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Corona-Kinderkrankentage So kommen Sie an Ihr Geld

Eltern dürfen dieses Jahr deutlich mehr Tage freinehmen, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Wie viele stehen wem zu, wer kann sie beantragen und wer zahlt den Verdienstausfall? Hier die wichtigsten Antworten.
Job und Familie an einem Tisch: Für viele Menschen während der Coronakrise eine unlösbare Aufgabe

Job und Familie an einem Tisch: Für viele Menschen während der Coronakrise eine unlösbare Aufgabe

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Laptop auf dem Küchentisch, Zoom-Meeting auf dem Bildschirm, daneben quengelnde Kinder, auf dem Herd das Mittagessen: Homeoffice kombiniert mit ganztägiger Kinderbetreuung überlastet viele Familien. Daher hat die Bundesregierung Anfang Januar beschlossen, die Kinderkrankentage während der Corona-Pandemie radikal zu erhöhen.

Wem steht das Kinderkrankengeld zu? Wie viele Tage darf man nehmen? Und bis wann gilt die neue Regelung? Die wichtigsten Antworten.

Was sind Kinderkrankentage und wann darf man sie nehmen?

Als Kinderkrankentage wird eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen bezeichnet, nach der sich Eltern von ihrer Arbeit freistellen lassen können, um ein Kind im Krankheitsfall zu pflegen. Während der Coronakrise wurde diese Definition jedoch erweitert: Eltern dürfen nun auch Kinderkrankentage nehmen, wenn sie schlicht keine Betreuungsmöglichkeit für ihr Kind haben.

Dies ist zum einen der Fall, wenn die Kita oder Schule des Kindes pandemiebedingt geschlossen ist – aber auch wenn die örtlichen Behörden Eltern trotz geöffneter Kitas darum bitten, ihre Kinder möglichst zu Hause zu betreuen.

Gilt die Regel auch, wenn man im Homeoffice arbeitet?

Ja. Das Bundesgesundheitsministerium teilte in einer Pressemitteilung  mit: »Auch Eltern, die im Homeoffice arbeiten (könnten), haben bei entsprechendem Kinderbetreuungsbedarf die Möglichkeit, stattdessen Kinderkrankengeld zu beantragen.«

Wie viele Kinderkrankentage kann man einreichen?

Normalerweise stehen jedem Elternteil pro gesetzlich krankenversichertem Kind zehn Tage Kinderkrankengeld zu. Dies wurde auf 20 Tage verdoppelt. Bei mehreren Kindern hat jeder Elternteil insgesamt einen Anspruch auf maximal 45 Arbeitstage.

Beispiel: Bei einer Familie mit zwei Elternteilen und drei Kindern könnten die Eltern insgesamt 90 Arbeitstage – also knapp vier Monate – freinehmen.

Was ist mit Teilzeit?

Können in Teilzeit arbeitende Personen genau so viele Kinderkrankentage nehmen wie Vollzeitbeschäftigte? Obwohl gerade Eltern häufig in Teilzeit arbeiten, ist dieser Fall gesetzlich nicht ganz eindeutig definiert. Arbeitsrechtsanwalt Olaf Sauer sagte gegenüber dem SPIEGEL, im Gesetz sei von Arbeitstagen die Rede – es werde also jeder Tag gezählt, an dem eine Arbeitspflicht bestehe.

Schwierig sei jedoch, dass bei den Krankenkassen nur volle Tage abzurechnen sind. »Ein Problem ist die Freistellung für halbe Tage, die im Gesetz nicht vorgesehen ist«, sagt Sauer. Das betrifft unter anderem Eltern, die normalerweise Vollzeit arbeiten, momentan aber halbtags die Kinder betreuen müssen – beispielsweise, weil die Großeltern sich nur nachmittags um die Kinder kümmern können.

Selbst der Fachanwalt findet hierfür keine einfache Lösung: »Für solche Fälle – die bei Familien durchaus nicht unüblich sind – müssen Arbeitgeber und -nehmer kreative Lösungen im Rahmen flexibler Arbeitszeiten finden, um der konkreten Situation gerecht zu werden«, sagt Sauer. Hier sollte das Gesetz dringend nachgebessert werden, so der Anwalt.

Kann man ungenutzte Tage an den anderen Elternteil überschreiben?

