Umfrage zu Berufsgruppen So wenig Respekt genießen Lehrer, Richter, Ärzte

Lehrer und Hausärzte sind angesehene Berufe? Das glauben immer weniger Bürger. Eine Umfrage zeigt, welche anderen Berufsgruppen demnach an Respekt verloren haben.

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Sie werden beleidigt und bedroht, angespuckt und attackiert: Für viele Ärzte, Rettungssanitäter, aber auch für Lehrer, Journalisten und Politiker gehören mindestens verbale Angriffe zum Arbeitsalltag. Bundesinnenminister Horst Seehofer warnte erst kürzlich vor einer "Verrohung unserer Gesellschaft".

Auch die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung treibt dieses Thema um. Sie hat nun eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben, um herausfinden, ob der Respekt, der einzelnen Berufsgruppen von der Gesellschaft entgegengebracht wird, gesunken ist. Die Antworten legen nahe, dass vor allem Lehrer, Hausärzte, Polizisten und Politiker an Ansehen verloren haben.

Nur eine Berufsgruppe konnte sich in der Umfrage leicht verbessern: die Gewerkschafter. Eine Erklärung dafür liefert die Konrad-Adenauer-Stiftung nicht.

In der Umfrage wurde lediglich ein Stimmungsbild erfasst. Den Befragten wurden zwölf Berufsgruppen genannt, zu denen sie angeben sollten, ob "diese in der Gesellschaft sehr viel, viel, etwas, wenig oder sehr wenig Respekt genießen". Eine weitere Frage war, ob sie selbst diesen Berufsgruppen früher mehr oder weniger Respekt entgegengebracht hatten.

Die Forscher verzichteten bewusst darauf, nach der aktuellen persönlichen Einstellung der Probanden zu fragen, denn erfahrungsgemäß geben in Umfragen die meisten Menschen an, sich selbst respektvoll zu verhalten.

Am wenigsten in der Gesellschaft respektiert werden laut Einschätzung der Befragten Politiker und Journalisten. Hausärzte und Professoren genießen vergleichsweise hohen Respekt.

Erfragt wurde auch die Parteipräferenz. Auffällig: Bei den Anhängern der Linken sagten 77 Prozent, sie hätten früher mehr Respekt vor Politikern gehabt. Von den Befragten, die der AfD nahestehen, gab jeder Zweite an, er habe früher mehr Respekt vor Lehrern und Richtern gehabt.

An der Umfrage nahmen 1007 wahlberechtigte Bürger teil. Sie wurden per Zufallsstichprobe ausgewählt und Anfang November telefonisch befragt.

vet

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insgesamt 58 Beiträge
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rstevens 04.12.2019
1. Richter?
Ich kann voll und ganz verstehen, dass der Respekt für den Richterberuf sinkt. Es gibt vor allem an den Amtsgerichten zu viele schlechte Entscheidungen, bei denen klar wird, dass zwar ein Urteil gesprochen wurde, man sich aber mit dem Fall gar nicht wirklich auseinandergesetzt hat. Genau am gegenüberliegenden Ende des Spektrums liegt für mich aber das Bundesverfassungsgericht. Dort werden nicht selten unsere Grundrechte auch gegen den Unfug verteidigt, den die Politiker machen.
Olaf 04.12.2019
2. Politiker und Journalisten ganz unten
Die ähnlen sich ja auch immer mehr, für den normalen Bürger sind die kaum noch zu unterscheiden. Wer das Mikrophon in der Hand hält ist meist der Journalist, so als Faustregel.
dasfred 04.12.2019
3. Ich kann mit der Fragestellung nichts anfangen
Für mich ist der Respekt vor dem Menschen unabhängig von seinem Beruf. Diese Zeigen, als der Pfarrer, der Lehrer und der Bürgermeister das Triumvirat in Dorf bildeten und der Gendarm durch seine Uniform schon als Respektsperson definiert wurde, sind lange vorbei. Jede Berufsgruppe muss sich heute der öffentlichen Kritik stellen. Zu Journalisten zählen ja nun nicht nur Spiegel Mitarbeiter, sondern auch die Leute von Bild und Yellowpress. Richter, die über die Künast Beschimpfungen urteilen, haben ihrem Berufsstand auch keinen Gefallen getan. Und mit Ärzten oder Polizisten hat wohl jeder schon persönliche Erfahrungen gesammelt. Meist ist es wohl eher so, dass Menschen aufgrund ihrer Berufes einen Respekt einfordern, der ihnen nicht wirklich zusteht. Dazu gehört die ganze Persönlichkeit!
Sensør 04.12.2019
4. Besser Krankenkassen und Politiker statt Ärzte verurteilen
Es gibt gewiss Berge von Gründen, warum man in den letzten Jahren seine Ärzte zum Teufel wünschen kann - aber die Verursacher dieser Misere sind bei Politik und Krankenkassen zu suchen, weil sie notwendige Behandlungen verhindern, wo es nur geht. Bekannte, die sich eine private Krankenversicherung leisten können, freuen sich weiterhin über eine ausreichende ärztliche Versorgung.
muellerthomas 04.12.2019
5.
So eine Umfrage ist nicht viel wert. Die meisten Menschen schätzen die Vergangenheit grundsätzlich besser ein als sie war. Es ist also egal, ob ich Frage, ob der Respekt für eine Berufsgrupper höher oder niedriger war oder die Kriminalität oder der Umgangston oder was auch immer. Die Umfrage können Sie heute durchführen, in 10 Jahren oder vor 20 Jahren, es wird praktisch immer eine Mehrheit sagen, früher war mehr Lametta. Sinnvoll wäre es allenfalls, die Menschen regelmäßig zu Fragen, wie hoch ihr Respekt für Berufsgruppe xy auf einer Skala von 1-100 ist. Daran könnte man vielleicht (!) ablesen, ob der Respekt tatsächlich abnimmt. Als Problem hinzu kommt aber so oder so, dass völlig unklar ist und sich sowohl von Person zu Person als auch im Zeitablauf ändert, was unter Respekt zu verstehen ist. Möglicherweise wren die Menschen früher tatsächlich ehrfürchtig vor Arzt, Lehrer und Pastor und es ist durchaus positiv, dass Aussagen heute nicht mehr per se geglaubt werden, weil ein Arzt, Lehrer oder Pastor sie tätigt.
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