Lkw-Managerin Nathalies Laster

Gibt es genug Ersatzteile? Sind die Werkstätten vorbereitet? Zwei Jahre dauert die Markteinführung einer neuen Autoreihe. Nathalie Boivin hat den Start der aktuellen Renault-Trucks vorbereitet. In Dubai und Russland fragte sie Großkunden nach ihren Wünschen. Die waren überrascht, eine Brummi-Expertin zu treffen.

Renault Trucks

Von Sandra Moser


Nathalie Boivin, 46, hat nicht einmal einen Lkw-Führerschein, sie würde ihn einfach zu selten brauchen. Dennoch, die neue Brummi-Baureihe von Renault ist auch ihr Baby. Und natürlich ist sie damit schon gefahren: "Auf unserem Testgelände. Wie könnte ich nicht?"

Ein Sommerabend in Boivins Heimatstadt Lyon. Der Renault-Konzern hat die große Expo-Halle gemietet und mit allen Show-Schikanen ausstaffiert: Die Bässe rumpeln, Lichter blitzen, und aus einer dramatisch beleuchteten, überdimensionierten Box pellt sich eine Sattelzugmaschine - auf gut Deutsch: ein Lastwagen.

Die neue T-Baureihe soll für Renault in den kommenden Jahren das Geschäft mit Brummis dominieren. Ein Milliardenmarkt, da darf man sich nicht lumpen lassen: Rund 5000 Menschen sind gekommen, wichtige Kunden, Händler, Vertreter der Fachpresse. Die meisten sind Männer. Schließlich geht es um große Autos und Logistik, Geschäfte also, die nach Diesel riechen und nach verschwitzten Karohemden.

In türkischen Bergwerken, bei Speditionen in Kamerun

Und dennoch ist es Boivins Abend. Die zierliche Frau begleitet die Entwicklung der T-Trucks seit 2006, als sogenannte Ready-to-Launch-Managerin. Hinter dem Wortungetüm in bestem Business-Französisch verbirgt sich eine koordinierende Aufgabe, die Technik und Marketing verbindet.

"Es begann blank", erklärt Boivin das Projekt T, mit dem alle bisherigen Nutzfahrzeuge des Herstellers ersetzt werden: "Was für einen Lkw wollen wir? Welche Anforderungen müssen wir daran stellen?" Es folgten viele Umfragen unter 50 Transportunternehmern, die bereits Renault-Kunden sind, in Europa, Afrika, Russland, Lateinamerika und dem Mittleren Osten. "Wir besuchten diese Menschen vor Ort und schauten uns ihre Arbeit genau an, um zu verstehen, was sie von unseren zukünftigen Trucks erwarten." Boivin und ihre Kollegen tingelten über Speditionshöfe und Großbaustellen, in türkische Bergwerke, zu Holztransporteuren in Kamerun oder Dubai: "In einigen Ländern sorgte es für Überraschung, dass ich als Frau diesen Job mache." An Probleme erinnert sie sich nicht, sondern freut sich über "das direkte Feedback".

Geholfen hat sicher, dass sie Technikexpertin ist. Als Ingenieurin hat sie jahrelang in der Fahrzeugkonstruktion gearbeitet. "Meine Ingenieurstätigkeit machte mir Spaß, aber ich interessierte mich stets auch für das, was nach der Entwicklung kommt." Deshalb wechselte sie ins Produktmarketing.

Besuch vom Kunden

Nicht nur Nathalie und ihr Team waren unterwegs, viele Pilotkunden besuchten Renault in Lyon. "Designs, Entwürfe, Computersimulationen, Prototypen von Kabinen, Entwicklungsstufen von Motoren, die Arbeit im Windkanal und in den anderen Testanlagen, solche Dinge konnten wir natürlich am ehesten hier präsentieren." Schritt um Schritt verfeinerten die Entwickler so die 6500 Teile, aus denen ein Lkw besteht. Ihre Aufgabe war die Koordination, vor allem musste sie die Zeitpläne durchsetzen.

Schließlich begann die Vorbereitung jenes Abends in der Lyoner Expo-Halle - und zwar schon vor zwei Jahren. Jeder von Boivins 15 engsten Mitarbeitern in der Ready-to-Launch-Abteilung ist für einen Konzernbereich zuständig. Dazu gehören unter anderem Marketing, Verkauf, Kundenbetreuung, Ersatzteilversorgung, Werkstätten, Trainings für die Mitarbeiter, um sie mit den neuen Produkten vertraut zu machen: "Alles, was vorbereitet sein muss, wenn wir die neuen Trucks vorstellen."

Als die Show im Expo-Center schließlich losgeht, sieht man Boivin den Stress der vergangenen Zeit an. Ob sie letzte Woche wohl wenig geschlafen hat? "Oh ja", lacht sie und winkt ab.

  • Thomas Küppers
    KarriereSPIEGEL-Autorin Sandra Moser ist freie Journalistin in Dürnau.

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