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Kreative Bewerbungen Mein Leben in Bildern

Eine Zeichnung ersetzt das Porträtbild, vier Sterne symbolisieren ein "Sehr gut": Mit kreativ gestalteten Lebensläufen wollen Bewerber aus der Masse hervorstechen. Aber das kann auch schiefgehen.
Von Nina Bärschneider
Vor allem in Design- und Grafikberufen weicht der Lebenslauf der Bewerber häufig vom Standarddesign ab.

Vor allem in Design- und Grafikberufen weicht der Lebenslauf der Bewerber häufig vom Standarddesign ab.

Foto: Philipp Müller

Philipp Müller aus Berlin kann besser zeichnen als fotografieren, Englisch spricht er doppelt so gut wie Russisch. So zumindest geht es aus der Punkteskala in seinem Lebenslauf hervor. Seine Fähigkeiten und Sprachkenntnisse stellt der 26-Jährige dort in zehn kleinen Kreisen dar. Für Deutsch sind alle blau ausgefüllt, für Russisch nur vier, für Englisch acht. Diagramme statt Adjektive und Lebenslaufstationen in U-Bahn-Plan-Optik - sieht so ein Curriculum Vitae der Zukunft aus?

Mehr als eine halbe Million Treffer zeigt Google bei der Suche nach einem "kreativen Lebenslauf". Wer "creative CV" sucht, kriegt sogar mehr als 65 Millionen Webseiten vorgeschlagen, die Tipps und Inspirationen für möglichst ausgeflippte Lebenslaufdesigns geben.

"Mein Lebenslauf ist tatsächlich das meistbeachtete Projekt in meinem Portfolio", sagt Philipp Müller, der in Berlin Druck- und Medientechnik studiert und auf der Kreativplattform behance.net seine Arbeiten ausstellt, vor allem Zeichnungen - aber eben auch seinen Lebenslauf:

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Kreativer Lebenslauf: Der Grafiker

Foto: Philipp Müller

"Mit diesem selbst entworfenen Design konnte ich quasi schon eine Arbeitsprobe vorweisen", sagt Müller. Und tatsächlich: Damit ergatterte er einen Job als Illustrator bei einem großen Online-Lernportal.

"Vor allem in kreativen Berufen muss man aus der Masse hervorstechen - und das geht nur über einen guten und ausgefallenen Lebenslauf", meint Marcella Breugl aus Rosenheim. Die 28-Jährige hat Innenarchitektur studiert, auf ihrem Lebenslauf begrüßt sie die Leser mit einem "Hi! Nice to meet you", die nächste Seite ist vollständig von ihrem Gesicht ausgefüllt:

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Kreativer Lebenslauf: Die Innenarchitektin

Foto: Marcella Breugl

Wladimir Dubowik aus Marienheide bei Köln hat ebenfalls gute Erfahrungen mit einem ausgefallenen CV gemacht. "Ich liebe es, Großartiges zu erschaffen. Gemeinsam." So lautet die Überschrift seines Lebenslaufs, das Verb "liebe" hat er durch ein rotes Herzchen ersetzt. "Ein kreativer Lebenslauf zeigt, dass ein Bewerber sich mehr Gedanken macht", ist der 29-Jährige überzeugt. Vor zwei Jahren erhielt er damit eine Jobzusage als Online-Marketingmanager und Screen-Designer.

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Kreativer Lebenslauf: Der Marketingmanager

Foto: Wladimir Dubowik

Auch Bewerbungstrainer Gerhard Winkler erkennt einen Trend zu ungewöhnlicheren Lebenslaufdesigns. Er warnt aber davor, dass Spielereien vom Wesentlichen ablenken. "Die Visualisierung zeigt vielleicht, dass jemand kreativ ist. Aber auch, dass er viel Wert auf Äußerlichkeiten legt und wahrscheinlich langsam arbeitet", so Winkler.

Höchstens bei Hobbys und Interessen sei eine grafische Darstellung nachvollziehbar. Nicht aber bei den persönlichen Fähigkeiten: Balken- und Kreisdiagramme oder eine Punkteskala seien viel zu ungenau, um einen Lernstand zu veranschaulichen.

"Wenn bei Englischkenntnissen ein Balken 90 Prozent anzeigt, fragt sich der Personaler: Was bedeuten die fehlenden zehn Prozent - schwache Rechtschreibung?" Außerdem sei nicht erkennbar, wie die Prozentzahlen überhaupt zustande kämen. Den einjährigen Auslandsaufenthalt in Australien könne man den 90 Prozent Englischkenntnissen schließlich nicht entnehmen.

Grundsätzlich seien die wenigsten Daten im Lebenslauf für eine Visualisierung geeignet. Wo man zur Schule gegangen ist, welche Praktika man absolviert hat - all das erfahre der Personaler schneller und leserlicher im klassischen Format.

Und schließlich sei schlicht nicht gleich unkreativ. "Schon eine originelle Zusammenstellung der Arbeitsproben oder ein schwungvolles Anschreiben heben einen Bewerber von der Masse ab und lassen ihn kreativ wirken", sagt Winkler.

Bewerbungen für Design- und Grafikjobs ließen allerdings generell mehr Spielraum. Bewerbern, die es einfach nicht lassen können, schlägt Winkler deshalb einen Lebenslauf als Comicgeschichte vor: ein selbst gezeichnetes Bild für jede Station im Leben.