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09. September 2019, 16:29 Uhr

Fliesenleger und Orgelbauer

Koalition plant Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Berufen

Seit 2004 brauchen selbstständige Fliesenleger oder Orgelbauer keinen Meisterbrief mehr. Jetzt soll eine Arbeitsgruppe der schwarz-roten Koalition darüber beraten, für welche Berufe die Reform zurückgedreht wird.

In einigen Handwerksberufen wie Fliesenleger, Orgelbauer oder Raumausstatter könnte die Meisterpflicht wieder eingeführt werden. Man wolle damit ein wichtiges Vorhaben des Koalitionsvertrags umsetzen, teilten Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann und SPD-Fraktionsvize Sören Bartol in Berlin mit.

"Wir sind davon überzeugt, dass der Meisterbrief im deutschen Handwerk die beste Garantie für Qualitätsarbeit, Verbraucherschutz, Leistungsfähigkeit und Innovationskraft liefert", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

Linnemann und Bartol wollen einer Koalitionsarbeitsgruppe vorschlagen, für zwölf Gewerke die Meisterpflicht wieder einzuführen. Darunter sind die Berufe Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Parkettleger, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Raumausstatter sowie Orgel- und Harmoniumbauer. Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, sollen einen Bestandsschutz erhalten und ihr Handwerk auch weiterhin selbstständig ausüben dürfen.

Wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet, wollten sich Linnemann und Bartol an diesem Montag mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier treffen, um zu besprechen, für welche Handwerksberufe der Meistertitel wieder gelten soll. Am Dienstag wolle dann die Arbeitsgruppe der Koalition dazu beraten.

Handwerkspräsident warnt vor Marktverzerrungen

Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen. Mit der Reform der Handwerksordnung wollte die Bundesregierung damals einfachere Tätigkeiten für Selbstständige öffnen. Der Zentralverband des Handwerks dringt seit Langem auf eine Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hatte wiederholt vor Marktverzerrungen gewarnt.

Bei der Wiedereinführung der Meisterpflicht sollen Vorgaben des deutschen Verfassungsrechts und des Europarechts eingehalten werden, betonten Linnemann und Bartol. "Unser Ziel ist mehr Qualität für die Kundschaft und mehr Nachwuchs im Handwerk durch eine bessere Ausbildung."

Im Februar hatte sich bereits der Bundesrat für eine Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Handwerksberufen ausgesprochen. Die Länderkammer hatte einem entsprechenden Antrag Bayerns zugestimmt, in dem die Bundesregierung gebeten wird, den verpflichtenden Meisterbrief in allen Handwerken wieder einzuführen, bei denen es fachlich geboten und europarechtlich möglich sei.

lov/dpa

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