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Reaktion auf Kündigungsvideo "Wir sind doch kein Sweatshop"

Marina Shifrin kündigte per YouTube-Film, ein Riesenhit im Netz. Nun hat ihr Ex-Chef seine Antwort eingestellt. Seiner Ex-Mitarbeiterin wünscht er alles Gute - und tritt gleichzeitig nach.
Foto: YouTube

Und tschüs - mit ihrer Video-Kündigung hat Marina Shifrin für unerwartet viel Wirbel gesorgt. In dem kurzen Film tanzt sie ausgelassen durch ein menschenleeres Großraumbüro, löscht schließlich das Licht und lässt ihren Chef wissen: "Ich bin weg." In den ersten sechs Tagen wurde das Video  gut acht Millionen Mal abgespielt.

Offenbar war damit der öffentliche Druck so groß, dass ihr Chef beim taiwanischen Videoproduzenten Next Media Animations nun an die Öffentlichkeit gehen musste. Kurzerhand ließ er ein eigenes Video  produzieren, das praktisch alle Ideen von Shifrins Film aufgreift: dieselbe Musik, dieselben Kameraeinstellungen, dazu ganz ähnlich tanzende Mitarbeiter und die entscheidenden Aussagen des Filmes als Untertitel.

Dabei gelingen ihm einige Pointen. Gleich zum Einstieg etwa heißt es: "In unserer Firma werden Leute mit Tanztalent eingestellt" - ein Seitenhieb darauf, dass Shifrin in ihrem Film einen so auffälligen Hiphop-Tanzstil zeigt. "Wir ziehen abgefahrene Kostüme an", heißt es in einer anderen Einstellung, "und wenn wir auf den Chef schießen, spielt er tot." Tatsächlich geht der Chef bei gespielten Schießübungen zu Boden. Die Kostüme dienen dazu, menschliche Bewegungen für Animationsfilme zu digitalisieren.

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Der Film soll demonstrieren, dass die Arbeit bei Next Media Spaß macht; Shifrin hatte sich über die stupide Fließbandarbeit mokiert, bei der Kreativität nicht zähle.

Ihr Chef wirbt nun mit einem Swimmingpool auf der Dachterrasse und Bildern seines gutgelaunten Teams. Auf die Kritik, es gebe praktisch keine Mittagspausen, wird auch eingegangen: "Wir essen am Schreibtisch, weil es hier keine Restaurants gibt." Die Botschaft zum Schluss: "We're hiring" - "wir stellen ein". Klar, Shifrins Stelle ist ja vakant.

Während die Firma darauf bedacht ist, mit dem Video nicht als schlechter Verlierer dazustehen, teilt sie laut einem Artikel der "Daily Mail"  aus: "Ich wünschte, Marina hätte eben so viel Kreativität in ihre tägliche Arbeit gesteckt wie in ihr Kündigungsvideo", wird ein Vorgesetzter zitiert. Auf dem Internetportal "Gawker" wählt Mark Simon vorsichtigere Worte , als er den Lesern am Dienstag Rede und Antwort steht. Simon ist Commercial Director bei New Media Animations. "Wir sind kein Sweatshop, wie jetzt alle glauben", verteidigt er sich. "Marina hatte ein Jahresgehalt von 42.000 Dollar, bei einer 40-Stunden-Woche und Schichtbetrieb ohne Überstunden." Das Unternehmen ist auf schnell produzierte Animationsfilme spezialisiert, die aktuelle Nachrichten veralbern , und hat rund 600 Mitarbeiter.

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Mit dem eigenen Video versucht die Firma, von der Popularität des Ausgangsvideos zu profitieren. Schon gibt es Leserkommentare mit der Vermutung, der ganze Streit könnte von vorne bis hinten eine virale PR-Maßnahme des Videoproduzenten sein. Bislang gibt es darauf aber keine konkreten Hinweise.

Jedenfalls ist mit dem Antwortfilm von Shifrins Chefs ein ansehnliches Recruiting-Video für die Firma herausgekommen - dank der Ideen der scheidenden Mitarbeiterin. Auch das ist ja eine Art Anerkennung für das kreative Potential der jungen Frau.

mamk
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