Gesetzlich besteht darauf kein Anspruch. Das Bundesgesundheitsministerium rät in einem solchen Fall, das Gespräch mit dem Arbeitgeber des Elternteils zu suchen, der die Kinderkrankentage bereits ausgeschöpft hat. Sollte der Arbeitgeber einverstanden sein, könnten ungenutzte Tage des einen Elternteils auf den anderen übertragen werden.

Wie viele Kinderkrankentage bekommen Alleinerziehende?

Wer das alleinige Sorgerecht hat oder sich nachweisbar alleinstehend um seine Kinder kümmert, hat normalerweise Anspruch auf 20 Tage pro Kind, unter den Corona-Bedingungen sind es nun 40 Tage. Bei mehreren Kindern haben Alleinerziehende insgesamt einen Anspruch auf maximal 90 Arbeitstage.

Für welchen Zeitraum gilt die Regelung?

Die neue Regel ist für das gesamte Jahr 2021 vorgesehen und gilt rückwirkend ab dem 5. Januar 2021.

Was ist mit Schulferien?

Wurden Ferien durch die Pandemie verlängert oder außerplanmäßig beschlossen, gilt in diesem Zeitraum ebenfalls Anspruch auf das Kinderkrankengeld. Für reguläre Ferienzeiten ist dies nicht der Fall.

Wie viel Kinderkrankengeld bekommt man?

Das Kinderkrankengeld beträgt etwa 90 Prozent des ausgefallenen Nettolohnes. Hat man in den vorigen zwölf Monaten Einmalzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld bekommen, kann der Betrag sogar zwischen 90 und 100 Prozent des Nettogehaltes liegen.

Wer kann das Kinderkrankengeld beantragen?

Grundsätzlich alle Berufstätigen, die genau wie die betroffenen Kinder gesetzlich versichert sind und bei denen keine im Haushalt lebende Person die Kinderbetreuung übernehmen kann.

Für folgende Gruppen gelten gesonderte Regeln:

  • Privatversicherte: Ist ein Kind über einen privat versicherten Elternteil krankenversichert, hat keiner der beiden Elternteile Anspruch auf das Kinderkrankengeld – auch nicht der gegebenenfalls gesetzlich versicherte Partner. Für privat Krankenversicherte gibt es die Möglichkeit einer Entschädigung für Verdienstausfall nach dem Infektionsschutzgesetz .

  • Selbstständige: Wer hauptberuflich selbstständig und gesetzlich krankenversichert ist, kann nur dann das Kinderkrankengeld beantragen, wenn im Versicherungsschutz ein Anspruch auf das reguläre Krankengeld besteht.

  • Beamte: Für Bundesbeamte gilt ebenfalls ein Anspruch auf die erweiterten Kinderkrankentage. Über die Regelung für Landesbeamte entscheiden die einzelnen Landesbehörden.

  • 450-Euro-Jobber: Eltern mit geringfügig entlohnter Beschäftigung haben leider keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld, da sie nicht krankenversicherungspflichtig sind. Sie haben jedoch Anspruch auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit.

  • Personen in Kurzarbeit: Auch während der Kurzarbeit steht gesetzlich Versicherten das Kinderkrankengeld zu. Aber: Kurzarbeitergeld und Kinderkrankengeld dürfen nicht gleichzeitig bezogen werden.

Wie beantragt man das Kinderkrankengeld?

Der Antrag läuft direkt über die jeweilige gesetzliche Krankenkasse. Die Kassen haben auf ihren Webseiten bereits Formulare für die neue Regelung zum Download bereitgestellt.

Welche anderen finanziellen Möglichkeiten gibt es für berufstätige Eltern?

Alle Eltern haben unabhängig vom Kinderkrankengeld zusätzlich einen Anspruch auf Corona-Sonderurlaub und damit verbundene Verdienstausfallzahlungen nach Paragraf 56 Absatz 1a des Infektionsschutzgesetzes.

Dies umfasst bis zu zehn Wochen pro Elternteil und bis zu 20 Wochen bei Alleinerziehenden. Allerdings beträgt die Entschädigung nur etwa 67 Prozent des Nettogehaltes und ist bei 2016 Euro pro Monat gedeckelt.

Und: Bezieht ein Elternteil Kinderkrankengeld – und kann somit die Betreuungsarbeit leisten –, ruht der Anspruch auf die Verdienstausfallzahlung.