten Vater und Mutter zur Arbeit, aber das Kind hat Fieber und kann nicht in die Kita. Darf ein Elternteil dann einfach zu Hause bleiben? Und wie lange? Hier sind die Antworten.

Eine Mutter kontrolliert mit einem Fieberthermometer die Temperatur ihrer erkälteten Tochter (Symbolbild)
Patrick Pleul/ DPA

Eine Mutter kontrolliert mit einem Fieberthermometer die Temperatur ihrer erkälteten Tochter (Symbolbild)

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Eben war noch alles gut, doch plötzlich ist das Kind krank. Fieber, Husten, Übelkeit - und dann haben viele Eltern ein Problem: Das Kind muss zu Hause bleiben, und sie können nicht zur Arbeit gehen. An welche Regeln müssen sie sich dann halten? Und welche Rechte stehen ihnen zu? Wichtige Fragen und Antworten im Überblick:

Darf ein Arbeitnehmer zu Hause bleiben, wenn das Kind erkrankt ist?

Unter bestimmten Umständen: ja. "Dabei ist jedoch zunächst zwischen dem Recht auf Fernbleiben von der Arbeit und dem Anspruch auf Fortzahlung der Vergütung zu unterscheiden", sagt der auf Arbeitsrecht spezialisierte Jurist Daniel Brügger.

Das Recht eines Arbeitnehmers, zu Hause zu bleiben, wenn sein Kind krank ist, ergibt sich aus Paragraf 45 Abs. 3 SGB V. Demnach darf eine Mutter oder ein Vater der Arbeit fernbleiben, wenn ein Kind nach Auffassung eines Arztes zu Hause betreut werden muss.

Bekommen Eltern an den Fehltagen Geld?

Eltern, die ihr krankes Kind zu Hause betreuen, haben unter Umständen Anspruch auf die Zahlung von Krankengeld. Dieser Anspruch ist pro Kind auf zehn Arbeitstage - bei Alleinerziehenden auf 20 Arbeitstage - begrenzt. "Zu beachten ist dabei, dass der Anspruch auf Zahlung von Krankengeld nur dann besteht, wenn für die Zeit der Erkrankung des Kindes kein Entgelt vom Arbeitgeber gezahlt wird und wenn das Kind das zwölfte Lebensjahr nicht überschritten hat", sagt Brügger.

Obwohl im Arbeitsrecht der Grundsatz "Ohne Arbeit kein Lohn" gilt, ist der Arbeitgeber eigentlich zur Fortzahlung der Vergütung verpflichtet, wenn der Angestellte mit einem kranken Kind zu Hause bleiben muss. Dieser Anspruch ergibt sich aus Paragraf 616 BGB. Der Arbeitnehmer muss sich grundsätzlich nicht auf das Krankengeld verweisen lassen, auch wenn dies laut Brügger in der Praxis wohl mittlerweile zum Regelfall geworden ist.

Dabei gelte auch keine starre Grenze von zwölf Jahren. "Es kommt vielmehr auf den jeweiligen Einzelfall und die Betreuungsbedürftigkeit des Kindes an", sagt der Rechtsanwalt. Höchstrichterlich ungeklärt sei hier auch noch die Frage, ob die Fortzahlungspflicht des Arbeitgebers in Arbeitsverträgen ausgeschlossen werden kann.

Wie lange darf ich zu Hause bleiben, wenn das Kind krank ist?

Im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung darf bei verheirateten Paaren jeder Elternteil jährlich maximal zehn Tage zu Hause bleiben, um sich um das erkrankte Kind zu kümmern. Bei mehr als zwei Kindern sind es insgesamt maximal 25 Tage.

Alleinerziehenden stehen maximal 20 Arbeitstage pro Kind zu. Bei mehreren Kindern darf der Angestellte der Arbeit pro Kalenderjahr insgesamt maximal 50 Tage fernbleiben. Im Falle einer unheilbaren Erkrankung des Kindes, dürfen Arbeitnehmer unbegrenzt unbezahlten Urlaub nehmen.

Gesetzlich ist die exakte Dauer dieses Anspruchs gegen den Arbeitgeber aber nicht festgelegt. Laut Paragraf 616 des BGB dürfen die Fehltage nur eine "verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit" ausmachen. "Starre Grenzen gibt es dabei nicht. In einer älteren Entscheidung hat das Bundesarbeitsgericht sogar mal eine Dauer von sechs Wochen als verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit eingestuft", sagt Brügger.

