Medizinberufe Ärztepräsident fordert Frauenquote für Chefposten

Mit einer Frauenquote will der neue Ärztepräsident Klaus Reinhardt Frauen die Karriere in der Medizin erleichtern. Er sprach sich zudem dafür aus, den Arztberuf familienfreundlicher zu machen.

Jens Büttner/ dpa-Zentralbild/ DPA

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat sich für eine Frauenquote in medizinischen Führungspositionen ausgesprochen. "Ich bin dafür", sagte Reinhardt in Bezug auf eine festgeschriebene Frauenquote für Chefarztstellen im Krankenhaus den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Dass die Klinikchefs vielerorts noch immer männlich seien, obwohl seit Jahren mehr Frauen als Männer ein Medizinstudium aufnehmen, hält Reinhardt aber nicht für ein reines Branchenproblem. "Das ist kein Problem, das auf die Medizin beschränkt ist", sagte Reinhardt. Mit dem Thema müssten sich aber vor allem Politik und Arbeitgeber beschäftigen.

Reinhardt plädierte zudem dafür, den Arztberuf familienfreundlicher zu machen. Männer würden zwar mittlerweile mehr familiäre Aufgaben übernehmen, Frauen könnten meist aber nur schwer in Vollzeit arbeiten, wenn die Kinder noch klein sind, so Reinhardt.

An der Forderung nach einer Frauenquote gibt es unter Medizinern auch Kritik. In einem SPIEGEL-Interview hatte sich Claudia Schmidtke, Professorin für Herzchirurgie und CDU-Bundestagsabgeordnete, für eine "Männerquote für Medizinstudenten" ausgesprochen.

Zwei Drittel der Studienanfänger seien laut Schmidtke weiblich, was am vielerorts hohen Numerus clausus von 1,0 liege. Frauen hätten in der Regel zwar die besseren Abiturnoten, könnten als Mütter später aber oft nur in Teilzeit arbeiten. Würden künftig nicht mehr Männer an den Hochschulen zugelassen, drohten laut Schmidtke "existenzielle Versorgungsprobleme".

fek/dpa



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taglöhner 21.06.2019
1. Persönliche Statistik
Nur mal soviel: Zu meinem Verwandtschafts, Freundes- und engen Bekanntenkreis gehören mehr als ein Dutzend Ärzte, von denen fast die Hälfte von der (physischen) Wirksamkeit der Homöopathie fest überzeugt ist und mehrere davon noch weitaus haarsträubendere knallharte Esoterik anbieten. Kein Witz: Es handelt sich dabei um alle Frauen.
trumx 21.06.2019
2. Ich habe nicht vor
Chef zu werden, aber Quoten führen nur zu Fehlbesetzungen. Geradeb z. B. In der chirurgie, wo Frauen aufgrund des Anforderungsprofils an Chirurgen doch noch weniger gestreut sind, wäre das fatal. In meiner (großen) Klinik gibt es keine Chirurgin aktuell, die als Chef gut geeignet wäre. Nein danke
butzibart13 21.06.2019
3. Eine interessante Idee
So wie ich gehört habe, soll Herr Reinhardt auch angeregt haben, Patienten, die ihren Arzt aus sinnlosen Gründen immer wieder "belästigen", an den Kosten zu beteiligen, um einfach für die wirklich Kranken mehr Zeit zu haben.
ctrader62 21.06.2019
4. Auswahl des Arztes nach Proporz ?
Wird dann bei einer fälligen Notoperation ausgekungelt, ob das letzte Mal ein Mann operiert hat und ob auch ein Homosexueller schon dran war und muss ich dann stundenlang warten, bis der Proporz ausgiebig dokumentiert wurde und der Frauenbeauftragte und der Betriebsrat zugestimmt haben und dann auch ein Arzt mit den entsprechenden für die Aufgabe qualifizierenden Eigenschaften verfügbar ist ? So langsam geht mir das Gejammer, dass Frauen so schrecklich unterdrückt und chancenlos sind, gehörig auf den Senkel. Was ist denn mit der abenteuerlichen Diskriminierung der Männer in der Pflege, die gibt es dort kaum. Währenddessen huldigen Zig-Millionen Frauen dem Papst und der katholischen Kirche, die Frauen entgegen ihren verfassungsgemäß garantierten Rechten als wertlos und rechtlos für bestimmte Aufgaben einordnet und das mit tatkräftiger Unterstützung aller Ministerinnen auch gnadenlos durchsetzt. Irgendwo kann ich den ganzen Zirkus nicht mehr wirklich nachvollziehen. Aber natürlich ist das auch eine perfekte Show um die Menschen abzulenken von den Problemen, die unsere Gesellschaft wirklich gefährden könnten.
freigeistiger 21.06.2019
5. Wo ist die Benachteiligung?
Es gibt eine unbestreitbare zahlenmäßige Ungleichheit. Was sind die Gründe? Eine Quote ist nur bei Benachteiligung als Ausgleich gerechtfertigt. Wissenschaftliches, kausale, Argumentieren sollte Ärztinnen und Ärzten vertraut sein.
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