In Kooperation mit

Job & Karriere

Diversität bei Spielfiguren Lego City ist eine Stadt der Männer

Lego-Männchen sind tatsächlich meist – Männchen: Unter mehr als 2000 verschiedenen Figürchen sind sechsmal mehr männliche Berufstätige. Allerdings haben die weiblichen Figuren einen höheren Bildungsgrad.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand / picture alliance / dpa

Kinder bauen sich ihr Weltbild spielend zusammen – unter anderem mit Klemmbausteinen. Marktführer Lego ist da besonders prägend. Der Headhunter Taledo hat nun detailliert untersucht , wie es bei dem beliebten Spielzeug um berufliche Vielfalt und die Repräsentation der Geschlechter bestellt ist. Spoiler: nicht so gut.

Seit 1978 hat Lego in seinen City-Sets mehr als 2000 Figuren mit erkennbaren Jobzugehörigkeiten produziert: Davon waren 1795 männlich. Weibliche Berufstätige gab es nur 311. Erst 1992 gab es mehr als zehn verschiedene weibliche Figuren, und die hatten nur zwei Berufe: Tankwartin und Tierpflegerin. Diverser wurde es erst 2013 – und hier taucht unter 13 neuen weiblichen Figuren, die unter anderem als Bodenpersonal, Köchin, Straßenreinigerin, Logistikerin, Feuerwehrfrauen und Angestellte bei der Küstenwache arbeiten, auch erstmals eine Kriminelle auf.

Den Diversitätshöchststand gab es 2019, wie Klaas Geller, der die Untersuchung bei Taledo durchgeführt hat, feststellt: 55 weibliche und 93 männliche »gelbe Plastikpersonen« arbeiteten in der Lego City. Die beliebtesten Berufe dort sind Polizist und Polizistin (insgesamt 327 Figuren), Feuerwehrleute (218 Figuren) und Rennfahrerinnen und Rennfahrer (163 Figuren). Allerdings sind die Männchen dabei klar in der Überzahl: 278 Polizisten stehen 48 Polizistinnen gegenüber, von den Feuerwehrleuten sind nur 30 weiblich. Für die Untersuchung ist Geller alle bis Frühjahr 2021 erschienenen City- und Town-Sets auf der Seite Re-Brickable, einer Lego-Gebrauchthandelsplattform, durchgegangen.

Unter den mittlerweile 216 weiblichen Figuren der beliebtesten zehn Berufe haben mehr als ein Viertel einen akademischen Hintergrund. »Frauen wurden hier schon in den Achtzigerjahren als Ärztinnen dargestellt«, so Geller, »aber es hat bis 2013 gedauert, bis die Berufsbilder merklich vielseitiger wurden. Wenn Kindern früh vermittelt wird, dass das Geschlecht über die Berufswahl mit entscheidet, geht die Vorverurteilung schon früh los.«

Er verweist auf den bitterbösen Brief, den die damals sieben Jahre alte Charlotte an den Konzern schrieb, weil das dänische Spielzeug klassische Rollenbilder zementierte. Das könnte, mutmaßt Geller, mit ein Grund dafür gewesen sein, dass Lego in der Folge 55 neue Berufe mit weiblichen Charakteren besetzte. Auch beim Höchststand 2019 wurden allerdings noch 38 mehr neue männliche Figürchen entwickelt. Die kleinen gelben Plastikfrauen in Lego City haben, wie es scheint, noch einen weiten Weg vor sich bis zur Chancengleichheit.