Kleine Riesen Klick, klick, klick zum Weltmarktführer

Verflixt und zugeknöpft - aus einer so simplen wie nützlichen Idee hat ein Familienunternehmen ein internationales Imperium geschaffen. 15 Millionen Druckknöpfe verkauft die Stolberger Firma Prym an Modelabels in aller Welt - jeden Tag. Erfunden hat's ein Kupfermeister vor über 100 Jahren.

DPA

Er ist klein, unscheinbar, aber unverzichtbar: der Druckknopf. Seit über 100 Jahren hält er zusammen, was zusammengehört. "Die Funktion ist unerreicht", sagt Prym-Chef Andreas Engelhardt. Die Wahrscheinlichkeit, einen Prym-Knopf an seinen Klamotten zu haben, ist relativ hoch. In dem Stolberger Werk nahe Aachen rauschen täglich 15 Millionen Druckknöpfe aus ratternden Maschinen. Das Familienunternehmen sieht sich als Weltmarktführer. Der japanische Konkurrent YKK teilt keine Zahlen zum Klick-Knopf mit.

Erfunden hat den Druckknopf 1885 der Stuttgarter Heribert Bauer, "um das Öffnen und Schließen der Herrenhosen beim Latz zu vereinfachen", wie es in der Patentschrift hieß. Erste Prototypen versagten, es kam zu peinlichen Situationen. Erst als Kupfermeister Hans Prym 1903 den Druckknopf mit einer Feder ausstattete und damit zuverlässig und handhabbar machte, war das der Schlüssel zum Weltruhm.

Mit Druckknöpfen, Reißverschlüssen, Ösen, Nieten, Knöpfen und Hosenträgern macht Prym einen Jahresumsatz von 120 Millionen Euro. Weitere 240 Millionen Euro erwirtschaftet das Unternehmen mit Nadeln, Miederzubehör, Nähkästen und Hight-Tech-Bauteilen für Mikroelektronik.

Nostalgieknöpfe mit rostiger Optik

Das nach eigenen Angaben älteste industrielle Familienunternehmen Deutschlands stellt schon seit 1642 Metallwaren her. Heute beschäftigt die Firma in mehr als 60 Ländern 3900 Menschen, davon 1400 Mitarbeiter in Deutschland. Die Druckknöpfe werden komplett in Deutschland produziert. Zu Pryms Kunden gehören Modelabel aus aller Welt. Die Namen verrät Prym-Chef Engelhardt nicht, Verträge verpflichten ihn zur Verschwiegenheit.

Jeder Kunde darf sich seinen persönlichen Druckknopf zusammenstellen. Da ist zum Beispiel der S-Feder-Druckknopf "aus hochwertigem Bronze-Federdraht": liegt dicht am Gewebe, eignet sich auch für dünne Stoffe. Wer es robuster mag, greift zum Ring-Feder-Druckknopf: für dicke Stoffe gedacht, schließt besonders fest. Den Zackenring-Druckknopf gibt es auch in einer "Edelstahl-Rostfrei-Ausführung", ideal für Outdoor-Kleidung. Freie Wahl haben die Kunden beim sichtbaren Teil des Druckknopfes, den "Fashion Kappen".

Ein Jeanshersteller wollte Knöpfe, die so aussehen, "als hätten wir sie nach 150 Jahren aus der Erde gegraben", erzählt Engelhardt. Nostalgische Anmutung mit rostiger Optik - das ist bei Prym ein Expertenjob für die Oberflächenbeschichter. Sie bringen die Knöpfe wahlweise zum Funkeln oder zum Rosten.

Das barocke Verwaltungsgebäude der Firma sieht betulich aus, doch das Geschäft ist schnell geworden. Von der Idee bis zur Auslieferung dauert es in der Regel vier Wochen. Der schnelle Kollektionswechsel, die Vielfalt der Systeme, das sieht Prym als große Anforderung an Material, Logistik und Schnelligkeit.

Elke Silberer, dpa/vet



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