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Burn-out und Depression Leiharbeiter leiden häufiger an psychischen Erkrankungen

Die Art der Beschäftigung hat einen direkten Einfluss auf die Gesundheit von Arbeitnehmern. Männer leiden offenbar mehr als Frauen.
Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa

Leiharbeiter und befristet Beschäftigte leiden häufiger als fest angestellte Arbeitnehmer an psychischen Erkrankungen. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Linken an die Bundesregierung hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. "Personen in atypischen Beschäftigungsformen weisen einen schlechteren psychischen Gesundheitszustand auf als Normalbeschäftigte", heißt es in der Antwort des Arbeitsministeriums. RP Online hatte zuerst  darüber berichtet.

Studien wiesen demnach darauf hin, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der Art der Beschäftigung und der psychischen Gesundheit von Arbeitnehmern bestehe. Als konkrete Erkrankungen nennt das Ministerium Burn-out und Depression. "Längsschnittstudien verweisen darauf, dass es sich um kausale Zusammenhänge handeln könnte", so das Ministerium.

Vor allem männliche Leiharbeitnehmer seien deutlich unzufriedener als Normalbeschäftigte. Dieser Effekt zeige sich bei Leiharbeiterinnen nicht, sie seien genauso zufrieden wie Frauen in regulären Beschäftigungsverhältnissen.

Auch befristet Beschäftigte wiesen eine geringere Arbeits- und Lebenszufriedenheit als unbefristet Beschäftigte auf. Teilzeitarbeit habe dagegen einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden, so die Antwort. Allerdings litten auch Teilzeitbeschäftigte häufiger als Normalbeschäftigte unter Depressionen.

Nicht klar sei, ob die höhere Depressionsbetroffenheit die Teilzeitarbeit bedinge oder umgekehrt. "Es bleibt unklar, ob sich zum Beispiel mehr Personen, die eine Disposition für Depressionen haben, für eine Teilzeitbeschäftigung entscheiden", heißt es in dem Schreiben.

Enormer Zuwachs an Leiharbeitern

Vier von zehn neuen Mitarbeitern werden heute befristet angestellt. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg hervor. Vor allem größere Betriebe nutzen demnach die Möglichkeit einer Befristung.

Zusätzlich hat der deutsche Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren einen enormen Zuwachs an Leiharbeitern verzeichnet. Allein zwischen 2007 und 2017 stieg ihre Anzahl um 43 Prozent. Hatte die Zahl der Leiharbeiter im Jahr 2007 noch 721.345 betragen, waren es zehn Jahre später bereits 1.031.589.

Der Bundesgerichtshof stärkte im vergangenen Jahr die Rechte der prekär Beschäftigten. Leiharbeiter müssen nun als Beschäftigte berücksichtigt werden, wenn die Einsatzdauer sechs Monate übersteigt. Das ist etwa für die Besetzung des Aufsichtsrats eines Unternehmens entscheidend und soll dafür sorgen, dass auch Leiharbeiter im Unternehmen mitbestimmen können.

lmd
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