In Kooperation mit

Job & Karriere

Fotostrecke

Lokführer in Abu Dhabi: Rangieren und radeln in sengender Hitze

Foto: DB Schenker Rail

Deutscher Lokführer in Abu Dhabi "Im Ramadan wird's anstrengend"

Noch vor einem Jahr hat Christian Jobst Autos gehasst, heute geht ohne sein Cabrio nichts mehr. Denn in Abu Dhabi, wo er inzwischen als Lokführer arbeitet, ist Radfahren lebensgefährlich. Vor allem jetzt im Ramadan.

"Eigentlich hatte ich nie einen großen Drang, ins Ausland zu gehen. Ich arbeite seit zehn Jahren als Lokführer für Güterzüge, bis letztes Jahr in Deutschland. Als ich die interne Ausschreibung für eine Stelle in Abu Dhabi entdeckte, hat es mich spontan gepackt: Warum nicht, dachte ich mir. Ich bin Single und örtlich flexibel, und Abu Dhabi kannte ich bis dahin nicht.

Dann ging alles ziemlich schnell: Zwischen meiner Bewerbung und meinem ersten Flug nach Abu Dhabi lagen fünf Wochen. Das war vielleicht ganz gut, so blieb nicht viel Zeit, um sich groß Gedanken zu machen. Ich wurde für drei Wochen eingeflogen. Mit mir waren acht Kollegen da, um wie ich das Land und den Job kennenzulernen. Ich war im Team der einzige Deutsche. Die Zeit war aufregend, aber auch anstrengend: Neue Kollegen, fremde Kultur, alles auf Englisch. Und im Hinterkopf die Frage: Willst du hier für ein paar Jahre bleiben? Abends war ich total K.o.

Fotostrecke

Restaurantmanager in Saudi-Arabien: Beliebt wie ein BMW

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland hatte ich fünf Tage Zeit, mich zu entscheiden. Ich unterschrieb für drei Jahre Abu Dhabi. Hier verdiene ich erheblich mehr, und mich reizte das Abenteuer.

Meine Aufgabe ist es, für DB Schenker Rail den Betrieb auf neuen Bahnstrecken aufzunehmen, von den Testphasen bis zum regulären Betrieb. Begonnen wird mit Güterzügen, Personenverkehr ist bis 2017 vorgesehen. Die Züge sind anders als in Deutschland, vor allem ihre Ausmaße: Sie sind bis zu 1,6 Kilometer lang. Weder ich noch meine Kollegen aus England und Holland hatten damit Erfahrung. Aber das macht es auch spannend.

Wir dürfen nur fahren, wo es Kamelzäune gibt. Kamele sind das Statussymbol in den Emiraten, da soll keins zu Schaden kommen. Wenn wir doch eine Strecke ohne Zaun befahren, begleiten uns Autos, die die Kamele notfalls vertreiben.

Zwei Arten von Wetter - heiß und verdammt heiß

Bisher hatte ich mit Einheimischen nicht so viel zu tun. Wobei der Begriff relativ ist: Auf einen Emirati kommen sieben Gastarbeiter, viele von ihnen sind aus Indien oder Pakistan. Demnächst werde ich hoffentlich mehr Kontakt zu ihnen haben, wenn ich einheimische Nachwuchskräfte ausbilde. Bisher habe ich sie als sehr höflich erlebt.

Jetzt im Ramadan sind sie allerdings weniger entspannt: Weil Moslems tagsüber weder essen noch trinken dürfen, sind viele gestresst. In der Zeit passieren auch mehr Unfälle. Die Kollegen und ich dürfen dann nur im geschlossenen Raum etwas zu uns nehmen und müssen aufpassen, dass wir dabei nicht gesehen werden. Das ist etwas anstrengend, aber nach einem Monat ist Ramadan ja wieder vorbei.

Fotostrecke

Falken-Doktorin in Abu-Dhabi: Die Ärztin, der Araber vertrauen

Foto: Bärbel Schwertfeger

In Abu Dhabi gibt es zwei Arten von Wetter: Heiß und verdammt heiß. Im Juli kann es tagsüber über 40 Grad heiß werden. In den Gebäuden ist es dafür so kalt, dass man eine Jacke braucht. Die Emiratis lieben ihre Klimaanlagen. Ich arbeite meistens in der klimatisierten Lok, bin aber auch viel draußen, weil wir die Weichen zum Teil noch von Hand umstellen müssen. Die Hitze ist manchmal wie ein Faustschlag ins Gesicht.

Ich liebe Radfahren. In München, wo ich zuletzt gewohnt habe, habe ich nebenbei als Fahrradkurier gearbeitet. Das hat gut funktioniert, weil ich meistens abends und am Wochenende auf der Lok war. Hier ist längeres Radfahren wegen der Hitze im Sommer unmöglich. Im Winter sind die Temperaturen vor allem morgens gut für Touren. Es gibt aber fast nur mehrspurige Straßen ohne Radwege. Das macht es gefährlich, zumal die Emiratis keine Radfahrer gewöhnt sind. Beim Überholen schätzen sie teilweise den Abstand nicht richtig ein und fahren viel zu dicht an mir vorbei.

Deshalb habe ich ich mich einer Radgruppe angeschlossen. Wir sind Expats, die zweimal die Woche morgens zusammen Rennrad fahren. Wenn wir Glück haben, gibt es sogar Geleitschutz: Einer aus der Gruppe arbeitet in der amerikanischen Botschaft und hat seine Sicherheitsleute immer dabei. Die machen uns den Weg frei.

Um ein Auto bin ich trotzdem nicht herumgekommen. In Deutschland hatte ich nie eins, als Kurier war ich sogar Autohasser. Hier bleibt mir leider nichts anderes übrig, der nächste Supermarkt ist 16 Kilometer entfernt. Ich wollte kein protziges Auto, sondern eins mit Charme, das man nicht so ernst nimmt. Jetzt habe ich einen VW Beetle Cabrio."

Aufgezeichnet von Anja Tiedge