Lästerlexikon P wie... Plapperschlange, Pebkac, Prothesengott

Manchmal sind Kollegen die Pest. Umso schöner kann man über sie spotten - ein erstklassiges Druckventil im Büroalltag. Heute im Lästerlexikon: Notizen über Schnatternattern, Technikschnickschnack und hoffnungslose Härtefälle.

Leo Leowald

Von


  • Pebkac

Büroangestellte, die den ganzen Tag vorm Rechner verbringen, verlangen gar nicht viel: Stabil laufen soll die Hard- und Software, also ohne Abstürze im Stundentakt und bitte auch ohne kryptische Fehlermeldungen. Die wichtigsten Office-Programme müssen auf dem Gerät installiert sein und den internen wie externen Datenaustausch ermöglichen. Schön wäre es zudem, wenn das E-Mail-Programm zuverlässig funktioniert - und wenn bei Pannen aller Art schnell jemand eine Lösung weiß.

Zu diesem Zweck haben die meisten Unternehmen einen Helpdesk eingerichtet. Die Hotline-Mitarbeiter (auch: Warmliner) sprechen indes nicht zwingend die gleiche Sprache wie die Anrufer. Die einen brauchen präzise Informationen, damit sie das Problem technisch identifizieren und lösen können; die anderen wollen schnell weiterarbeiten und manchmal auch ihren Frust abladen.

Wer sich zu oft zu erbost über die immer gleichen Alltagsprobleme beschwert, landet bei den IT-Experten in der Schublade für Störungsmeldungen hoffnungslos beratungsresistenter Härtefälle, mit dem Etikett Pebkac. Das Kürzel steht für "Problem exists between keyboard and chair". Um es noch präziser zu lokalisieren: zwischen dem rechten und dem linken Ohr des Nutzers. Andere Varianten lauten Picnic ("Problem in chair not in computer"), Eifok ("Error in front of keyboard") oder ID10T error ("Idiot error"). Siehe auch: Schutzverletzer, Krummfinger

Ein unhöflicher Techniker, der Trivialfragen satt hat, könnte auch antworten: RTFM - Read The F***ing Manual ("Lies die verdammte Anleitung"). Oder noch etwas derber, wie die Piraten-Bundesgeschäftsstelle, die einem Mailschreiber auf Kritik am Parteinamen antwortete: "Roflcopter gtfo" (aus dem Nerd-Jargon übersetzt etwa: "Ich wälze mich auf dem Boden vor Lachen, verpiss dich").


  • Plapperschlange (auch: Schnatternatter)

Da ist diese Kollegin, die immer so freundlich, offen, fröhlich wirkt und auch auf Neuankömmlinge spontan zugeht. Ein Sonnenscheinchen, auf den ersten Blick. Auf den zweiten nutzt sie ihr Kommunikationstalent allerdings, um Gift zu verspritzen - sie steckt voller Niedertracht und ist immer bereit zu gehässigen Worten über andere Mitarbeiter. Zur Gerüchteumwälzanlage wird sie vor allem unter Zufuhr von Alkohol: Bei Betriebsfesten entpuppt sie sich als Plapperschlange.


  • Prothesengott

Ihm scheinen neue Körperteile zu wachsen, wenn er sich behängt mit allem Technikschnickschnack, den der Elektronikmarkt hergibt. Den Begriff hat der Vater der Psychoanalyse ins Spiel gebracht: "Der Mensch ist sozusagen eine Art Prothesengott geworden, recht großartig, wenn er alle seine Hilfsorgane anlegt, aber sie sind nicht mit ihm verwachsen und machen ihm gelegentlich noch viel zu schaffen", so Sigmund Freud in "Das Unbehagen in der Kultur" - von Internet, Smartphones oder iPads konnte er da noch nichts wissen.

Freud ahnte es aber durchaus: Der Mensch, schreibt er weiter, habe "übrigens ein Recht, sich damit zu trösten, dass diese Entwicklung nicht gerade mit dem Jahr 1930 A. D. abgeschlossen sein wird. Ferne Zeiten werden neue, wahrscheinlich unvorstellbar große Fortschritte auf diesem Gebiete der Kultur mit sich bringen, die Gottähnlichkeit noch weiter steigern." Und so geschah es. Für den hoch technisierten Menschen fühlen seine Lieblingsspielzeuge sich fast an wie ein Teil des Körpers. Wehe, man nimmt ihm das Gerät weg: Mobiltelefon defekt, Netzstörungen, Akku leer oder kein Ladegerät - schon fühlt er sich wie amputiert.

Buchtipp
  • Diese Sticheleien sind ein Auszug aus dem Lästerlexikon "Kollegen sind die Pest" - mit 372 Schimpfwörtern zu den Marotten der lieben Kollegen, dazu etlichen Beiträgen mitten aus dem Berufsalltag (von A wie Arbeitsrecht bis Z wie Zettelkrieg). Schauen Sie doch mal rein...

    Jochen Leffers:
    Kollegen sind die Pest. Das Lästerlexikon.

    Illustriert von Leo Leowald; Kiepenheuer & Witsch; 9. März 2013; 272 Seiten; 8,99 Euro.

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  • Kindle Edition: 8,99 Euro
Spotten Sie ebenfalls gern über Ihre Lieblingskollegen? Weitere flotte Lästereien sind sehr willkommen. Schicken Sie uns einfach eine E-Mail mit dem Begriff und einer kurzen Erklärung.

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