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Rat vom Jobcoach Daran erkennen Sie, dass Ihnen eine Kündigung droht

Ein Abteilungsleiter wird plötzlich in wichtige Entscheidungen nicht mehr eingebunden - muss er deshalb um seinen Posten bangen? Acht sichere Anzeichen für einen baldigen Jobverlust.

Werner, 48 Jahre, fragt:

Ich bin seit sechs Jahren Abteilungsleiter in einem Produktionsbetrieb. Bisher wurde ich in wichtige Entscheidungen immer eingebunden. Unser neuer Geschäftsführer agiert jedoch völlig anders: Seit einigen Monaten habe ich das Gefühl, meine Meinung zählt nicht mehr. Entscheidungen werden gegen meine Empfehlung getroffen oder ich werde gar nicht erst gefragt. Einem Kollegen ging es ähnlich. Nun wurde ihm recht überraschend ein Aufhebungsvertrag angeboten. Woran kann ich erkennen, dass auch meine Zeit abläuft, sodass es mir nicht ähnlich ergeht?

Zum Autor

Matthias Martens, Jahrgang 1964, war zehn Jahre Personalleiter im Otto-Konzern, bevor er sich 2006 für die Selbstständigkeit entschied. Heute begleitet der Inhaber einer Outplacementberatung  als Berater und Coach vor allem Menschen in der Lebensmitte, die sich beruflich neu orientieren wollen oder müssen. Alle Kolumnen von Matthias Martens  Mail an den Coach 

Lieber Werner,

Sie spüren bereits, dass irgendetwas nicht stimmt. Das nachlassende Interesse an Ihrer Meinung ist ein erstes Indiz dafür. Dies sollten Sie genau beobachten, insbesondere, wenn Ihr Chef und andere Mitglieder des höheren Managements zusätzlich vermehrt den direkten Kontakt zu Ihren Mitarbeitern suchen und Sie übergehen.

Möglicherweise hat Ihr neuer Geschäftsführer in seiner Einarbeitungsphase ein negatives Bild von Ihnen entwickelt. So etwas verläuft oft schleichend, und häufig gibt es dafür keinen eindeutigen Auslöser.

Herrscht in Ihrem Unternehmen eine offene Feedbackkultur? Falls nicht, sollten Sie besonders aufmerksam für weitere subtile Anzeichen sein, dass man sie loswerden möchte. Solche Anzeichen können sein:

  • Die Informationslage verschlechtert sich: Sie erfahren erst spät von wichtigen Unternehmensentscheidungen. Wenn Sie wiederholt als Einziger wichtige Informationen nicht erhalten haben, ist das ein Warnsignal. Wurden Sie vielleicht aus E-Mail-Verteilern gelöscht und erhalten Nachrichten deshalb immer erst auf Nachfrage? Das kann einmal passieren. Wenn es wiederholt vorkommt, ist das ein weiterer Hinweis.
  • Ihr Chef meidet den direkten Kontakt: Es kann am Termindruck liegen, dass Ihr Chef wiederholt kurzfristig Ihre Jour fixes absagt. Doch vielleicht ist ihm die Nähe zu Ihnen auch unangenehm, weil Sie nichts ahnen und er Ihnen nicht mehr in die Augen sehen kann.
  • Meetings finden ohne Sie statt: Budgetplanungsrunden, Strategiemeetings und andere Gremien tagen auf einmal ohne Sie. Ihre Kollegen sind dabei - nur Sie werden nicht eingeladen. Oder Ihre Redezeit in Meetings wird verkürzt. Kurzum: Sie finden weniger Beachtung im Unternehmen. Ihre Beiträge werden nicht mehr ernst genommen.
  • Projekte werden Ihnen abgenommen: Der Beginn Ihrer Abwärtsspirale deutet sich an, wenn Ihnen Projekte abgenommen werden - um Sie zu entlasten, wie es dann heißt. Oder man sagt, das Projekt ginge in die nächste Phase und dafür wäre ein Projektleiterwechsel sinnvoll. Das war natürlich vorher nicht mit Ihnen besprochen.
  • Ihr Verantwortungsbereich wird neu organisiert und Sie geben in dem Zusammenhang Verantwortung und Mitarbeiter an Kollegen ab, damit Sie sich "auf Ihre Kernfunktion konzentrieren können". Aha!
  • Schubladenprojekte: Ein wichtiges Projekt wurde Ihnen abgenommen und dafür betraut man Sie nun mit einem Sonderprojekt, dessen Ergebnisse niemanden interessieren. Natürlich erhalten Sie auch kein Projektteam und kein Budget für die Durchführung.
  • Abstellgleis: Aus dem Personalbereich wird Ihnen eine Entwicklungsperspektive in einer unbedeutenden Geschäftseinheit oder weit entfernt vom Machtzentrum angeboten. Eine Rückkehroption wird allerdings nur sehr vage angedeutet. Das ist fast gleichbedeutend mit dem Ende Ihrer Karriere. Sie werden "elegant" aus dem Weg geräumt, Ihre Stelle wird neu besetzt und ist damit langfristig für Sie blockiert.
  • Offene Kritik: Man vertraut Ihnen nicht mehr, thematisiert Fehler und legt den Fokus auf Schwachstellen und ungelöste Probleme. Ihr Chef interessiert sich mehr für Ihre Arbeitsweise als für Ihre Ergebnisse. In fast jedem Gespräch mit Ihrer Führungskraft geraten Sie unter Rechtfertigungsdruck. Erklärungen werden beiseitegeschoben, dies seien nur Ausreden. Das bedeutet Alarmstufe Rot.

Verallgemeinern kann man diese Liste nicht, denn jedes Unternehmen agiert anders und einzelne Symptome müssen noch gar nichts bedeuten. Sollten Sie jedoch mehrere dieser Punkte in Ihrem Arbeitsalltag erleben, kann es nicht schaden, ein Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten zu suchen.

In meiner Beratungserfahrung ist es nur selten von Erfolg gekrönt, als Führungskraft im mittleren Management um seinen Verbleib in der Position zu kämpfen, wenn man sich bereits auf Sie "eingeschossen" hat. Sie laufen Gefahr, zu verbrennen.

Meistens ist es langfristig klüger, sich neu zu orientieren. Aktualisieren Sie Ihre Bewerbungsunterlagen und Ihre Profile in den Business-Netzwerken im Internet. Frischen Sie Ihre beruflichen Kontakte auf und beobachten Sie den Stellenmarkt. Sie können auch proaktiv Kontakt zu Headhuntern aufnehmen und sich ins Gespräch bringen.

Auf diese Weise behalten Sie das Heft des Handelns in der Hand und werden nicht unvorbereitet von einem Trennungsgespräch überrascht.