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Spaß im Büro: Firmen helfen bei Kita-Platz-Misere

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Kita und Beruf Krise am Betreuungsstandort Deutschland

Kind da, aber keine Kita: So ist es oft aussichtslos, Familie und Beruf zu koordinieren. Immer öfter springen Unternehmen ein und suchen für die Kinder von Mitarbeitern nach Betreuungsplätzen. Hilft das nicht, können Eltern auf Unterstützung vom Amt pochen.

Es klingt wie ein Paradies. 1300 Quadratmeter zum Fangen spielen, Höhlen bauen und Papierflieger basteln. Mit einem Atelier, einer Werkbank und einem Entspannungsraum. Der neue Betriebskindergarten vom Crème-Konzern Beiersdorf in Hamburg, Ende des Jahres soll er fertig sein. Platz genug für hundert Kinder von Mitarbeitern.

Für ein Unternehmen ist das ein großer Schritt. An der bundesweiten Kita-Misere ändert sich derweil wenig: Schon ab 1. August sollten alle Kinder im Alter zwischen ein und drei Jahren einen Kita-Platz bekommen, die einen brauchen. Das war zumindest der Plan des Kinderförderungsgesetzes, das die Bundesregierung 2008 verabschiedete. Es hätte so schön werden können - aber dass dieser Rechtsanspruch zum 1. August reine Theorie ist, ist inzwischen allgemein bekannt. 220.000 Plätze zu wenig waren es am Stichtag 1. März 2012, rechnete das Statistische Bundesamt vor.

Eltern müssen also nach Alternativen suchen, um Job und Familie unter einen Hut zu kriegen - und finden sie häufig beim Arbeitgeber. Die Wirtschaft hat längst erkannt, dass sie die Sache selbst in die Hand nehmen muss, um sicherzustellen, dass ihre Angestellten pünktlich ihren Dienst beginnen und in Ruhe arbeiten können. Siemens etwa ist das bis zu 500 Euro Zuschuss zu den Betreuungskosten pro Monat und Kind wert. Und nicht nur Beiersdorf baut Kitas - die Zahl der betrieblichen Tageseinrichtungen für Kinder steigt seit Jahren, im März 2012 gab es laut Statistischem Bundesamt 586; vor fünf Jahren waren es gerade mal 334.

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"Jedes Unternehmen steckt viel Geld in die Ausbildung guter Leute. Das aufzugeben, weil jemand nach einigen Jahren im Unternehmen eine Familie gründet, wäre richtig teuer und daher kaum sinnvoll", sagt Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in Dortmund. Er rät daher Müttern und Vätern ohne Betreuungsplatz, einfach mal mit dem Chef zu reden. Oft gebe es in den Unternehmen bereits Möglichkeiten, die Arbeitszeiten zu flexibilisieren, sei es über Homeoffice oder Gleitzeiten. "Es muss natürlich in den Betriebsablauf passen", aber häufig lasse sich der Betrieb auf mehr ein, als Eltern zunächst denken.

Platz-Sharing bei der Tagesmutter

Manchmal helfen Unternehmen sogar bei der Suche nach Betreuungsplätzen - und engagieren Dienstleister, etwa Margit Werner, die beim privaten Familiendienstleister PME für Norddeutschland nach freien Plätzen fahndet. Dass Betriebe Kitas häufig nicht mehr nur für das eigene Personal bauten, sagt sie, käme allen entgegen. "Das gängigste Modell ist, dass Firmen den Bau von Kitas unterstützen und dann gewisse Kontingente an Belegplätzen reservieren", sagt Werner. Die freien Plätze stünden dann der Allgemeinheit zur Verfügung.

Inzwischen setzen sich auch kreative Mischlösungen durch. In der Gruppe der Bonner Tagesmutter Brigitte Trofenik teilen sich zum Beispiel mehrere Eltern einen Platz: "Viele Firmen haben es lieber, wenn Teilzeitkräfte zweieinhalb volle anstatt fünf halbe Tage arbeiten", sagt sie. Sie bietet deshalb Platz-Sharing für Teilzeitkräfte an. Ein Kind kommt vom Montag bis Mittwoch, das Kind der anderen Eltern von Donnerstag bis Freitag. Dabei habe es bei den Eltern nie Probleme mit der Abstimmung gegeben.

Förderung beim Lückenstopfen

Dass der Einsatz der Wirtschaft aus der Kita-Platz-Misere helfen kann, hat auch der Bund kapiert und zwei große Förderprogramme aufgelegt. So können Unternehmen im Rahmen des Programms "Betriebliche Kinderbetreuung " eine Anschubfinanzierung für bis zu zwei Jahre beantragen, wenn sie zusätzliche betriebliche Kinderbetreuungsplätze einrichten. Dabei unterstützt das Bundesministerium für Familie jeden neu geschaffenen Ganztagsbetreuungsplatz mit 400 Euro im Monat. Bedingung ist, dass sich der Arbeitgeber selbst mit mindestens 250 Euro monatlich an den Betriebskosten beteiligt.

Ist Arbeitgebern das eine Nummer zu groß, können sie auch im kleineren Rahmen neue Plätze schaffen und von öffentlicher Förderung profitieren: Für die Festanstellung einer Tagesmutter oder eines Tagesvaters bietet das "Aktionsprogramm Kindertagespflege" staatliche Hilfen an. Welche Variante für den eigenen Betrieb die passende ist, lässt sich online über einen Förderlotsen  ermitteln, der nach Kriterien wie Alter der Belegschaft oder Größe des Unternehmens sucht.

Übrigens: Hilft die Firma doch nicht, können sich Eltern auch an das Jugendamt ihrer Stadt wenden, um einen Tagesvater oder eine Tagesmutter zu finden. Denn öffentlich unterstützte Tagespflege gehört neben klassischen Kita-Plätzen ab August zum Rechtsanspruch.

Marco Engemann, dpa/Katja Fels, dpa/hae