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Arbeitsurteile Diese Rechte haben Sie in der Probezeit

Fast immer vereinbaren Unternehmen und Mitarbeiter eine Probezeit. Zum Kennenlernen ist das gut. Aber welche Rechte bleiben den Arbeitnehmern in diesen Monaten? Der Überblick.
Von Sabine Hockling und Jochen Leffers
Jähes Ende: In der Probezeit ist man seinen Job schnell wieder los

Jähes Ende: In der Probezeit ist man seinen Job schnell wieder los

Foto: Corbis

Ob nach der Schule, nach der Uni oder einem Jobwechsel: Der Start bei einem neuen Arbeitgeber bringt eine Phase der Unsicherheit. Ob Mitarbeiter und Unternehmen zueinander passen, müssen beide erst herausfinden. Es kann der Beginn einer langen Zusammenarbeit werden - oder ein jähes Ende finden, nach wenigen Monaten oder sogar schon nach einigen Wochen.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen keine Probezeit vereinbaren. Diese Testphase ist aber im Berufsleben die Regel, wird dann explizit vertraglich vereinbart und kann je nach Tätigkeit drei bis sechs Monate dauern. Auch kann der Arbeitsvertrag zur Erprobung befristet werden und ohne Kündigung automatisch enden.

Soll in diesen Fällen das Arbeitsverhältnis anschließend fortgeführt werden, müssen Arbeitgeber und Mitarbeiter nach der Probezeit einen neuen Arbeitsvertrag schließen. Üblich ist das Arbeitsverhältnis mit einer vorgeschalteten Probezeit: Das Arbeitsverhältnis läuft automatisch weiter, es sei denn, Arbeitgeber oder Mitarbeiter kündigen.

Die Kündigungsfrist beträgt während eines Probearbeitsverhältnisses mindestens 14 Tage zu jedem Wochentag. Allerdings kann ein Tarif- oder Arbeitsvertrag eine längere Kündigungsfrist vorsehen. Den Kündigungsgrund müssen Arbeitgeber dabei nicht nennen. Sie können auch noch am letzten Tag der Probezeit die Kündigung aussprechen, die allerdings stets der formal korrekten Form entsprechen, also etwa schriftlich vorliegen und von einer dazu berechtigten Person unterschrieben sein muss.

Fristlose Kündigung in der Probezeit

Liegt ein schwerwiegender Vertrauensbruch vor, kann der Arbeitgeber auch in der Probezeit fristlos kündigen. Dann ist das Arbeitsverhältnis sofort beendet, der Mitarbeiter muss noch am gleichen Tag das Unternehmen verlassen. Und auch wenn Arbeitgeber sonst keinen Grund angeben müssen: Im Fall einer fristlosen Kündigung in der Probezeit sind sie doch verpflichtet, dem Mitarbeiter auf Verlangen den Grund schriftlich mitzuteilen.

Nach sechs Monaten beim Arbeitgeber greift - ob mit oder ohne Probezeit - der normale Kündigungsschutz. Das Unternehmen kann einen Arbeitnehmer also nicht mehr ohne Kündigungsgrund entlassen und muss die nun längeren Fristen einhalten.

Wichtige Urteile und ihre Folgen

Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts zeigt, dass Arbeitgeber mit Betriebsrat diesen auch vor einer Kündigung in der Probezeit informieren müssen - obwohl der Betriebsrat kein Vetorecht hat. Unterlässt ein Arbeitgeber das, ist die Kündigung unwirksam (Urteil vom 12. September 2013, Aktenzeichen 6 AZR 121/12 ).

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Die Schwierigkeit und Komplexität einer Tätigkeit entscheiden darüber, wie lang die Probezeit geht. Allerdings kann der Arbeitgeber auch bei einfachen Tätigkeiten sechs Monate Probezeit vereinbaren, wie das Bundesarbeitsgericht entschied: Ein Mitarbeiter wurde für einfache Tätigkeiten mit einer Probezeit von sechs Monaten eingestellt. Als der Arbeitgeber ihm nach vier Monaten kündigte, monierte er die unverhältnismäßig lange Probezeit und zudem, dass seine Kündigung unlesbar unterschrieben sei. Das BAG stellte klar, dass die Lesbarkeit der Unterschrift nicht erforderlich ist und der Arbeitgeber auch für einfache Tätigkeiten sechs Monate Probezeit vereinbaren kann (Urteil vom 24. Januar 2008, Aktenzeichen 6 AZR 519/07 ).

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In der Probezeit geht es nicht nur um fachliche Kompetenzen, sondern auch um das soziale Verhalten. Wer hier aus der Reihe tanzt, unsozial agiert und unhöflich reagiert, wird am Ende die Probezeit nicht überstehen. Das heißt aber nicht, dass Mitarbeiter alles kritiklos hinnehmen müssen. Vielmehr geht es darum, sich interessiert zu zeigen und zuzuhören.

Auch gilt die Probezeit in die andere Richtung. Wer als Mitarbeiter feststellt, dass das Unternehmen, die Aufgabe, die Kollegen oder auch die Chefs nicht passen, kann innerhalb der Probezeit mit einer Frist von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen kündigen. Viele Arbeitgeber vergessen das.

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