In Kooperation mit

Job & Karriere

Von Rechts wegen - Arbeitsrecht kurz erklärt Verlieren Sie Ihre Urlaubstage, wenn Sie in den Ferien krank werden?

Gerade im Hotel angekommen, kündigt sich ein Schnupfen an. Statt baden im Meer heißt es auskurieren im Bett. Aber sind damit auch die Urlaubstage passé?
Krank im Urlaub - was müssen Sie beachten?

Krank im Urlaub - was müssen Sie beachten?

Foto: Boy Anupong/ Moment RF/ Getty Images

Sie sind voller Freude in die freie Zeit gestartet, haben trotz Corona eine schöne Unterkunft gefunden, und dann kommt zur Unzeit die Grippe. In den Ferien krank zu sein, ist nie schön - aber verfallen damit auch die Urlaubstage?

"Es kommt immer auf den Einzelfall an, eigentlich sind die Regeln jedoch recht simpel", sagt Achim Schunder, Honorarprofessor für Arbeitsrecht an der Universität Mannheim. "Liegt der Arbeitnehmer einfach krank mit Halsschmerzen auf dem Hotelzimmer, dann ist Urlaub auch Urlaub. Bescheinigt der Arzt jedoch, dass er arbeitsunfähig ist, verliert er die Urlaubstage nicht." Der entscheidende Tipp: Lassen Sie sich vom Arzt nicht nur bescheinigen, dass Sie krank sind, lassen Sie explizit Ihre Arbeitsunfähigkeit feststellen.

Sollte der Arbeitnehmer während des Urlaubs in Quarantäne müssen, gilt: Quarantäne allein ist noch keine Krankheit. Das bedeutet auch, dass dann noch kein Urlaub gutgeschrieben werden kann. Liegt der Quarantäne allerdings eine Krankheit zugrunde, etwa Symptome von Covid-19, die ein Arzt mit einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung attestiert hat, dann kann natürlich auch der Urlaub gutgeschrieben werden - denn der Arbeitnehmer ist ja krank.

Das Urlaubsland spielt keine Rolle

Ob die Bescheinigung dabei im Sommerurlaub in Griechenland, also im europäischen Ausland, oder während einer Safari von einem Arzt in Namibia ausgestellt worden ist, spielt für die Gültigkeit zunächst keine Rolle.

Den "gelben Zettel", der im Ausland vielleicht auch eine andere Farbe hat, reichen Sie dann beim Arbeitgeber ein - und die Krankheitstage im Urlaub werden Ihnen rückwirkend gutgeschrieben. "Am besten ist es, wenn der Arbeitnehmer die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung direkt einscannt und an den Arbeitgeber schickt. Eine Pflicht, das noch im Urlaub zu tun, gibt es jedoch nicht", sagt Schunder.

Bereits in den Neunzigerjahren hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass eine europäische ausländische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auch national gelten muss. "Es sei denn, der Arbeitgeber kann nachweisen, dass die Bescheinigung vom Arbeitnehmer in irgendeiner Form erschlichen, also etwa gekauft wurde", sagt Schunder.

Die bekannteste Entscheidung in dieser Sache ist die der Familie Paletta (Aktenzeichen C-45/90) . Obwohl die Palettas regelmäßig während ihres Italienurlaubs krank wurden, musste der Arbeitgeber, obgleich er "ernstliche Zweifel" an den Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, den Attestati di Malattia des kalabrischen Arztes hatte, weiterzahlen und die Urlaubstage gutschreiben. Beweisen, dass die Krankheiten der Palettas nur erfunden waren, konnte er nicht. "Im Zweifel sitzt hier der Arbeitnehmer am längeren Hebel. Können Sie einen gelben Zettel vorweisen, hat der Chef keine Chance", sagt Schunder.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Einziges Mittel des Arbeitgebers in solchen Fällen: Er kann eine Untersuchung des Mitarbeiters beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung anordnen. Dort wird geschaut, ob das vom Mitarbeiter angegebene Krankheitsbild wirklich so aufgetreten sein kann. Eine Untersuchung beim Medizinischen Dienst ist ausschließlich für gesetzlich versicherte Arbeitnehmer möglich. "Hier fällt das Gutachten jedoch selten gegen den Arzt aus", sagt Schunder.

Bei Unfällen wird es komplizierter

Hat der Arbeitnehmer eine Verletzung selbst verschuldet, etwa indem er betrunken auf einem Motorroller gefahren und sich ein Bein gebrochen hat, so gilt er zwar als krank - aber der Arbeitgeber kann sich nach Paragraf 3 Entgeltfortzahlungsgesetz weigern, den Lohn weiterzuzahlen oder die Urlaubstage gutzuschreiben.

"Können Sie einen gelben Zettel vorweisen, hat der Chef keine Chance"

Achim Schunder

Eigentlich ist der Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet, im Krankheitsfall bis zu sechs Wochen den vollen Lohn fortzuzahlen. Hat der Mitarbeiter jedoch fahrlässig oder mit klarer Absicht gehandelt, ändert das die Situation. Das gilt auch, wenn der Arbeitnehmer in ein Land reist, für das eine Reisewarnung vorliegt.

Hat der Arbeitgeber im Vorfeld darum gebeten, Länder mit Reisewarnungen zu meiden und der Mitarbeiter erkrankt in einem solchen Land, kann der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung und die Gutschrift der Urlaubstage verweigern. In größeren Betrieben ist es aus Arbeitgebersicht sinnvoll, die Weisung entweder ins Intranet zu stellen oder am berühmten schwarzen oder weißen Brett auszuhängen, um die Mitarbeiter darauf ausdrücklich hinzuweisen. Generell ist es aus Sicht des Arbeitgebers immer schlau, wenn eine Weisung bereits im Vorfeld schriftlich erfolgt.

Der Urlaub endet auch im Krankheitsfall wie gehabt

Eine Sache, die aber nicht zu ändern ist: Die arbeitsfreie Zeit endet, solange die gesundheitliche Situation des Arbeitnehmers eine Ausreise zulässt, mit dem letzten Urlaubstag.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.