Lästerlexikon F wie... Fenster-Hocker, Frischlufthysteriker, Futterneider

Die lieben Kollegen: Lieferbar sind sie in allen Formen und Farben. Verschiedenste Temperamente auf engem Raum - das bietet immer Anlass zu gepflegtem Spott. Heute im Lästerlexikon: Notizen über Abgeschobene, Frischluftfreunde und Schnorrer.

Weltberühmte Unterwäsche: In Chicago erinnert ein Denkmal an Marilyn Monroes Frischluftszene mit hochwehendem Rock (bitte klicken für die Hochkantansicht)
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Weltberühmte Unterwäsche: In Chicago erinnert ein Denkmal an Marilyn Monroes Frischluftszene mit hochwehendem Rock (bitte klicken für die Hochkantansicht)

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  • Fenster-Hocker

Über japanische Angestellte meint man in Europa manches zu wissen - dass sie nie vor dem Chef nach Hause gehen, den Feierabend vorzugsweise mit Kollegen in der Karaokebar verbringen, einen Großteil ihres Jahresurlaubs der Firma schenken. "Fenster-Hocker" (Madogiwa-Zoku) ist im japanischen Berufsleben eine Bezeichnung für Mitarbeiter ohne jede Perspektive. Oft sind sie vertraglich auf Lebenszeit bei ihrer Firma beschäftigt, bekommen aber keine Arbeit mehr zugeteilt, stattdessen einen leeren Schreibtisch mit Fensterplatz.

Nun wissen sie: Fortan werde ich hier nicht mehr gebraucht. Es ist eine Form der Frührente, der Bestrafung durch endlose Langeweile auch für Manager, die weder sinnvolle Aufgaben noch Beförderungen erwarten können und denen die Mitarbeiter entzogen wurden, für die sie zuvor verantwortlich waren.


  • Frischluftallergiker

Im Berufsleben gibt es Menschen, die ihres Lebens nicht mehr froh werden, wenn sie "im Zug sitzen". Damit meinen sie keinen ICE und keine Regionalbimmelbahn, sondern zarteste Luftbewegungen im Großraumbüro. Die entstehen sofort, wenn jemand am anderen Ende des Stockwerks auch nur ein Türchen öffnet. Oder ein Fenster gar. Selbst im Hochsommer bei 32 Grad Raumtemperatur beginnen solche Sensibelchen emphatisch zu hüsteln, rollen die Augen und legen sich mit Leidensmiene den Schal um: kühle Luft, frische Luft, alles Gift für sie. Und wer will schon schuld sein an der üblen Sommergrippe, die sie garantiert übermannen wird?


  • Frischlufthysteriker

Im Berufsleben gibt es Menschen, die ihres Lebens nicht mehr froh werden, wenn sie "im Mief sitzen". Damit meinen sie das, was ohne mindestens drei gleichzeitig geöffnete Fenster zwangsläufig entsteht. Die Freunde der Stoß- und Dauerlüftung nörgeln alle paar Minuten, dass es jetzt-aber-wirklich-höchste-Zeit wird für eine gesunde Dosis Sauerstoff - selbst wenn es die abgasgeschwängerte Luft direkt von einer Hauptverkehrsader ist. Brutale 40 Grad plus oder knackige 20 Grad minus, das spielt keine Rolle. Scheitern Frischlufthysteriker partout mit ihren Appellen, nehmen sie ersatzweise Monsterventilatoren in Betrieb. Dann wehen Röcke hoch wie einst bei Marilyn Monroe über dem Luftschacht. Nur eben ohne Marilyn Monroe.

Einen banaleren Grund für Kleinkrieg im Büro kann man sich kaum vorstellen. Aber jahrelanger Zoff um zu viel oder zu wenig Frischluft kann das Binnenklima stärker verderben als fast jedes andere Alltagsthema.


  • Futterneider

Der Mensch kann nicht immer nur denken und schaffen, er muss schon auch essen. Darum gibt es die Mittagspause. Großunternehmen haben zwecks flotter Nahrungsaufnahme eine eigene Kantine, im Dunstkreis von kleineren Betrieben siedeln sich Pizzahütten, Dönerbuden oder Falafelstände an. Manche Angestellte sind dennoch so sparsam oder asketisch, dass sie jeden Morgen lediglich eine karge Scheibe Brot mit Salami in die Tupperdose packen. Neidisch schielen sie dann auf die Mittagsbeute schlemmender Kollegen: "Oh, das sieht aber gut aus...Gibst du mir was vom Sushi ab?"

Buchtipp
  • Diese Sticheleien sind ein Auszug aus dem Lästerlexikon "Kollegen sind die Pest" - mit 372 Schimpfwörtern zu den Marotten der lieben Kollegen, dazu etlichen Beiträgen mitten aus dem Berufsalltag (von A wie Arbeitsrecht bis Z wie Zettelkrieg). Schauen Sie doch mal rein...

    Jochen Leffers:
    Kollegen sind die Pest. Das Lästerlexikon.

    Illustriert von Leo Leowald; Kiepenheuer & Witsch; 9. März 2013; 272 Seiten; 8,99 Euro.

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  • Kindle Edition: 8,99 Euro
Spotten Sie ebenfalls gern über Ihre Lieblingskollegen? Weitere flotte Lästereien sind sehr willkommen. Schicken Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Begriff und einer kurzen Erklärung.

insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
truddies 03.03.2014
1. marilyn does not live there anymore
Die Statue von marilyn wurde vor einiger Zeit in Chicago demontiert und ab der Westküste neu aufgebaut
Paul Panda 03.03.2014
2. schlimme Zeitgenossen
Nichts gegen eine gelegentliche Stoßlüftung - aber Frischlufthysteriker sind wirklich sehr schlimme Zeitgenossen, gegen die man sich kaum zur Wehr setzen kann und die mit ihren Wahnvorstellungen (anders kann ich es nicht nennen), ersticken zu müssen, den halben Betrieb zum Erliegen bringen können. Diese Unsitte scheint vor allem unter jungen, männlichen Kollegen verbreitet zu sein und hat in meinem Fall auf Dauer sogar, was nicht in meiner Absicht lag, zu einer richtigen Feindschaft gegenüber dem betreffenden Kollegen geführt.
Romiman 03.03.2014
3. Frischlufthysteriker
... da fällt mir in nicht mal einer Sekunde eine 100% passende Kollegin ein. Hm. Bleibt nur zu hoffen, daß man selbst für andere Kollegen nicht auch in dieses Raster paßt!!! :-O
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