Konkurrenz im Beruf Wenn der Kollege am Stuhl sägt

Im Job läuft's nicht mehr rund? Kursieren plötzlich Gerüchte über Sie, gehen wichtige Infos an Ihnen vorbei? Dann will Sie vermutlich jemand ausbooten. Wehren Sie sich!

Schlechte Stimmung unter Kollegen
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Schlechte Stimmung unter Kollegen

Von "Karrierebibel"-Autor Nils Warkentin


Fast jeder sägt ständig und überall an irgendeinem Stuhl. Es ist ein Vorgang, der im Berufsleben dazugehört. Schon gute Leistungen sind eine Form der gelebten Rivalität. Immerhin empfehlen Sie sich damit dauerhaft für eine höhere Position oder mehr Verantwortung, die aktuell noch von jemand anderem getragen wird.

In diesem Artikel geht es jedoch um Intrigen, um das systematische und vor allem absichtliche Ausbooten eines Kollegen. Ein Mitarbeiter streut negative Gerüchte und lässt Sie schlecht dastehen? Er oder sie übernimmt Stück für Stück Ihre Aufgaben und Projekte, stellt sich mit dem Chef besonders gut, sabotiert Ihre Ergebnisse oder gibt Informationen nicht weiter?

Sollte an Ihrem Stuhl gesägt werden, ist der erste Schritt die Erkenntnis, was gerade um Sie herum passiert. Selbst wenn Sie schon einige Jahre in Ihrem Job sind, bisher immer glücklich waren und Ihr Chef mit Ihren bisherigen Leistungen zufrieden war: Sie sind nicht davor gefeit, dass ein Kollege Sie und Ihren Posten zur Zielscheibe erklärt.

Was tun, wenn ein Kollege am Stuhl sägt?

Sie sind der Situation nicht hilflos ausgeliefert. Ihrem Kontrahenten drohen Konsequenzen: Wer versucht, durch Mobbing einen Kollegen oder sogar den Chef aus dem Unternehmen oder aus der Abteilung zu drängen, riskiert eine Abmahnung oder auch eine Kündigung.

Doch nicht immer lässt sich beweisen, dass sich ein Kollege böswillig verhält. Aber auch dann sind Sie nicht wehrlos. Hier sind einige Tipps gegen Angriffe aus der Kollegenschaft:

Werden Sie aktiv. Wahrscheinlich wird sich die Situation nicht von allein bessern und der Kollege wird nicht plötzlich zu der Erkenntnis gelangen, dass er Sie doch nicht loswerden will. Überlegen Sie sich, wie Sie sich zur Wehr setzen können und welche Optionen Ihnen zur Verfügung stehen, um zu zeigen, dass Sie sich nicht einfach so aus Ihrem Job drängen lassen.

Bauen Sie ein Netzwerk auf. Kollegen können zwar versuchen, Ihren Stuhl ins Wanken zu bringen. Umschmeißen kann ihn jedoch nur der Vorgesetzte, der die Personalentscheidungen trifft. Deshalb ist es wichtig, dass Sie ein Netzwerk mit Unterstützern aufbauen. Wenn der Chef Sie, Ihre Fähigkeiten und Ihren guten Ruf kennt, wird er keinen Anlass sehen, Ihre Position zu überdenken.

Überzeugen Sie durch Leistung. Für viele Vorgesetzte zählt vor allem die Performance. Können Sie damit überzeugen, geben Sie den Kollegen kaum eine Chance, Zweifel an Ihrer Eignung für die Stelle zu streuen.

Bieten Sie wenig Angriffsfläche. Achten Sie gerade jetzt darauf, keine Fehler zu machen. Der Kollege, der auf Ihren Job scharf ist, wird sicher dafür sorgen, dass auch der Chef nicht vergisst, dass Sie etwas verbockt haben. Trotzdem sind Fehler menschlich. Wenn Ihnen einer passiert, sollten Sie ihn durch Eigeninitiative ausbügeln und dem Chef das zufriedenstellende Endergebnis präsentieren. Das stärkt Ihre Position.

Sprechen Sie Intrigen offen an. Viele Intrigen leben davon, dass sie möglichst unauffällig ablaufen. Haben Sie mitbekommen, dass ein Kollege Sie schlechtredet oder sogar Ihre Arbeit manipuliert, suchen Sie den Dialog. Dies wirkt auf viele abschreckend, da sie gerade nicht die offene Konfrontation, sondern den Weg hintenherum suchen, um an ihr Ziel zu gelangen. Wer sich ertappt fühlt und Angst hat, bloßgestellt zu werden, lässt eher von seinem Vorhaben ab.

Schauen Sie sich nach Alternativen um. Dies sollte der letzte Ausweg sein, doch ist es nie verkehrt, einen Plan B zu haben. Wenn Sie merken, dass der Kollege mit seinen Bemühungen Erfolg zu haben scheint und der Chef sich davon beeinflussen lässt, kann Ihre Position tatsächlich in Gefahr sein. Wenn Sie dann vorbereitet sind, brauchen Sie dem alten Job keine Träne nachzuweinen. Ein Arbeitsplatz, an dem die Kollegen gegeneinander arbeiten und der Chef auf Tricks hereinfällt, ist ohnehin nicht der Ort, an dem Sie Karriere machen sollten.



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
spon-433-850r 23.10.2017
1. Der
letzte Tipp ist der sicherlich bedeutendste. Auch schon beim Berufseinstieg.
fatherted98 23.10.2017
2. Kommt drauf an...
....wenn der Chef hinter dem Mobber steht....hat man keine Chance. In der Regel sind solche Aktionen abgesprochen. Ansonsten kann man den Mobber auflaufen lassen....auf Dauer natürlich anstrengend.....und der Arbeit nicht förderlich.
freigeistiger 23.10.2017
3. falsche Ratschläge
Dass ist alles nur Verteidigung. Damit hat man schon verloren. Dass ist das beste Mittel für Burn Out und Depressionen. Erst einmal geht es darum, seine eigne Person zu schützen. Dafür müssen Kollegen auf Abstand gehalten werden. Bei ungebührlichem Verhalten und Grenzüberschreitungen sofort deutlich kurz die Grenzen aufzeigen. Sich keine Arbeiten aufhalsen lassen, und mit seinen Kräften haushalten. "Habe ich keine Zeit". Dass machen die "lieben" Kollegen alle durchweg auch. Wichtig ist die Meinungshoheit gewinnen. Also in Kontakt und im Gespräch mit den Kollegen und den Vorgesetzten bleiben um in deren Bewusstsein zu sein "Gesichtspflege".
ansv 23.10.2017
4.
Wichtig: Schauen Sie sich die Strukturen und vor allem den Chef genau an: Gehört der Chef zu denen, die jederzeit durch gezieltes Schulterklopfen zu beeindrucken sind oder sind Sie in einem Unternehmen gelandet in dem es schon Mobbingfälle gab hilft nur die Suche nach einem neuen Job.
spontanistin 23.10.2017
5. Jung gegen alt!?
Das alltägliche subtile Mobbing ist doch eher auch jung gegen alt. Die älteren Mitarbeiter wehren sich dann durch restriktive Weitergabe von Know-how und Stellen von Fallen. In Großkonzernen gilt nach wie vor die Regel, dass die Hälfte der Arbeitszeit für Maßnahmen zu Job Protection und Selbstdarstellung verbraten wird.
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