Sofern im Einzelfall die Grenzen des Paragrafen 616 BGB oder des Paragrafen 45 SGB V überschritten werden, entfällt der Anspruch auf Entgeltfortzahlung beziehungsweise Krankengeld.

Muss ich die Krankheit meines Kindes nachweisen?

Ja, der Arbeitgeber hat Anspruch auf einen Nachweis, der belegt, dass das Kind pflegebedürftig ist. Wie auch bei der eigenen Erkrankung gilt: Der Arbeitnehmer muss dem Arbeitgeber den Grund für sein Fernbleiben nennen und gegebenenfalls auch schriftlich belegen.

Was passiert, wenn das Kind länger krank ist?

Das Kind ist krank, die Fehltage sind aufgebraucht - und nun? Tatsächlich kann der Arbeitnehmer in dieser Situation nur auf einen verständnisvollen Chef hoffen. In der Regel einigen sich beide Parteien darauf, dass der Angestellte aus dem "Home Office" arbeitet. Sollte sich der Arbeitgeber darauf nicht einlassen, bleibt dem Elternteil nichts anderes übrig, als Urlaub zu nehmen. Sich unrechtmäßig selbst krankzumelden, könnte eine Kündigung zur Folge haben.

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Aha!11!eins 26.08.2019
1. toller Artikel, aber da fehlt etwas
Es gibt Kinder, die sind länger als nur ein paar Tage oder Wochen krank. Und nicht zuhause, sondern im Krankenhaus. Ich denke da an seltenere Erkrankungen wie z.B. Leukämie. Was dann, wenn beide Eltern in Vollzeit berufstätig sind? Da hängen unter Umständen Existenzen dran und der Gesetzgeber hat keine vernünftige Lösung parat.
nh_nutzer 26.08.2019
2. @1: Na klar gibt es dafür eine Lösung
[Zynismus] Der Staat hat mit dem etablierten Leitsatz "keine Arbeit, kein Lohn" alles sauber austariert. Wenn man wegen seinem kranken Kind zu Hause (oder im Krankenhaus) bleiben muss und niemand weiß, ob das Kind je sozialiversicherungspflichtig arbeiten gehen wird, wird man einfach im Stich gelassen. Das fühlt sich ungerecht an, sicherlich. Doch es ist die Lösung des Problems. Einziger Ausweg: Ihr identifiziert das Kind kurzer Hand zu einer systemkritischen Bank um. Dann müsst ihr euch auch nicht das Geheul der Kollegen anhören, die mal wieder rummosern, dass ihr neben euren 30 Tagen Urlaub ja noch lässige 20 Tage "Kindkrank feiern" dürft. [/Zynismusende] Was mir an dem Artikel nicht gefällt. Er weckt das Gefühl, dass wir Eltern ja noch ordentlich Unterstützung erhalten, wenn wir uns mit Kindkrank "zu Hause ausruhen". Die Realität sieht aber anders aus. Kaum ein Arbeitgeber zahlt Geld für diese Tage. Und um es mal realistisch darzustellen: Eine Allerweltserkrankung eines 2 Jahre alten Kindes von 5 Tagen, bedeutet, dass 25% des Bruttogehaltes in dem Monat vom AG einbehalten werden. Macht bei 3500€ (bundesdurchschnitt) 875€. Die zahlt die Krankenkasse dann zu 65% aus. 315€ Brutto, also ca 150 bis 170€ Netto fehlen dann in der Kasse, nur weil Junior wieder alles in den Mund stecken musste. Das wird weniger, wenn man weniger verdient, aber dadurch natürlich noch schmerzhafter. Ich kann verstehen, dass manche Eltern da an ihre grenzen kommen. Denn nicht jeder kann HomeOffice vereinbaren. Manche Menschen haben ja richtige Jobs, die nicht vom Büroaus die Welt verändern, sondern Anwesenheit erfordern.
sumse123 26.08.2019
3. es fehlt auch:
die private Krankenversicherung. Da ist nämlich Asche mit 10 Tagen Anspruch! Und bei meinem AG auch nüscht mit Lohnfortzahlung ... unbezahltes Fernbleiben sozusagen :-(
kika2012 26.08.2019
4. Was ein Luxus
bis letztes Jahr gab es in Lux 2 Tage im Jahr pro Kind...
herm16 26.08.2019
5. schämt sich
eigentlich niemand. Da ist das eigene Kind krank und hier wird von Geld geredet.
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