Schwächere Konjunktur Arbeitnehmer machen weniger Überstunden

In deutschen Betrieben fallen laut einer Studie weniger Überstunden an. Als Grund sehen die Forscher vor allem die nachlassende Konjunktur.

Bürogebäude in Stuttgart: weniger Wachstum, weniger Überstunden
Werner Dieterich/ Westend61/ imago images

Bürogebäude in Stuttgart: weniger Wachstum, weniger Überstunden


In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben Beschäftigte in deutschen Betrieben weniger Überstunden gemacht als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das zeigt eine Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Bundesagentur für Arbeit gehört.

Demnach gingen die bezahlten und unbezahlten Überstunden pro Mitarbeiter und Quartal im Schnitt um 24 Minuten zurück. Von Januar bis März leistete jeder Beschäftigte nach Angaben des IAB durchschnittlich 6,4 bezahlte und sechs unbezahlte Überstunden. Das Institut beruft sich auf eine repräsentative Befragung von 30.000 Menschen.

Laut IAB-Arbeitsmarktforscher Enzo Weber hängt der Rückgang mit der generellen wirtschaftlichen Entwicklung zusammen: "Die Zahl der Überstunden geht mit der konjunkturellen Abschwächung seit dem vergangenen Jahr zurück", sagte er.

Insgesamt registrierten die Arbeitsmarktforscher im ersten Quartal knapp 261 Millionen bezahlte und 244 Millionen unbezahlte Überstunden. Im gleichen Zeitraum im vorherigen Jahr waren es noch 12,6 Millionen bezahlte und 12,8 Millionen unbezahlte Überstunden mehr gewesen.

Während die Summe der Überstunden zurückgegangen ist, ist die Gesamtarbeitszeit der Beschäftigten im ersten Quartal gewachsen. Im Vergleich zum ersten Quartal 2018 stieg sie um 1,5 Prozent auf 15,606 Milliarden Stunden. Dem IAB zufolge ist das auf die wachsende Zahl an Erwerbstätigen zurückzuführen.

faq/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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kp229 04.06.2019
1. Komische Logik des IAB
Weniger Überstunden sind nur dann eine Folge der abkühlenden Konjunktur, wenn insgesamt weniger Arbeitsstunden geleistet werden. Wenn dagegen von insgesamt mehr Beschäftigten auch mehr Arbeitsstunden geleistet werden, dürfte die geringere Zahl von Überstunden eher eine Folge davon sein, dass die Arbeit auf mehr Schultern verteilt wird.
alsterherr 04.06.2019
2.
ich hatte letztes Jahr mehr als 200 Überstunden .. gedankt hat es mir weder in Form von Geld noch Zeitausgleich mein Büro nicht. Also mache ich dieses Jahr Dienst nach Vorschrift.
Der Polt 04.06.2019
3. So so, die Konjunktur lässt also nach...
Vielleicht sollte sich unsere Noch-Kanzlerin ausnahmsweise und erstmals in ihrer Regentschaft mal mit dem Thema Wirtschaft befassen, anstatt mit ihrem klapprigen Regierungsflieger nach Boston zu fliegen, um sich dort vor Trump-kritischen Studenten selbst zu beweihräuchern. Die Erfahrung, dass das Bruttosozialprodukt nicht von selbst entsteht, sondern jeden Tag aufs neue erwirtschaftet werden muss, und dass der Staat dazu die richtigen Rahmenbedingungen setzen und falsche beseitigen muss, hat sie offenbar noch nicht gemacht. Von dem überforderten Ärmelhochkrempler PA will ich gar nicht reden. Und so gibt es mittlerweile zahlreiche Baustellen. Das Land fällt im internationalen Standortwettbewerb rapide zurück, die Unternehmenssteuern sind dringend reformbedürftig, die überbordende Bürokratie stranguliert jede wirtschaftliche Aktivität, die Energiekosten sind absurd hoch, analoge und digitale Infrastruktur ein Trauerspiel und dazu ein überforderter Wirtschaftsminister, der noch nie etwas von Ordo-Liberalismus gehört hat... Aber Hauptsache Fridays für Future
Renkin 04.06.2019
4. Keine Panik
Die Konjunktur schwächelt nicht, sie wächst nur etwas langsamer als erwartet. Ein Kind, das langsamer wächst, schrumpft schließlich nicht. Ist zwar kein Beweis für die Gesamtsituation, aber in meinem Umfeld kenne ich fast niemanden, der nicht ordentlich Überstunden machen müsste, teils auch mit sehr dubiosen Praktiken seitens der Firmen wie zB Mitarbeiter ausstempeln lassen, sie danach aber noch mal für eine Stunde ins Büro beordern. Solche "inoffiziellen" Überstunden tauchen nirgendwo auf und werden auch eher selten vergütet. Und wer Dienst nach Vorschrift macht, wird schief angesehen, so züchtet man zukünftige Burnout-Patienten.
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