Krank im Job Ausgebrannt in den Ruhestand

Burnout mag ein Modethema sein, hat aber einen realen Hintergrund: Immer mehr Menschen können nicht mehr arbeiten, weil sie psychisch krank sind. Auch die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle ist gestiegen - hauptsächlich eine Folge des Aufschwungs.

Psychische Belastung im Beruf: Die Zahl der Fälle nimmt zu
Corbis

Psychische Belastung im Beruf: Die Zahl der Fälle nimmt zu


Immer mehr Menschen fallen wegen psychischer Probleme aus dem Job. Im Jahr 2010 ist ihr Anteil an Arbeitnehmern, die aus Gesundheitsgründen in Rente geschickt werden, auf rund 39 Prozent gestiegen. 2007, vor der Wirtschafts- und Finanzkrise, waren es noch 34 Prozent. Besonders stark davon betroffen sind Frauen, mit einem Anteil von über 45 Prozent.

Dabei ist auch die Gesamtzahl der Arbeitnehmer gestiegen, die Anspruch auf eine sogenannte Erwerbsminderungsrente haben, also nicht gar nicht oder in geringerem Umfang arbeiten können. Der Zuwachs liegt bei 13 Prozent.

Das meldet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, nachdem sie die Daten aus der gesetzlichen Unfallversicherung aus dem Jahr 2010 ausgewertet hat. Dort sind vor allem Arbeitnehmer Mitglied, Selbständige können sich freiwillig versichern.

Demnach sind 2010 auch mehr Menschen bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen. 674 Menschen starben bei der Arbeit, acht Prozent mehr als 2009. Besonders tragisch an dieser Bilanz: Zuvor war die Zahl der Unfalltoten noch gesunken.

Mehr Arbeit, mehr Unfälle

Dennoch könne man aus dem Anstieg keine Umkehr dieses Trends ablesen, betont die Bundesanstalt. Er müsse im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Erholung nach dem Krisenjahr 2009 gesehen werden: Wenn mehr gearbeitet wird, gibt es auch mehr Unfälle.

Die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle stieg insgesamt auf über eine Million (1.045.816). Die Unfallquote liegt bei 27,4 je 1000 Vollarbeiter. Trotz des Anstiegs gegenüber dem Vorjahr ist sie damit immer noch niedriger als 2008 (damals: 28,3 Unfälle je 1000 Vollarbeiter). Noch besteht also kein Grund, Alarm zu schlagen.

2010 wirkte sich unter anderem der lange und strenge Winter aus: Die Zahl der sogenannten Wegeunfälle ist nämlich deutlich gestiegen. Auch sie werden von der Bundesanstalt erfasst, denn Arbeitnehmer sind auf dem Hin- und Rückweg zur Arbeit unfallversichert. Im Vorjahresvergleich stieg die Zahl der Wegeunfälle um ein Viertel.

39 Milliarden Euro Produktionsausfälle wegen Krankschreibungen

Auch die Krankmeldungen nehmen zu. 2010 fielen dadurch insgesamt 1,1 Millionen Erwerbsjahre aus, schätzt die Bundesanstalt. Das führte zu einem Produktionsausfall von etwa 39 Milliarden Euro, die Bruttowertschöpfung der deutschen Volkswirtschaft verringerte sich um rund 68 Milliarden Euro.

Auf 1000 Versicherte 2010 kommen demnach 114,7 Fälle von Arbeitsunfähigkeit. Im Vorjahr waren es noch rund 114,3 Fälle, der letzte Tiefststand wurde 2006 erreicht, mit nur 98,4. Die durchschnittliche Dauer der Krankmeldungen blieb dagegen fast unverändert. Häufigster Grund für Fehltage sind nach wie vor Muskel-Skelett-Erkrankungen, die knapp ein Viertel ausmachen. Danach folgen Verletzungen, Vergiftungen und Unfälle mit gut 13 Prozent. Schnupfen, Grippe und Co. liegen nur knapp dahinter.

Immerhin sinkt die Zahl derjenigen, die an einer anerkannten Berufskrankheit sterben. 2010 waren das 2509 Menschen. Obwohl Asbest seit Jahren verboten ist, geht knapp über die Hälfte der Todesfälle auf Erkrankungen auf das gefährliche Material zurück, das einst als "Wunderfaser" galt und vor allem zum Brandschutz, zur Dämmung und Wandverkleidung eingesetzt wurde.

mamk

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