In Kooperation mit

Job & Karriere

Bernd Slaghuis

Tipps vom Karrierecoach Zweimal in Folge gekündigt – ist mein Lebenslauf jetzt ruiniert?

Bernd Slaghuis
Ein Gastbeitrag von Bernd Slaghuis
Stefanie hat schon zweimal ihren Arbeitsplatz verloren. Sie macht sich Sorgen, wie das auf künftige Arbeitgeber wirkt – und will wissen: Warum gerate ich immer an die falschen Jobs?
Bitte nicht schon wieder: Wer mehrfach seinen Tisch räumen musste, verliert leicht die Zuversicht

Bitte nicht schon wieder: Wer mehrfach seinen Tisch räumen musste, verliert leicht die Zuversicht

Foto: sturti / E+ / Getty Images

Stefanie, 24 Jahre, fragt: »Nach meinem Master in BWL wurde mir jetzt zum zweiten Mal in Folge in der Probezeit gekündigt. Mein letzter Arbeitgeber musste betriebsbedingt Mitarbeiter entlassen und mich hat es als die Neue erwischt. Im Job davor hatte ich Probleme mit meiner Chefin und die Aufgaben waren andere als im Bewerbungsgespräch vereinbart. Woran liegt es, dass ich mir immer die falschen Jobs aussuche? Werde ich mit diesem Lebenslauf jemals wieder einen Arbeitgeber finden?«

Zum Autor

Bernd Slaghuis ist Karrierecoach und hat seit 2011 in seinem Kölner Büro  mehr als tausend Angestellte und Führungskräfte bei ihren nächsten Schritten im Beruf begleitet. Er betreibt den Karriere-Blog »Perspektivwechsel«  und ist Autor des Buchs »Besser arbeiten«. Haben Sie eine Frage an den Coach? Dann schreiben Sie eine E-Mail an karriere.leserpost@spiegel.de – Stichwort Bernd Slaghuis 

Eine Kündigung in der Probezeit ist nicht das Karriereende

Liebe Stefanie,

gleich zweimal eine Kündigung in so kurzer Zeit zu erhalten, das nagt am Selbstbewusstsein und lässt Zweifel aufkommen. Es kostet Kraft, wieder nach Stellen zu suchen, in Gesprächen zu überzeugen, Absagen zu kassieren und sich im Job wieder aufs Neue einzuarbeiten. Jedem da draußen ist klar, dass so nicht der ideale Start in ein erfülltes Berufsleben aussieht.

Genau an diesem Punkt setzt mein Rat an: Vertuschen Sie das Geschehene nicht, sondern gehen Sie neuen Arbeitgebern gegenüber offen damit um. Machen Sie die Erfahrungen zu Ihrer persönlichen Bewerbungsstory. Denn was für Sie in diesem Moment noch viel zu gefährlich klingt, das wird Sie später nicht nur als Person stärken und Ihre Chancen als Bewerberin erhöhen, sondern auch zu einem Job mit Zukunft führen. Doch der Reihe nach.

Pech gehabt – das kann doch jedem mal passieren

Dass Sie bei einem Arbeitgeber gestartet sind, der in der Coronakrise Entlassungen vornehmen musste, und es Sie getroffen hat, das hat nichts mit Ihrer Qualifikation oder einem Fehlverhalten zu tun. Angestellte mit befristeten Verträgen trifft es in solchen Situationen häufig zuerst. So hart es klingt, doch für Unternehmen ist es die schnellste und günstigste Möglichkeit, ohne hohe Abfindungszahlungen schnell Personalkosten zu senken.

Ich drücke es bewusst so drastisch aus, denn Ihre Botschaft einem neuen Arbeitgeber gegenüber sollte schlicht "Pech gehabt!" lauten. Es gibt bei einer betriebsbedingten Kündigung keinen Grund, sich hierfür zu schämen oder selbst infrage zu stellen.

Dennoch sollten Sie ab jetzt gezielt nach Stellen bei Arbeitgebern in Branchen mit Zukunft suchen. Stellen Sie in Vorstellungsgesprächen schonungslos alle Fragen, anhand derer Sie die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens für sich bewerten können.

Es passte nicht – je früher, desto besser

Sie schreiben, dass Sie mit Ihrer Chefin nicht zurechtkamen und sich Ihr Job als anders als besprochen entpuppte. Ich erlebe es häufig gerade bei Berufseinsteigern, dass sie in Bewerbungsgesprächen zu wenig auf das Zwischenmenschliche achten sowie nicht ausreichend über die Aufgaben und gegenseitigen Erwartungshaltungen sprechen. Wenn Sie sich an Ihre Gespräche dort zurückerinnern – fanden Sie Ihre Chefin sympathisch und war Ihnen klar, welche Aufgaben Sie genau erwarten werden?

Viele Bewerber erzählen mir im Coaching nach einem Jobverlust, dass sie in den Gesprächen schon kein gutes Bauchgefühl hatten und wundern sich nicht darüber, dass es dort nicht passte. Ja, auch die Personalabteilung hat bei einer Kündigung in der Probezeit einen schlechten Job gemacht, doch die Erkenntnis ist simpel: Es passte nicht. Beide Seiten können sich an ihre eigene Nase fassen, eine schlechte Auswahlentscheidung getroffen zu haben. Für Sie als Bewerberin jedoch hat auch diese Kündigung nichts mit Ihrer Qualifikation und Person zu tun. Für diesen Job bei diesem Arbeitgeber passte es nicht. Umso besser, je schneller es offensichtlich wurde.

Stellen Sie Ihren nächsten Arbeitgeber auf die Probe

Ihr oberstes Ziel besteht nun darin, im dritten Anlauf bewusst auf all das zu achten, was Ihnen im Beruf wichtig ist, um dort auf Dauer motiviert und glücklich zu sein. Stellen Sie einen potenziellen Arbeitgeber und Ihre Gesprächspartner auf die Probe, schauen Sie genau hin, und vielleicht ist es auch sinnvoll, einen Probearbeitstag im Team zu vereinbaren.

Nutzen Sie Ihre Erfahrungen der letzten Monate und sprechen Sie offen darüber, was Sie erlebt haben. Ohne Rechtfertigung und Ihre Ex-Arbeitgeber durch den Dreck zu ziehen, sondern aus einer mit sich selbst im Reinen, wieder motiviert in die Zukunft blickenden Haltung. Machen Sie deutlich, dass es Ihnen jetzt umso wichtiger ist, dass sich beide Seiten ehrlich prüfen.

Sie werden bemerken, dass es genau diese Haltung ist, die Ihnen als Bewerberin jene Stärke verleiht, die Sie für Arbeitgeber attraktiv macht, und Ihr holpriger Einstieg ins Berufsleben plötzlich Schnee von gestern ist.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.